SZ-Adventskalender:Vorfreude auf die Special Olympics

Lesezeit: 4 min

SZ-Adventskalender: Die Sportlerinnen Anna Marie Martin, Ivana Duric, Melanie Scharff, Caroline Anzinger, Flavia Dercho haben sich für die Weltspiele der Special Olympics qualifiziert. Dafür brauchen sie Turnierkleidung.

Die Sportlerinnen Anna Marie Martin, Ivana Duric, Melanie Scharff, Caroline Anzinger, Flavia Dercho haben sich für die Weltspiele der Special Olympics qualifiziert. Dafür brauchen sie Turnierkleidung.

(Foto: Leonhard Simon)

Die Mannschaft der Rhythmischen Sportgymnastik des Olchinger Vereins "Eltern behinderter Kinder" hat sich für die Spiele der Menschen mit geistiger Behinderung qualifiziert. Doch für die Turnierkleidung fehlt ihnen das Geld.

Von Johanna Haas, Olching

Fünf Sportlerinnen mit geistiger Behinderung haben sich mit ihrer Mannschaft für Rhythmischen Sportgymnastik für die Special Olympics 2023 in Berlin qualifiziert. Doch so schön die Vorstellung der Teilnahme auch ist - für einen so großen Wettkampf brauche das Team passende Kostüme, sagt die erste Vorsitzende Manuela Brehmer. Und für die fehlt das Geld.

Die vergangenen zwei Jahre waren eine echte Herausforderung für den "Kreis Eltern behinderter Kinder Olching" (EbK), zu dem die Turnerinnen gehören. Der 1975 gegründete Verein lebt von Spendengeldern. Und die sind während der Corona-Pandemie stark zurück gegangen. Dabei bräuchten die Athletinnen dringend finanzielle Hilfe. "Bei solchen Turnieren gibt es bestimmte Vorgaben, wie die Kleider für die Kür auszusehen haben. Und ein solches Kleid kostet um die 300 Euro", erklärt Brehmer.

Der Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung möchte den "Kreis Eltern behinderter Kinder" bei der Anschaffung der Turnierkleidung unterstützen. 300 Euro pro Kleid, das ist viel Geld für die Athletinnen des EbK. Dass sich die Mädchen ihre Kleider selbst kaufen, ist nicht möglich. Die Sportlerinnen arbeiten zwar regelmäßig in Werkstätten, bekommen dafür jedoch nur 100 Euro im Monat. Normalerweise versuchen der Verein und auch die Familien, die Sportlerinnen zu unterstützen so gut es geht. Doch auch für sie ist es nicht möglich, alle Kosten zu tragen, die eine Teilnahme an den Special Olympics in Berlin mit sich bringt.

"Fahrtkosten, Übernachtungen und Verpflegung kommen auf uns zu. Das zu stemmen ist schon eine Herausforderung", sagt Brehmer. Auch noch die teuren Kostüme zu finanzieren sei kaum möglich. Die Spenden aus dem Adventskalender der Süddeutschen Zeitung seien eine große Hilfe und nähmen dem Verein und den betroffenen Familien eine große Last. "Wir wollen den Athletinnen diese große Chance ermöglichen und sind deshalb wirklich für jeden Cent dankbar."

Die Auswahl ist bei den Kostümen groß. Es gibt ausgefallene, bunte Röcke mit aufwendigen Verzierungen, Pailletten und Glitzersteinen. Die Verbände machen strenge Vorgaben, so muss etwa der Rock eine bestimmte Länge haben. Das Wichtigste ist für die Vorsitzende Brehmer jedoch, dass sich die Teilnehmerinnen wohl und wunderschön fühlen. "Die Mädchen haben ein anderes Körpervolumen als andere Menschen. Und die Kürkleider sind sehr kurz, knapp und teilweise transparent", erklärt sie. Auch deshalb sei es notwendig, die Kostüme anfertigen zu lassen. Die Teilnahme an den Spielen in Berlin ist ein besonderer für die Sportlerinnen. Da soll auch das Kleid passen.

Die Special Olympics sind auch deshalb so besonders für den Verein, weil sie neue Hoffnung bringen. Denn die vergangenen zwei Jahre konnte das Vereinsleben kaum bis gar nicht stattfinden. Die sonst so zahlreich besuchten Sport-, Kultur- und Gesprächsangebote mussten eingeschränkt und teilweise sogar ganz eingestellt werden - das Geld fehlte. Aber nicht nur das: Auch die Mitglieder blieben weg. Allerdings unfreiwillig. Denn die meisten EbK-Mitglieder haben eine geistige Behinderung und leben deshalb in einer Einrichtung. Normalerweise können sie diese verlassen, um zum Beispiel zum Fußball oder zum Schwimmen zu gehen. Doch während des Lockdowns war ihnen das verboten. "Sie waren über Wochen eingesperrt. Hatten keine Bewegung, keine Motivation", sagt Manuela Brehmer.

