SZ-Serie:  "Vom Malz zur Mass", Folge 6 Der neue Bräu im alten Gut

Zum Hellen und zum Weißbier kommt in diesem Sommer ein hopfengestopftes Helles, das es nicht im Getränkehandel, sondern nur im Gutsverkauf gibt.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Guido Amendt hat mit seinem Geschäftpartner Julius Langosch die Olchinger Braumanufaktur gegründet. Noch wird das Bier in Nesselwang hergestellt, doch schon kommendes Jahr soll im früheren Pferdestall des Graßlfinger Anwesens gebraut werden

Von Erich C. Setzwein

Gut Graßlfing hat schon viele Bewohner gesehen. Jahrhundertelang, in Kriegs- wie in Friedenszeiten, ist der seit 1200 bekannte Ort ein adeliges Landgut gewesen. Wo die Kurfürsten Maximilian und Karl Theodor im 17. und 18. Jahrhundert ihre Jagden veranstalteten und Pferde trainiert wurden, haben sich seit Kurzem Guido Amendt und Julius Langosch einquartiert. Sie wollen dort ihr Brauhaus errichten. Olchinger Bier auf Olchinger Boden, dazu noch eine Gastronomie - das ist der Plan für das kommende Jahr. Bis dahin sind das "Natur Hell" , die "Olchinger Weiße" und der sporadisch gebraute "Hopfen Bua" nur vom Etikett her Sorten der Olchinger Braumanufaktur (OBM). Denn noch lassen die Jungunternehmer in der Craft-Bier-Szene in Nesselwang und Obertaufkirchen brauen. Vermarktet wird allerdings jetzt schon ausschließlich von Olching aus.

Die Geschichte des Olchinger Bieres ist vergleichsweise jung und könnte entsprechend schnell erzählt sein, wenn nicht Geschäftsführer Guido Amendt ein Marketingexperte mit viel Vorstellungskraft und noch mehr Ideen wäre. Der promovierte Betriebswirt stellte vor drei Jahren seinem Freund aus der Faschingsgilde Olching und jetzigem Geschäftspartner Julius Langosch bei einem Ausflug in die österreichischen Berge die Frage, warum es eigentlich dort kein österreichisches Bier gebe, sondern "Industrieplörre". Und schon die nächste Frage sei gewesen, warum es in Olching kein Olchinger Bier gebe.

Guido Amendt ist Geschäftsführer der Olchinger Braumanufaktur.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Nun ist Langosch Brauingenieur und kennt sich sowohl mit dem Brauen als auch mit den dafür notwendigen Anlagen gut aus. Und obzwar die Geschäftsidee, in Bayern Bier zu brauen, nicht so ganz neu ist, entschlossen sich die beiden in der sich gerade stark entwickelnden Szene junger innovativer Brauer zu einem Bier-Start-up. Nach einem Jahr der intensiven Vorbereitung und mit Unterstützung der Brauerei Postbräu in Nesselwang wurde im Frühjahr 2016 das erste Olchinger Helle angezapft. Die Resonanz war groß, schon am ersten Wochenende war das Premierenbier fast ausgetrunken. An diesem Samstag kann man das Bier auf dem Olchinger Herbstzauber probieren.

Er plant zusammen mit seinem Partner Julius Langosch (Mitte, mit Getränkehändler Johannes Krämer bei der Premiere des Olchinger Bieres) die neue Braustätte auf Gut Graßlfing.

(Foto: Günther Reger)

Auch anderswo wurde man auf das als "Erlkönig" titulierte Bier aufmerksam. Was die Jungbrauer übersehen hatten: den Erlkönig gab es bereits von Erl-Bräu, der Markenstreit schien programmiert. Amendt erinnert sich zwei Jahre später amüsiert an den Fauxpas. Man habe Lehrgeld bezahlt, sagt er, "und die Etiketten überklebt".

Zum Hellen kam ein Weißbier, das ebenso guten Absatz fand, und die Olchinger würden sich nicht Craft-Bier-Brauer nennen, wenn sie nicht neben den Standardsorten auch einmal ein besonderes Bier machen würden. So entstand das Rezept für den "Hopfenbua", der sich trinkt wie das Helle, aber durch die Kalthopfung eine besondere Bittere bekommt. Die reicht nicht an den Bitterwert von Pils heran, vermag aber das Tüpfelchen auf dem "i" zu werden. Doch auch der Hopfenbua kommt nicht aus Olching. Amendt und Langosch suchten nach der Etablierung ihrer Marke nach einer Produktionsstätte.

Hopfen

Hopfen beruhigt. Das ist dem 2-Methyl-3-buten-2-ol geschuldet, eine Substanz, die beim Abbau sogenannter Alfa-Säuren entsteht. Das wusste die Menschen in der Antike zwar noch nicht, erkannten aber die heilende Wirkung des Hopfens dennoch. Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erste Studien gemacht, die der Wirkung von Hopfen gegen Krebswachstum nachgingen. Zu dieser Zeit war längst bekannt, dass sich Hopfen als elementarer Brauzusatz eignet. Den brauenden Mönchen im Mittelalter ist es zu verdanken, dass das Bier nicht nur bitterer schmeckte, sondern durch die antibakterielle und damit konservierende Wirkung auch länger haltbar wurde. Die heute so gerne getrunkenen IPA-Biere sind nichts anderes, als sehr stark gehopfte Biere. Der Legende nach hopften englische Brauer ihr India Pale Ale für die Kolonialsoldaten in Indien sehr stark, damit es den langen Transportweg auf See nach Indien überstand. In der Olchinger Braumanufaktur ist man noch nicht mit einem eigenen IPA am Start, aber die Leidenschaft, mit einer zusätzlichen Hopfengabe aus dem Standardrezept für das helle Bier ein besonderes zu machen, zeigt Brauer Julius Landgosch beim "Hopfenbua". Der fertige Sud reift zwei weitere Wochen auf Hopfen, was die Brauer "Hopfen stopfen" nennen und gibt dem Bier etwas mehr Bittere, aber auch eine weitere, fruchtige Note. Zugesetzt wird Hopfen in getrockneter pulverisierter und gepresster Form. Die bekanntesten bayerischen Hopfenanbaugebiete befinden sich in der Holledau mit dem Hallertauer Hopfen, einer ebenso geschützten Bezeichnung wie die des Spalter Hopfens in Franken. ecs

Im Stadtteil Esting schienen sie fündig geworden zu sein, denn die "Grünen Höfe" beim Hatzlhof passten inhaltlich gut mit dem Lebensmittel Bier zusammen. Doch daraus wurde nichts, und Amendt ist heute anzumerken, dass er mit der Entscheidung, sich nicht in Esting, sondern in Graßlfing niederzulassen, sehr gut leben kann. Das alte Gut mit dem Wittelsbacher Hintergrund - immerhin die Erfinder des Reinheitsgebots - solle die "Marke aufladen", sagt Amendt.

Wie attraktiv der Ort ist, davon konnten sich während der Fußballweltmeisterschaft die Gäste des Public Viewing im improvisierten Biergarten ein Bild machen. Bis zu 400 Besucher wurden an einem Abend gezählt - ein Vorgeschmack auf den Biergarten, der als erstes entstehen soll.

Amendt hat viele Besuchergruppen durch den Rossstall geführt und ihnen die Geschichte der Halle erzählt, in der von 2019 an Bier gebraut und Schnaps gebrannt werden soll. Die OBM-Brauer planen, in einer zweiten Ausbaustufe hinter dem Stallgebäude auf einem mit Kastanien bestandenes Grundstück einen Biergarten mit bis zu 1500 Plätzen entstehen zu lassen. "Da wird sich niemand gestört fühlen", sagt Amendt. Ideal sei die Lage des Gutes wegen der Nähe zu Autobahn und Bundesstraße, zum Olchinger Schwaigfeld, zu Geiselbullach und Graßlfing sowie zum Münchner Westen. Viele aus der näheren Umgebung könnten mit dem Fahrrad kommen.

Noch braut Julius Langosch in fremden Sudkesseln 500 bis 1000 Hektoliter pro Sud, auf Gut Graßlfing werden es bis zu 3500 Hektoliter sein, mehrmals im Jahr. Langosch wird die Brauanlage selbst bauen, jeder wird ihm beim Brauen zuschauen können. Braugerste soll in der Nähe angebaut werden, damit die Bier-Genießer sehen, woher die Grundzutat kommt.

Und dann ist da noch die Heimatliebe. Amendt sagt, er wolle etwas zurückgeben an den Ort, in den er mit zwei Jahren kam, in dem er aufgewachsen ist und in dem er eine Saison der Faschingsprinz sein durfte. Die Jahre, die er beruflich außerhalb in sehr guten Positionen verbracht hat, seien vorbei. Jetzt wird der 46-Jährige der neue Bräu von Graßlfing.

Olchinger Braumanufaktur mit Schankwagen auf dem Herbstzauber, Samstag, 8. September, Hauptstraße Olching, Beginn 16 Uhr

Vom Malz zur Mass

Hier gibt's alle Folgen der SZ-Serie "Vom Malz zur Mass"

  • Vom Kultgetränk zum Craft-Bier - Seit 1556 gibt es Brauereien im Landkreis. Immer mehr Menschen stellen selbst Bier her
  • Brauen wie in der Steinzeit - Eine Arbeitsgruppe des Historischen Vereins probiert sich am Bierherstellen
  • Die vier Diven - Hefe, Malz, Hopfen und Wasser - die vier brauchen viel Pflege, damit sie im Brauprozess ihr volles Potenzial entfalten können
  • Angesehen und einflussreich - vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein waren die Brauereien in Fürstenfeldbruck und im Landkreis einer der wichtigsten Wirtschaftsfaktoren. Der Aufstieg der Münchner Konkurrenz im 19. Jahrhundert durch neue Technologien bedeutete für die meisten das Aus
  • "Der klassische Biertrinker ist eher konservativ" - Oliver Lentz und Thomas Lillpopp, Geschäftsführer und Marketingleiter der König Ludwig Schlossbrauerei Kaltenberg, über Craft Bier als neue Konkurrenz und den eigenen Fanclub
  • Die große Vielfalt - die Landbierzentrale in Germering verkauft 900 Biersorten von kleinen Brauereien in Deutschland, Europa, den USA und China
  • Der Radius um den Schornstein wird größer - die Brauerei Maisach kann auf eine Jahrhunderte alte Firmengeschichte zurückblicken. Doch erst seit zwei Jahren wird die Marke auch über den Landkreis hinaus bekanntgemacht
  • Der neue Bräu im alten Gut - noch wird das Bier der Olchinger Braumanufaktur in Nesselwang hergestellt, doch bald soll im früheren Pferdestall des Graßlfinger Anwesens gebraut werden
  • Aus dem Keller auf den Tisch - die Biere, die Andreas Hartl braut, sind nur im Gasthof "Unterwirt" in Türkenfeld zu haben
  • Weihnachtsüberraschung - Markus Geier, eigentlich IT-Experte, hat nach einem Geschenk für seine Kunden gesucht. Daraus ist eine eigene Biermarke entstanden: Hop Code heißt das neue Helle