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Kultur:Mit Mia unterwegs

Die Puchheimer Forstwirtin Anke Simon hat ein Kinderbuch herausgebracht, das speziell vom Leben der Wildbienen erzählt

Mia, die Mauerbiene (links) trifft ihre Cousine Melli, eine Honigbiene, die auf einem Hochhausdach lebt. Gemeinsam erkunden die beiden Stadt und Land.

(Foto: Claudia Botz/Wißner-Verlag/oh)

Die Biene heißt nicht Maja, sondern Mia, und sie ist auch keine Honig-, sondern eine Mauerbiene. Anke Simon erzählt ihre Geschichte in "Mein Wildbienenbuch", einem Bilderbuch für Kinder mit Sachbuchteil, der auch für erwachsene Leser viele aufschlussreiche Neuigkeiten über Wildbienen bereit hält, von denen es über 500 Arten in Deutschland gibt.

Die Puchheimerin Simon, 54, ist Forstwirtin, Waldpädagogin und Umweltbildnerin. Beim Bund Naturschutz ist sie tätig als Wildbienen- und Biberexpertin. Sie bietet Führungen für Kinder an, und immer habe ihr dabei ein passendes Bilderbuch gefehlt, berichtet sie. Eines, in dem die Insekten nicht wie gefährliche Aliens rüberkommen, sondern wie Geschöpfe, mit denen man mitfühlen kann. So habe sie vor drei Jahren beschlossen, das Buch selbst zu schreiben. Nun ist es fertig.

Mauerbiene Mia lebt in einem Dorf und besucht eines Tages ihre Cousine Melli, eine Honigbiene aus der Stadt. Mia ist neugierig, wie es in der Stadt so zugeht. Melli lebt in einem Bienenhaus auf dem Dach eines Hochhauses. Die beiden Bienen entdecken zuerst die Stadt, dann das Land. Sie besuchen eine Holzbiene, eine Schneckenhaus-Mauerbiene und eine Familie von Erdbienen. Dabei treffen sie auf Menschen, die sie mit Insektenspray traktieren oder mit ihren Autos die Luft verpesten. Oft haben sie es schwer, genug zu essen zu finden. In gut verständlichen Sätzen erzählt Simon von der abenteuerlichen Reise. Ganz zum Schluss kommt sogar eine Fee vor. Nebenbei erfahren die Leser viel darüber, was Honig- und Wildbienen zum Überleben brauchen.

Anke Simon (links) hat das Wildbienenbuch verfasst, Claudia Botz hat es illustriert.

(Foto: Erich Stegmaier/oh)

Die Bienen wirken sympathisch, sehen aber nicht wie Zeichentrickfiguren aus. Die Münchner Künstlerin Claudia Botz hat das Buch illustriert. "Wir wollten keine süße, schnuckelige Biene", sagt Simon. Das ist auch gelungen. Die Insekten haben, wie es sich gehört, sechs Beine und als Bienen vier Flügel, die Farben sind realistisch. Nur die Augen sind keine Facetten- sondern menschliche Augen, und Botz hat Münder statt Mundwerkzeuge gezeichnet. Durch die weiche Strichführung wirkt der Bienenpelz fedrig.

Über welche Pflanzen im Blumenkasten sich Bienen freuen, wie man Saatbänder und Insektenhotels bastelt, das erfahren die Leser auf den hinteren Seiten. Die beiden letzten Seiten bilden den Plan für ein Würfelspiel, weitere Spielanleitungen für Spiele im Freien finden sich im Buch.

Drei Jahre habe die Arbeit an dem Buch gedauert, immer wieder habe es Rückschläge gegeben, berichtet Simon. Vor allem sei es schwierig gewesen, einen Verlag zu finden, weil das Buch weder ein reines Bilder- noch ein Sachbuch sei. Nun ist es im Augsburger Wißner-Verlag erschienen, der es auf Papier druckt, das aus nachhaltig erzeugtem Holz hergestellt wurde. Das ist Forstwirtin Simon wichtig. Viele Sponsoren, darunter mehrere Kommunen aus dem Landkreis, die Bürgerstiftung, der Bund Naturschutz und die Sparkassenstiftung, haben es unterstützt. So können bei Führungen, wenn wieder welche möglich sind, Schulklassen die Bücher kostenlos erhalten.

Anke Simon, Claudia Botz (Illustrationen), Mein Wildbienenbuch, für Kinder von sechs bis elf Jahren, 56 farbig illustrierte Seiten, Paperback mit Klappenbroschur, zwölf Euro.

© SZ vom 20.05.2020

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