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Mitten in Fürstenfeldbruck:Leben ohne Leben

Einschränkungen, nichts als Einschränkungen - ein kleines Lamento

Glosse von Heike A. Batzer

Alles getan. Alles umgesetzt, wie es die gestrenge Politik vorgegeben hat. Ein bisschen unter innerem Protest, das schon. Aber dennoch mitgemacht. Seit einem Jahr die Kino-Freundinnen nicht mehr gesehen geschweige denn mit ihnen im Kino gewesen. Ist ja schon lange nicht mehr erlaubt, und neue Filme gibt es auch nicht.

Seit einem Jahr im Home-Office. Geht ganz gut in unserem Beruf, man sitzt ohnehin die meiste Zeit vor dem Computer. Den Laptop in der Redaktion zusammengeklappt und ihm einen Platz auf dem heimischen Schreibtisch zugewiesen. Telefonumleitung ins eigene Büro, das ja zunächst als Interimslösung daherkam und nun ein fester Arbeitsplatz ist. Wohnen, leben, arbeiten - alles unter einem Dach. Gut umsetzbar, manchmal ganz praktisch, bisweilen langweilig - ohne Kollegen und ohne Termine. Man sieht sich in der Videokonferenz.

Einkaufen nur, wenn der Kühlschrank leer ist. Ein-, zweimal die Woche, und dann zügig durch den Supermarkt gerannt. Wieder zurück in das Wohnbüro oder die Bürowohnung, je nachdem wie man es sieht. Shopping als Freizeitvergnügen? Nicht möglich, und wenn doch, hat man ohnehin keinen Überblick mehr, wo gerade geöffnet ist. Und bummeln mit Termin? Dann lieber im Internet bestellen. Oder es gleich sein lassen. Der Kleiderschrank ist noch voll. Daheim bleiben macht anspruchslos.

Nirgendwo kann man hin. Kein Chor - viel zu gefährlich diese Aerosole. Kein Fitnessstudio - auch gefährlich dieses Schwitzen. Kein Restaurantbesuch - darf schon lange nicht mehr sein. Kein Popkonzert unter dicht gedrängten Gleichgesinnten, schnief! Seit fast einem halben Jahr ist Lockdown. Wird bei den Wir-müssen-jetzt-in-den-harten-Lockdown-Diskussionen oft vergessen. Leben ohne Leben eben. Jetzt gibt's mehr Impfungen, endlich. Wurde auch Zeit. Tempo, Tempo - der Staat darf jetzt mal liefern. Wir anderen, wir liefern schon ganz lange.

© SZ vom 10.04.2021
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