Kultur:Anzhofen wird wieder zum Künstlerdorf

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Kultur: Vor 25 Jahren hätte sie sich niemals vorstellen können, was einmal aus ihrer Idee wird, sagt Helga Backus.

Vor 25 Jahren hätte sie sich niemals vorstellen können, was einmal aus ihrer Idee wird, sagt Helga Backus.

(Foto: Privat/oh)

Zum 25. Mal organisiert Helga Backus "Kunst im Stadl" in dem kleinen Maisacher Ortsteil. Etwa 100 Kreative haben sich für die Jubiläumsausgabe angekündigt.

Von Mona Philipp, Maisach

Wer erleben möchte, was passiert, wenn Rohmaterial in kreative Hände fällt, sollte zum 25. Jubiläum des Kulturfestivals "Kunst & Handwerk im Stadl" kommen. Etwa 100 Künstlerinnen und Künstler zeigen dort auf dem Gelände in Anzhofen an diesem Wochenende ihre Arbeiten. Vor 25 Jahren hätte die Veranstalterin Helga Backus sich nicht erträumen lassen, welche Dimension ihre Idee, eine Galerie in dem kleinen Naturgebiet in Anzhofen stattfinden zu lassen, einmal annehmen würde. Mittlerweile erhält Backus, die selbst Künstlerin ist, so viele Bewerbungen, dass sie, zusammen mit einer Jury, eine Vorauswahl trifft. "Wir wählen diejenigen aus, die am besten zum Konzept passen. Dabei achten wir auf die Qualität, auf die Originalität und die Experimentalität der Werke", erklärt Backus.

Ebenso viel Mühe wie bei der Auswahl der Künstler, gibt sich Backus auch mit der Gestaltung des Festivals. Seit einem Jahr plant sie das diesjährige Event und seit zwei Wochen kümmert sie sich um den Aufbau. Neben ihren beiden Söhnen, ihrer Schwiegertochter und ihrem Mann, helfen auch die Bauern aus dem Ort mit, erzählt sie. Mit Hilfe von Dampfstrahlern ersparen sie Backus Familie viel wichtige Zeit, denn Arbeit gibt es genug. Nach und nach verwandelt sich das kleine Naturgebiet, das ihr die Anwohner jährlich zur Verfügung stellen, in eine kleine Wohlfühloase. "Wir legen auch auf Details Wert. Ich möchte alles einfach lieb herrichten", erzählt Backus vorfreudig.

Zwischen Tipis und durch selbst geflochtenen Vorhängen darf am Wochenende in die Kunstwelt eingetreten werden: Unter freiem Himmel glitzern die Bronzefiguren von Manfred Stroh im Sonnenlicht. Schrott und Eisen verwandelt Horst Wendland in bunte, fragile Plastiken und Figuren. Neben Raku-Keramikschalen von Lilo Hehn, findet man ein paar Meter weiter den feinen, handgefertigten Schmuck von fünfzehn Goldschmieden und Goldschmiedinnen. Auch das Flechthandwerk lässt sich anhand von Sommerhüten bestaunen. Filz-Taschen, Mäntel und Jacken, abstrakte und moderne Kunst, Glas- und Schmiedekunst, Möbeldesign - selten bekommt man die Facetten, zu denen sich Kunst und Kunsthandwerk entfalten können, so deutlich zu sehen wie an diesem Wochenende. Die Besucher sind herzlich dazu eingeladen dieses kleine Universum zu bestaunen und falls sie sich in das ein oder andere Unikat verlieben, besteht eine Kaufmöglichkeit.

Alle Künstler sind vor Ort und freuen sich über neugierige Fragen und spannende Gespräche. Auch die Kinder dürfen sich sowohl am Kaspertheater erfreuen, den Erlebnispfad erkunden, Traumfänger weben, filzen, Glasschmuck herstellen und vieles mehr. Wer will, darf auch, mit Glitzer und Farbe im Gesicht, in fremde Rollen schlüpfen. Auch Musik ist geboten. Die Bands reisen aus Berlin, Hamburg, der Schweiz und den Niederlanden an, um an der Jubiläumsfeier teilnehmen zu können. Nicht nur an zwei Tagen, sondern auch auf zwei Bühnen bekommen die Besucher einiges zu hören. Neben Coverversionen bekannter Poplieder, Jazz- und Western-Folk-Sounds, kann man sich auch von Querflöten-, Klavier- und Harfenklängen verzaubern lassen. Das Angebot reicht vom Solokünstler bis zur Bigband.

Auch das Essensauswahl bietet Originalität mit kulinarischen Köstlichkeiten. Beim "süßen Platz" können sich Besucher mit Café und Kuchen eine kleine Auszeit gönnen, bevor sie sich zurück ins Getümmel begeben. Wie kleine, bunte Smarties streut Backus ins Festivalprogramm noch zusätzliche Solo-Acts, die nicht gegensätzlicher sein könnten. Beispielsweise bietet die Bauchrednerin Tala Glück am Samstag von 12 Uhr an mit ihren Sketchen Unterhaltung für alle Altersgruppen. Mit ein bisschen Glück begegnet man dann noch dem Walking Act "Blütenträume", oder darf dabei zuzusehen, wie eine Skulptur mit einer Kettensäge geschaffen wird. Wild, turbulent und gleichzeitig zart und ästhetisch gestaltet sich die Jubiläumsfeier.

Kunst und Handwerk im Stadl, Anzhofen bei Maisach, Eintritt: Für Erwachsene 4,50 Euro, für Kinder unter 16 kostenlos. Geöffnet Samstag, 02. Juni, 12 bis 20 Uhr und Sonntag, 3. Juli, 10 bis 18 Uhr

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