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Kommentar:Gewaltiges Einsparpotenzial

Warum das Bauen mit Receyclingmaterial zukunftsweisend ist

Von Ingrid Hügenell

HeidelbergCement AG - Bilanz

Einen enormen Energiebedarf hat die Produktion von Zement.

(Foto: dpa)

Wäre die Zementherstellung ein Staat, sie hätte die dritthöchsten Kohlendioxidemissionen weltweit. Etwa acht bis elf Prozent des globalen Ausstoßes des Klimagases entstehen bei der Baustoffherstellung. Für die Europäische Union wird der Wert auf neun Prozent geschätzt. Das hat der gemeinnützige Verein "Bauwende" berechnet, eine Denkfabrik für Klimaschutz und Ressourcenschonung am Bau. Grundlage war eine Studie des bayerischen Landesamts für Umwelt. Bei der Zementherstellung wird zum einen Kalkstein bei hohen Temperaturen in großen Öfen gebrannt. Dafür wird viel Energie gebraucht. Überdies spaltet das Kalziumkarbonat, CaCO3, des Kalksteins bei der Umwandlung zu Kalziumoxid, CaO, Kohlendioxid ab, das direkt in die Atmosphäre wandert. Zement ist neben Wasser und Kies eine Hauptzutat von Beton.

Die "grauen Emissionen" und die "graue Energie" der Bauindustrie bilden einen gewaltigen Beitrag zum Klimawandel. Anders ausgedrückt: Es gibt da ein ziemlich großes Einsparpotenzial, über das bisher allerdings kaum gesprochen wird. Gut, dass der Ausschuss für Energie, Umwelt und Planung des Fürstenfeldbrucker Kreistags das getan und gleich einen wegweisenden Beschluss gefasst hat. Viele Menschen bauen nie selbst ein Haus, und wenn doch, dann nur einmal im Leben. Also ist die öffentliche Hand gefragt, sich des Themas anzunehmen. Bund, Länder und Kommunen können zeigen, wie das geht - ressourcenschonend und energiesparend bauen, immer in der Hoffnung, dass Investoren und Bauindustrie nachziehen.

Eine weitere Möglichkeit neben der Verwendung von Recycling-Material wäre das Bauen mit Holz. Oder man entscheidet sich öfter als bisher, gar nicht neu zu bauen, sondern zu sanieren, wo das baulich möglich ist. So bliebe die graue Energie erhalten, die schon in den Gebäuden steckt. Dass es finanziell oft günstiger erscheint, neu und mit neuen Materialien zu bauen, liegt meist daran, dass die Folgekosten des Klimawandels in diese Berechnungen nicht eingehen. Würde man sie mit einrechnen, wäre ressourcenschonendes, energiesparendes Bauen sicher öfter rentabel.

© SZ vom 17.11.2020
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