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Mitten in Olching:Im Gänsemarsch um den See

Den Olchinger See dürfen Spaziergänger aktuell nur in eine Richtung umrunden - aus Gründen des Infektionsschutzes. Nicht jedem gefällt das

Kolumne von Karl-Wilhelm Götte

Olching will in Coronazeiten seine Spitzenposition im Landkreis in Sachen Virusabwehr weiter ausbauen. Dabei traut die Mehrheit im Stadtrat der eigenen Bevölkerung bekanntlich wenig zu, obwohl diese alle AHA-Regeln seit Monaten diszipliniert einhält, auch wenn die selbsternannten Coronabeauftragten unter den Stadträten das bezweifeln. Nun hat sich die Stadtverwaltung die Runde um den Olchinger See ausgeguckt. Dort wurde eine Einbahnstraßenregelung verfügt, damit sich die Menschen nicht zu nahekommen. Offenbar hat eine Handvoll Bürger Beschwerden an die Stadt herangetragen, Menschen würden an bestimmten Stellen zu eng aneinander vorbeispazieren. Jetzt darf nur noch gegen den Uhrzeigersinn in eine Richtung gegangen werden. Doch die Maßnahme scheint nicht zu Ende gedacht. Jedenfalls spricht einiges für die Argumentation von Volker Frühling. Der Olchinger scheint erfahrener Seegänger zu sein und die etwa 1,5-Kilometer-Runde gut zu kennen. Einbahnstraße bedeute, sagt er, dass sich die Spaziergänger im "Gänsemarsch" auf ihrer Tour bewegen. Scheint die Sonne kommen viele "Gänse" zusammen, die im Verbund hintereinander hergehen oder eben watscheln.

Konkret geht es um das schmale Uferstück parallel zur Neufeldstraße. "Dort können die Mindestabstände nicht eingehalten werden", teilt Martina Sohn, die Pressesprecherin der Stadt, die Begründung der Verwaltung für das Verbot des Gegenverkehrs mit. Dass Menschen, wenn ihnen der Betrieb am See zu groß ist, auf die Neufeldstraße und den Ulmenweg ausweichen könnten, wurde nicht erwogen. Doch der Einbahnverkehr hat Schwächen. "Jede Gruppe läuft dann automatisch in die Aerosolwolke der vorausgehenden und das pflanzt sich dann solange fort, bis mal eine größere Lücke diese Taktung durchbricht", kritisiert Frühling zu Recht. Und überholen verboten? Das wird nicht ausdrücklich gefordert, aber sonst würde alles keinen Sinn ergeben. Die Stadt beharrt darauf, dass es ohne das Einhalten derartiger Regeln einfach nicht gehe. Von Sanktionen und Bußgeldern für Regelverletzer ist diesmal nicht die Rede. Dem Fazit von Volker Frühling, dass unter Corona besonders auch der Verantwortung des Einzelnen zu trauen ist, ist zuzustimmen. Ebenso seiner Schlussfolgerung: "Vorsicht und Rücksicht sind das Gebot der Stunde, aber Angst ist kein guter Ratgeber."

© SZ vom 12.01.2021
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