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Schulbeginn:Und wieder fehlen Lehrkräfte

Umfrage: Kinder möchten Schulbeginn um 8.40 Uhr

Lernen fürs Leben: Unterricht funktioniert nicht ohne Lehrkräfte. Von diesen aber gibt es in manchen Bereichen zu wenig.

(Foto: Sebastian Gollnow/dpa)

Am Dienstag beginnt ein neues Schuljahr. Der Unterricht an den Grund- und Mittelschulen im Landkreis kann nur mit einigen besonderen Maßnahmen sichergestellt werden

- Genügend Lehrerinnen und Lehrer für den Schulunterricht bereit zu stellen, bleibt auch im neuen Schuljahr schwierig. Deshalb wird an allen Ecken und Enden getüftelt: An einigen Mittelschulen im Landkreis müssen Grundschullehrkräfte Mittelschüler unterrichten, weil nicht genügend Mittelschullehrkräfte zur Verfügung stehen. Lehrer, die eigentlich für Gymnasium oder Realschulen ausgebildet wurden, werden über sogenannte Zweitqualifizierungen an Grund- und Mittelschulen eingesetzt. Daneben fehlt es in einzelnen Bereichen auch noch an Fachlehrkräften.

Die Probleme freilich sind nicht neu. Gewerkschaften und Lehrerverbände üben scharfe Kritik. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) spricht von inzwischen "dramatischen Ausmaßen" des Lehrermangels. Auch der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) warnte dieser Tage vor einem Personalmangel, der "in dieser Dimension" noch nie da gewesen sei.

Bettina Betz, fachliche Leiterin des Schulamts in Fürstenfeldbruck, nennt die Unterrichtsversorgung an den 31 Grund- und elf Mittelschulen im Landkreis Fürstenfeldbruck zunächst einmal "gesichert". Auch hätten alle Schulen für das neue Schuljahr, das am Dienstag beginnt, zusätzliche Stunden erhalten für ihre Schulprofile, Arbeitsgemeinschaften und Förderangebote. Den Grundschulen seien mehr Lehrkräfte zugewiesen worden, sagt Betz der SZ, hingegen habe es einen "spürbaren Rückgang" bei den Versetzungen von Mittelschul- und Fachlehrkräften in den Landkreis gegeben. Für die Mittelschulen spricht Betz von einer "angespannten Personalsituation". Um diese auszugleichen, wird an Grund- und Mittelschulen, die örtlich beieinander liegen oder sich sogar im selben Haus befinden, ein Teil der Unterrichtsstunden an der Mittelschule von Grundschullehrern übernommen. Sie sollen vor allem in fünften und sechsten Klassen eingesetzt werden.

Angewiesen sind die Schulen auch auf Lehrkräfte, die eigentlich an Gymnasien und Realschulen unterrichten wollten, sich nun aber über eine Zweitqualifizierung für Grund- und Mittelschulen weiterbilden lassen. Elf solcher Lehrkräfte unterrichten nach Auskunft des Schulamts bereits seit einem halben oder einem Jahr an Grund- und Mittelschulen im Landkreis, vier neue kommen hinzu. Lehrer mit befristeten Arbeitsverträgen wird es von Oktober an drei geben.

Auch Fachlehrkräfte sind rar. Den Unterricht in Werken/Gestalten müssen an vielen Grundschulen deshalb normale Grundschullehrkräfte leisten. In fachlicher Hinsicht sei dies "eine Notlösung", bekennt Bettina Betz, denn Fachlehrkräfte seien "fachspezifisch exzellent ausgebildet", während sich die Grundschullehrkräfte die Fachinhalte in wenigen Fortbildungen aneignen müssten. Die nächsten Lücken könnte die sogenannte mobile Reserve reißen. Weil man dringend Mittelschullehrer als Klassleiter brauchte, ist sie nun geringer ausgestattet. Bei den Fachlehrkräften ist die mobile Reserve schon jetzt fast vollständig verplant, um Schwangerschaftsausfälle zu kompensieren.

Auch aus Altersgründen werden zusätzliche Lehrkräfte in den nächsten Jahren gebraucht werden. Ein Viertel aller Lehrer über alle Schularten hinweg ist Angaben des BLLV zufolge 55 Jahre oder älter und wird in einigen Jahren aus dem Schuldienst ausscheiden. Gleichzeitig aber steigen die Schülerzahlen an den Grund- und Mittelschulen an, auch im Landkreis. Dort werden an den elf Mittelschulen im neuen Schuljahr 2915 Schülerinnen und Schüler unterrichtet und damit über 200 mehr als im Vorjahr. Der Landkreis ist ein Zuzugsgebiet, zudem ging die Übertrittsquote auf eine weiterführende Schule zuletzt auf 68,5 Prozent zurück. Eingeschult werden am Dienstag im Landkreis exakt 2100 Grundschulkinder und damit in etwa genauso viele wie im Vorjahr. An den Grundschulen steigt die Schülerzahl auf 8538 Kinder an.

Aber auch an den beruflichen Schulen, zu denen neben den Berufsschulen auch die Fach- und Berufsoberschulen (FOS/BOS) zählen, fehlen Lehrkräfte. Solche mit Gesundheitsausbildung sind besonders gefragt. Für die Ausbildungsrichtung Gesundheitswissenschaften - der jüngste Zweig an der Brucker FOS - könnte sie noch 1,5 Stellen gebrauchen, sagt Schulleiterin Monika Pfahler. Im neuen Schuljahr wird sie deshalb selbst an der fachpraktischen Ausbildung mitwirken. Auch die Brucker Berufsschule hat Bedarf an weiteren Lehrkräften, vor allem für die Bereiche Elektrotechnik, Metall, IT und auch Gesundheit, wie Schulleiterin Andrea Reuß sagt. Quereinsteiger aus Master-Studiengängen sollen hier künftig die Lücke schließen helfen, indem sie sich pädagogisch nachqualifizieren können.