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Kommentar:Landkreis braucht Plan B

Warum Fürstenfeldbruck ein zweites Impfzentrum benötigt

Von Stefan Salger

Es ruckelt und zuckelt bei den Corona-Impfungen im Landkreis. Nun gleich nach Schuldigen für die Verzögerungen zu suchen und dem Gesundheitsamt in Fürstenfeldbruck Versäumnisse anzulasten, ist freilich mindestens verfrüht. Zum einen sitzen die Verantwortlichen, die zu wenig Impfstoff geordert haben, auf Bundes- und EU-Ebene. Zum anderen ist man heute eben schlauer als noch vor ein paar Monaten. Dass man nicht einfach, koste es was es wolle, bei Konzernen geordert hat, bevor die Wirksamkeit der verschiedenen Impfstoffe bewiesen und eine Zulassung in Sicht war, ist nachvollziehbar - ebenso wie eine solidarische Versorgung auf europäischer Ebene. Gleichwohl muss es nun so schnell gehen wie möglich, um bald wieder halbwegs normale Lebensverhältnisse herzustellen.

Und da kommt dann eben doch der Landkreis wieder ins Spiel: Er muss sich zwar weder die technischen Probleme der BRK-Terminhotline noch den schleppenden Start der Impfkampagne ankreiden lassen. Gleichwohl hat er die Voraussetzungen zu schaffen für einen fortan möglichst reibungslosen Verlauf. Er muss gerüstet sein für absehbare oder zumindest nicht auszuschließende Entwicklungen. Klar ist, dass es mit einem einzigen Impfzentrum für den ganzen Landkreis nicht getan ist. Dessen Kapazität ist zu gering und es sollte den Menschen nicht zugemutet werden, quer durch den ganzen Landkreis zu fahren. Ob und wo es einen zusätzlichen Standort gibt, dazu äußert sich die Kreisbehörde bislang nicht - während beispielsweise der bevölkerungsmäßig deutlich kleinere Nachbarlandkreis Dachau längst über zwei separate Impfzentren verfügt.

Mag ja sein, dass sich die Erwartungen erfüllen und Hausärzte bald den leichter handelbaren und EU-weit jüngst zugelassenen Impfstoff von Moderna verabreichen können - andere Anbieter werden folgen. Mag ja auch sein, dass das mobile Team noch signifikant ausgebaut werden kann. Zentrale Impfzentren dürften gleichwohl mit Blick auf Organisation und Kosten auf absehbare Zeit erste Wahl bleiben. Und da wird es ohne zumindest einen zweiten Standort kaum gehen. Der würde auch als Backup dienen, falls des Impfzentrum im Brucker Westen doch mal ausfällt - was bei einem monatelangen Betrieb am Limit nicht gar so unwahrscheinlich ist. Einen schlüssigen Plan B sollte es also zumindest geben, der sehr schnell aus der Schublade geholt werden kann.

© SZ vom 09.01.2021
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