Das "Eingesperrtsein" sei vor allem für die Athletinnen-Gruppe schwer gewesen. Als sie endlich wieder hinaus durften, stand im vergangenen Sommer der erste Wettkampf an. Bei den Bayerischen Spielen in Regensburg qualifizierten sie sich für die Special Olympics. "Dieser Sieg hat ihnen neue Motivation und Freude gegeben", sagt Brehmer.

Schon im vorigen Jahr erhielt der Verein Spenden aus dem Adventskalender der SZ. Damals waren es Tablets, um den Mitgliedern während des Lockdowns ein wenig Ablenkung und Zusammensein zu ermöglichen. "Wir haben digital gemeinsam gekocht, Adventskränze gebastelt, Sport gemacht und sogar einen Cocktailkurs durchgeführt", erzählt Manuela Brehmer. Trotzdem sei das "echte" Beieinandersein durch nichts zu ersetzen. Denn der Zusammenhalt und das Angebot im Verein sei mittlerweile immens.

Begonnen hat 1975 alles viel kleiner. Damals war das Angebot noch sehr begrenzt und der Verein zunächst dafür da, betroffenen Familien die Möglichkeit zum Austausch zu geben. "Am Anfang waren es überwiegend Mütter, die sich getroffen haben. Sie haben dann darüber gesprochen, wo es die besten Ärzte für ihre Kinder gibt, welche neuen Erfahrungen sie mit ihren behinderten Kindern gemacht haben. Sie haben sich Tipps gegeben und waren füreinander da", erklärt Brehmer.

Mittlerweile zähle der EbK etwa 400 Mitglieder. "Darunter sind Väter, Großeltern und auch Geschwister - eigentlich die ganze Familie." Im Laufe der Zeit kamen auch immer mehr Angebote für Menschen mit geistiger Behinderung dazu. Heute ist vor allem das Sportangebot groß. Leichtathletik, Basketball, Schwimmen, Fußball und eben auch Rhythmische Sportgymnastik werden angeboten. "Wir haben sogar motorisierte Karts, mit denen die Mitglieder fahren können - natürlich kann der Betreuer jederzeit eingreifen. Dann bleiben die Wagen sofort stehen", sagt Brehmer.

Sie ist heute 60 Jahre alt und seit 35 Jahren Mitglied beim EbK-Olching. Genauso lange wie ihr Bruder Patrick, der das Down-Syndrom hat. Als er zehn Jahre alt war, suchten seine Eltern eine Gruppe im Landkreis, mit denen sie sich über die Behinderung austauschen konnten. Sie stießen auf den EbK-Olching. Heute ist Patrick 45 Jahre alt und immer noch aktiv im Verein. Er ist, wie seine Schwester berichtet, begeisterter Schwimmer, fährt Kart und nimmt jede Woche an der allgemeinen Sportgruppe des EbK teil. Neben seinen zahlreichen Hobbys arbeitet er in einer Gärtnerei in Olching.

Besonders wichtig ist der Vereinsvorsitzenden die Wahlfreiheit der geistig behinderten Mitglieder. Anders als in anderen Vereinen entscheiden sie Brehmer zufolge selbst, ob sie an den Aktivitäten teilnehmen. Ziel ist es, die Inklusion zu fördern. Deshalb gibt es immer gemischte Gruppen von Menschen mit und ohne Behinderung.

Beim Team der Rhythmischen Sportgymnastik ist mit Sarah auch eine Turnerin ohne Behinderung dabei. "Wir wollen es den Behinderten ermöglichen, sich so gut wie möglich in die Gesellschaft zu integrieren", sagt Manuela Brehmer. Das sei nur möglich, wenn man den Kontakt zwischen Behinderten und nicht Behinderten schaffe. Es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, zu der jeder Einzelne seinen Teil beitragen könne.

Dieser Zusammenhalt, dieses Gemeinschaftsgefühl mache die Arbeit der vielen Ehrenamtlichen beim EbK-Olching so besonders. Gemeinsam helfen sie laut Brehmer den Mitgliedern, ihre Talente heraus zu kitzeln und über sich hinaus zu wachsen. Durch Erfolge wie die Qualifikation bei den Special Olympics entstehe für die Mitglieder Wertschätzung, sagt die Vorsitzende. "Wertschätzung, die ihnen sonst oft fehlt."

So können Sie spenden

Adventskalender für gute Werke der Süddeutschen Zeitung e.V.

Stadtsparkasse München

IBAN: DE86 7015 0000 0000 600700

BIC: SSKMDEMMXXX

www.sz-adventskalender.de, www.facebook.com/szadventskalender

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema