Kultur:Beethoven im Lockdown

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Kultur: Im Mehrgenerationenhaus LiB in Fürstenfeldbruck ist zu sehen, wie Künstler Beethoven zeigen.

Im Mehrgenerationenhaus LiB in Fürstenfeldbruck ist zu sehen, wie Künstler Beethoven zeigen.

(Foto: Carmen Vobrunner)

Kunstkreis Germering, Funtasten und Turmgeflüster haben eine gemeinsame Aufführung geplant, die den Komponisten als modernen Charakter präsentieren soll. Wegen strenger Corona-Regeln aber findet das Projekt kaum Publikum

Von Kim Romagnoli, Fürstenfeldbruck

Ludwig van Beethoven verbringt den Lockdown im Dachgeschoss eines Mehrfamilienhauses, wird auf Facebook von Fan-Accounts bejubelt oder steht im Scheinwerferlicht unter einer glitzernden Disco-Kugel. "Beethoven jetzt" lautet das Motto, das die im Brucker Mehrgenerationenhaus LiB ausgestellten Kunstwerke verbindet. Auf vielfältige Weise stellen sie den Komponisten in einem modernen Kontext dar.

Anlässlich seines 250. Geburtstags hatten im Vorjahr unter der Dachmarke BTHVN2020 in Deutschland zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen stattgefunden. Auch der Kunstkreis Germering, das Akkordeonorchester Funtasten und das Brucker Turmgeflüster hatten unter der Federführung von Doreen Höltl ein vielseitiges Projekt entworfen: Geplant war eine gemeinsame Aufführung, die Beethoven auf musikalischer, schauspielerischer und künstlerischer Ebene als modernen Charakter präsentieren sollte. Pandemiebedingt musste der für Ende 2020 geplante Auftritt jedoch abgesagt werden.

Stattdessen entstand ein fünfzehnminütiger Kurzfilm und die KunstaAusstellung im Mehrgenerationenhaus. Ein Trost, wenn auch nur ein kleiner. "Ich könnte weinen," sagt Uli Baab, Vorsitzende des Kunstkreises Germering. Da weder Vernissage noch Finissage stattfinden konnten, versammelt sich der engste Kreis der Beteiligten nun inmitten der Kunstwerke. Wenige Tage vor dem Ende der Ausstellung in der ersten Dezemberwoche stoßen sie auf die gemeinsame Arbeit an.

Spürbar getrübt ist die Stimmung angesichts der Tatsache, dass die Werke allen Bemühungen zum Trotz der Öffentlichkeit weitgehend verborgen geblieben sind. Ein Besuch der Ausstellung war zwar seit Mai möglich, allerdings nur nach vorheriger Anmeldung und unter Einhaltung strenger Corona-Regeln. "Das Interesse hält sich in Grenzen", stellt Baab nüchtern fest.

Auch ihre Kunst-Workshops für Kinder und Jugendliche musste sie absagen. "Es war alles da, was wir benötigt hätten: ausreichend Anmeldungen, Leinwände, Pinsel, Farben. Nur die Kinder durften nicht kommen." Dabei wären die Ideen der jungen Generationen zu einem modernen Beethoven besonders spannend gewesen, sagt sie. Deshalb sind es vor allem Acrylmalereien, Collagen und Exponate des Kunstkreises Germering, die in mehreren Räumen des LiB zu sehen sind. Ziel sei ein "zufälliger Kontakt mit der Kunst im Alltag", etwa für die Teilnehmer von Kursen oder Veranstaltungen, sagt Christina Siedl, Leiterin des Mehrgenerationenhauses. Auf positive Resonanz sei man damit auch bei jenen Besuchern gestoßen, die eine solche Ausstellung nicht aus Eigeninitiative heraus besucht hätten.

Alessia Paggi, Mitglied im Kunstkreis, hat ein Exponat erschaffen, mit dem sie ihre ganz persönlichen Bezüge zu Beethoven darstellen möchte. Im Hinblick auf die Ausstellung ist sie zwiegespalten: "Es ist schade, dass wir nicht mehr Menschen zeigen konnten, wie viele Ideen wir hatten," sagt sie. Andererseits ist die Künstlerin dankbar, dass ihr das Projekt während des Lockdowns Beschäftigung und Abwechslung geboten habe. So habe sie sich Zeit für eine intensive Auseinandersetzung mit ihrer Leidenschaft genommen und dabei in einen anregenden Austausch mit Gleichgesinnten treten können.

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