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Integration:Schottische Tänze und zwei Italo-Bayern

Fest der Kulturen

Gemeinsames Feiern: Egal woher ein Einwohner von Puchheim kommt, beim Fest der Kulturen ist Platz für jeden. Vor der Bühne kann man ins Gespräch kommen, oder den Musikern der Gruppe Blupandu zuhören.

(Foto: Günther Reger)

Das Fest der Kulturen in Puchheim offeriert internationale Spezialitäten, Musik und Show bis hin zum singenden Bürgermeister. Noch beeindruckender aber sind die kleinen Erfolgsgeschichten, wie sie auch die Parellos erzählen

Wer könnte besser über die Klippen der Integration berichten, über Rückschläge, aber auch übers Ankommen in einer neuen Heimat, als Theresa und Giovanni Parello. Am Sonntagmittag beobachten die beiden beim Fest der Kulturen die Mitglieder des FC Puchheim, die in den obligatorischen karierten Röcken schottische Tänze vorführen. Für die Parellos, die aus Sizilien stammen, war es vor 50 Jahren alles andere als ein Tänzchen. Als Gastarbeiter kamen sie nach Deutschland. Und sie erinnern sich an den teils recht kühlen Empfang. Liebe auf den ersten Blick war das nicht. Und von Integration sprach damals auch noch niemand. Italiener und Bayern - das konnte ja auch nicht gut gehen. Das sagt Giovanni, der im Rückblick natürlich schmunzeln kann. Denn die Sache mit der Integration klappte letztlich ja doch vorzüglich. Italiener und Bayern fanden in Puchheim also zueinander. Vor 44 Jahren mussten sich die Parellos entscheiden und beantragten die deutsche Staatsangehörigkeit. Die meisten Freunde sind inzwischen Deutsche, und die beiden holten sich einen vorzüglichen Einblick in die deutsche Wesensart und Kultur - beim Gartenbauverein, der Feuerwehr, der Nachbarschaftshilfe, dem Veteranenverein, dem VdK. Insofern sind die Parellos fast schon deutscher als viele Deutsche. So wünscht man sich das.

Und mit dem Fest der Kulturen wollen die Puchheimer weiter Hilfestellung leisten. Das Ziel ist noch nicht ganz erreicht, das räumt Ludger Wahlers vom Puchheimer Podium unumwunden ein, der gemeinsam mit 40 ehrenamtlichen Helfern dieses Fest auf die Beine gestellt hat. Es ist das dritte Mal, erstmals sind die bisherigen zwei Standorte, Kennedywiese und Puc, also zusammengewachsen. Das soll eine Blaupause sein: Die Planie mit ihrem hohen Anteil an Zuwanderern soll nicht mehr als Trabant empfunden werden, sondern mitten rein ins Herz der Puchheimer. Am Grünen Markt gibt es genügend Platz für die gemeinsame Feier, für Gespräche auf Augenhöhe, für die Bühne, die Bierbänke, die Essensstände und die Stände von Vereinen und Initiativen.

Menschen aus mehr als hundert Nationen leben in der Stadt. Wahlers bescheinigt Bürgermeister Norbert Seidl, dass gerade unter ihm sehr viel vorangegangen sei. Menschen mit verschiedenen Lebensentwürfen, Religionen und finanziellen Möglichkeiten seien enger zusammengerückt. Natürlich kracht es auch mal, das erfordere ein "ständiges Lernen", sagt Wahlers. Und klar, es gebe auch noch auf einzelnen Feldern Nachholbedarf. So waren denn auch nicht alle Puchheimer einverstanden mit dem Bau von vier Häusern in Modulbauweise in Puchheim-Ort, in die Zuwanderer nach einem erfolgreichen Abschluss des Asylverfahrens umziehen sollen, die bislang mangels Wohnungen die Gemeinschaftsunterkunft "Haus vier" nicht verlassen können. Ein bisschen mehr Solidarität würden sich die Asylhelfer da manchmal von dem einen oder anderen wünschen. Solidaritätsbekundungen für Flüchtlinge gibt es am Sonntag schwarz auf weiß: Die Frage: "Sollten Asylbewerber arbeiten dürfen", haben bereits mittags 28 Besucher mit einem klaren Ja beantwortet, kein einziger votierte mit Nein.

Am Sonntag geht es weniger um die Schatten-, vielmehr um die Sonnenseiten des Miteinanders. Wahlers freut sich über die kleine "Fressmeile" mit den sechs Hütten, in denen es Spezialitäten aus acht Nationen gibt. Und natürlich über die vielen Auftritte - Puchheim trifft die Welt und die Welt trifft sich in Puchheim. Auch in Tanz- und Akrobatikgruppen des FC Puchheim ist der Mix verschiedener Hautfarben bester Beleg, dass vor allem Vereine ein unschätzbar wichtiger Katalysator bei der Integration sind. Bewohner der Planie präsentieren internationale Volkstänze. Und natürlich darf die Gruppe Diappo nicht fehlen, die den Besuchern Rhythmik und Lebensfreude aus dem westafrikanischen Senegal näherbringt. Reinhild Friedrichs, Mitglied des Helferteams und des Asylhelferkreises, blickt schon mal mit großer Vorfreude voraus auf den Auftritt der Unterbiberger Hofmusik. Das passende Motto: "Dahoam und retour". Nichts weniger als eine Weltpremiere steht da auf dem Programm. Denn ein unter anderem mit Seidl und dem Drittem Bürgermeister Thomas Salcher besetzter kleiner Chor wird die Unterbiberger unterstützen. Werde schon klappen, sagt Seidl mittags neben der Bühne, "wir haben zweimal geprobt".

Die Zeit der Proben ist für Theresa und Giovanni Parello vorbei. Der Umzug nach Puchheim hat sich bewährt. "Wir fühlen uns wohl hier", sagt Theresa. Die beiden sind längst Italo-Bayern. "Jetzt samma halt do", sagt Giovanni und lacht, dass sein buschiger weißer Schnurrbart hüpft.