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Poetry Slam:Berührende sieben Minuten

Die Moderation übernimmt Emil Kafitz. "Ich finde Poetry Slams faszinierend", sagt der Schüler.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Germeringer Gymnasiasten liefern sich Dichter-Wettstreit

In einem hölzernen Stuhl, der auf der Bühne in der Aula des Carl-Spitzweg-Gymnasiums platziert wurde, thront, lässig die Beine übereinander geschlagen und von Kopf bis Fuß in schwarz gekleidet, der Moderator des Abends, Emil Kafitz. Der Schüler eröffnet in einer beinahe stoischen Ruhe mit einer auswendig einstudierten Einleitung den zweiten "Poetry Slam der armen Poeten". Sobald sich der 17-jährige jedoch in Rage gesprochen hat, eilt er in seinen schweren Schnürstiefeln hastig die Bühne auf und ab. In Sekundenschnelle schießen die Sätzen aus Emils Mund und spätestens als er mit den Worten "Sie sagen, er übertreibt, es ist ein ganz normaler Donnerstag" seinen selbstgeschriebenen Text beendet, wird dem Publikum klar, dass das kein "ganz normaler Donnerstag" wird.

Insgesamt elf Schüler der sogenannten Poetry Slam AG tragen an diesem Abend selbst verfasste Poesie innerhalb einer bestimmten Zeitvorgabe dem Publikum vor. Die Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren versuchen mit ihrer Wortkunst die gut 140 anwesenden Freunde, Familienmitglieder und Lehrer in ihren Bann zu ziehen. Bereits zum zweiten Mal messen sich die jungen Poeten auf der Bühne. Die Regeln sind eindeutig: Es dürfen keine Requisiten verwendet werden und der selbstverfasste Text darf das Zeitlimit von sieben Minuten nicht überschreiten. Die Schüler betreten teilweise das ersten Mal eine Bühne. Deshalb zittern die Hände der Chefredakteurin der Schülerzeitung Naomi Rentsch auch ein wenig, als sie ihre persönlichen Gedanken, über alles, was sie im Jahr 2018 nicht verstehen kann, vorliest. Die Schülerin macht ihrem Unmut Luft. "Was hat die Menschheit für Fehler begangen, dass es alltäglich ist, Frauen an den Arsch zu langen", fragt sich Naomi.

Die Aufregung ist jedoch bei allen groß, denn die Schüler geben intime Details über verstorbene Familienmitglieder oder verlorene Freundschaften preis. "Indem man etwas persönlich Geschriebenes auf die Bühne bringt, öffnet man sich den Zuschauern komplett", bestätigt auch Moderator Emil. Erst vor einem Jahr, bei der ersten Ausgabe des Slams, hat sich der Schüler daran versucht, seine Texte vor Publikum vorzutragen. Seitdem bemüht er sich, seine Mitschüler von dem Konzept eines modernen Dichterwettstreites zu überzeugen, weil es einfach "krass Spaß macht", so Emil.

Am Ende reicht Naomis Auftritt allerdings nicht für das Finale aus. Die fünfköpfige Jury, die vorab durch ein Losverfahren ausgewählt wurde und Bewertungen von eins bis zehn abgeben darf, entscheidet sich für drei andere Poeten. Undine, Aid und Rosanna haben jeweils die Möglichkeit mit einem weiteren Text zu überzeugen. Dieses Mal liegt es allerdings im Ermessen aller Zuschauer, wer den ersten Platz belegen wird. Undine Gwinner kann sich gegen ihre Konkurrenten mit einer Geschichte über einen Besuch beim Bäcker durchsetzen. Die Qual der Wahl zwischen "Lebkuchenkrapfen und Marshmallowkrapfen mit Kürbiskaramell" bringt ihren den ersten Platz und einen Gutschein im Wert von 15 Euro für den Pausenverkauf ein.

© SZ vom 10.02.2018

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