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Kommunalwahl in Alling:Kampf um den Bürgermeistervize

Nach dem Einzug von Grünen und ABV sitzen in Alling künftig acht Fraktionen im Gemeinderat. Unmut gibt es über ein Sondierungsgespräch, zu dem SPD und Bürgervereinigung wohl nicht eingeladen waren

Die im vorigen Jahr gegründete Allinger Bürgervereinigung (ABV) und die erstmals angetretenen Grünen haben bei der Kommunalwahl auf Anhieb den Einzug in den Gemeinderat geschafft. Die ABV bekam drei Mandate und die Grünen zwei. Mit den beiden neuen Fraktionen sind acht Wählergruppen im Gremium vertreten. Durch den Neuzugang von Grünen und ABV (insgesamt fünf) mussten die SPD einen, die Freien Wähler und die CSU je zwei Sitze abgeben. Die Christsozialen bleiben mit vier Stimmen stärkste Fraktion, stellen mit Stefan Joachimsthaler den ersten Bürgermeister und wollen wie bisher wichtige Referate besetzen. Dafür stehen mit Erich Heinz (FFW/Hilfsdienste), Walter Herz (Soziales) und Thomas Muderlak (Liegenschaften/ Wasser) drei wiedergewählte, erfahrene Referenten zur Verfügung.

Neuzugang Gabriele Loistl (52), stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende, ergänzt die Fraktion. Die zweifache Mutter ist Verwaltungsleiterin und hat Erfahrung mit den Kinderbetreuungseinrichtungen in Alling. Verhandelt wird unter anderem, wer das Finanz- und das Kultusressort übernehmen soll, nachdem die altgedienten CSU-Referenten, Hermann Dejako und Max Brunner, ausgeschieden sind. "Es wird sicher spannend aber mit dem gutem Willen, den alle zeigen, werden wir eine Aufgabenverteilung hinbekommen, die für die Gemeinde und seine Bürger von Vorteil ist", mein Stephansthaler zuversichtlich.

"An uns soll es nicht scheitern", versichert Schröder, der von den Andy Lang und Marina Nigl unterstützt wird. Lang (48) ist Schreinermeister mit eigenem Betrieb, leitet die Allinger Blaskapelle und hat beste Kontakte zu den Vereinen. Ihnen und der Förderung des Gewerbes gilt sein besonders Interesse. Marina Nigl (36), verheiratet, zwei Kinder, ist Spezialistin für Anlaufsteuerung bei BMW, Vorstandsmitglied beim Förderverein Grundschule Alling und will bei der Gestaltung eines familienfreundlichen, zukunftsorientierten Alling mitwirken, in der Traditionen gepflegt werden. Schröder selbst, der bei der Stichwahl 115 Stimmen hinter Stephansthaler lag, interessiert sich für das Amt des Vizebürgermeisters, das er seit sechs Jahren ausübt. "Das wird schwierig", denn die CSU wird dies seiner Ansicht nach zu verhindern versuchen, nachdem er der Partei den Rücken gekehrt und die ABV gegründet habe, glaubt der 54-jährige.

Trotz vereinbartem Stillschweigen ist durchgedrungen, dass FW-Chef, Landtagsabgeordneter Hans Friedl, der mit Simone Stenzer den Wiedereinzug ins Gremium schaffte, an dem Posten interessiert ist. Es soll Sondierungsgespräche gegeben haben, zu der ABV und Hubert Winkler als SPD- Einzelkämpfer nicht eingeladen wurden "Da ist nicht nur undemokratisch, sondern widerspricht allen Gepflogenheiten im Umgang miteinander", ärgert sich Winckler und Schröder wirft Joachimsthaler vor, entgegen dessen Wahlversprechen, sich ins Fahrwasser seines Vorgängers Röder zu begeben und damit der von ihm gewünschten guten Zusammenarbeit schon im Vorfeld die Basis zu entziehen.

Wie zu erfahren war, hat sich bei dem Vorgespräch vor allem Max Hennies (Grüne) energisch gegen die Kungelei ausgesprochen. Hennies ist mit 23 Jahren der jüngste Gemeinderat, studiert Politikwissenschaften und Soziologie und will sich für "mehr Transparenz" sowie für die Jugend und die Natur einsetzen und hätte gerne das Umweltreferat. Als zweite Grüne wurde Anna Borawski-Utz (parteifrei) gewählt. Die 45-jährige ist im Finanzmanagement tätig, engagiert sich im Elternbeirat von Kindergarten und Schule, ist Vorstandsmitglied im Förderverein Freunde der Grundschule Alling und will Bürgernähe und eine Entwicklung, bei der alle Altersgruppen zu ihrem Recht kommen.

Ansprüche angemeldet hat auch die Dorfgemeinschaft Biburg-Holzhausen, die mit drei Neulingen vertreten ist. Florian Naßl aus Holzhausen ist Landwirt und arbeitet als Servicetechniker für Melkanlagen. Es will sich für mehr Transparenz, Bürgernähe sowie für die Jugend und die Landwirtschaft einsetzen. Karl Wörl, selbstständiger Sanitär- und Heizungsbaumeister, ist seit 15 Jahren erster Vorstand bei der Schützengesellschaft "Bei der Burg Biburg" und sieht sein Interesse im Ausbau der Nutzung alternativer Energien und im nachhaltigen Bauen. Hans Ludwig, 32, technischer Mitarbeiter auf dem Versuchsgut Roggenstein, steht für nachhaltiges Wirtschaften und für die Verbesserung der Verkehrssituation. Wieder gewählt wurde Ingrid Schilling, die wie bisher alleine die Bürgerschaft Alling vertritt. Sie war bislang Sportreferentin und wird es wohl auch bleiben.

© SZ vom 30.04.2020

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