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Integration:Deutschunterricht in den Ferien

Mit der Theaterpädagogin Ulrike Schilling üben die Drittklässler, ihre Gefühle auszudrücken und darüber zu sprechen. So lernen sie auch, Konflikte und Probleme verbal zu lösen. "Wut" zu spielen, macht ihnen sichtlich Spaß.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

In einem Projekt der Bürgerstiftung lernen 20 Drittklässler sich in der Landessprache besser auszudrücken. Zum Abschluss führen sie ein selbst erarbeitetes Theaterstück auf

20 Kinder stehen sich auf der Wiese gegenüber. Sie sollen wütend sein, traurig oder fröhlich. Die neun Buben und elf Mädchen gehen alle in die dritte Klasse, in Schulen in Germering, Puchheim, Fürstenfeldbruck, Moorenweis und Maisach. Sie haben zwölf Nationalitäten und sprechen noch nicht so gut Deutsch, dass sie in der Schule ihr Potenzial wirklich entfalten könnten. Deshalb sind sie für eine Woche im Haus des Kreisjugendrings in Fürstenfeldbruck. Gerade üben sie mit Theaterpädagogin Ulrike Schilling, wie man Gefühle ausdrückt und benennt. Das Theaterspielen ist ein wichtiger Bestandteil der zweiten Deutsch-Freizeit der Bürgerstiftung für den Landkreis, wie Silvia Ponath erklärt. Die Pädagogin leitet das Projekt. Dabei lernen die Kinder auch, laut und deutlich zu sprechen, verlieren ihre Schüchternheit.

Vormittags haben die Buben und Mädchen Deutschunterricht, mit Arbeitsblättern und Aufgaben. Dazu werden sie in drei Gruppen aufgeteilt, die von der Grundschullehrerin Monika Schindler und den Lehramtsstudenten Anni Käppel und Julian Simon unterrichtet werden. Nachmittags wird Theater gespielt oder alle zusammen wandern in die Stadtbücherei. Dort hätten manche Kinder einen erstaunlichen Wortschatz gezeigt, sagt Ponath und erzählt von einem Buben aus Uganda, der die Wörter "skeptisch" und "Evolution" habe erklären können. An diesem Nachmittag bereitet der KJR ein Spiel im Garten vor, bei dem es spielerisch um Kommunikation und Problemlösung geht. Abends wird vorgelesen. Ponath selbst übernachtet mit den Kindern im Haus, ebenso Luca Golling.

"Heuer haben wir lauter neugierige, wissbegierige Kinder", sagt Ponath. Sie könnten sich gegenseitig helfen und lernten auch, dass sie fragen dürfen, wenn sie etwas nicht verstehen. Gut Deutsch zu können, ist eine Grundlage für den Schulerfolg, auch in Mathematik - bei Textaufgaben. Die Bürgerstiftung hat deshalb schon zum zweiten Mal alle Grundschulen im Landkreis angeschrieben, damit diese Drittklässler melden können, die das Zeug dazu haben, nach der vierten Klasse eine weiterführende Schule zu besuchen, deren Deutschkenntnisse dafür aber noch nicht ausreichen. Eine Woche in den Pfingstferien und dann noch einmal zwei Wochen am Ende der Sommerferien kommen die Kinder in das KJR-Haus. Als Abschluss führen sie ein Theaterstück auf, das sie selbst erarbeiten.

Die Buben und Mädchen, die teilnehmen, sind zwischen acht und zehn Jahre alt. Sie stammen aus Syrien, dem Irak, Ungarn, Bosnien, Polen, den Niederlanden, Rumänien, der Türkei, Kroatien, Uganda, Nigeria und auch aus Deutschland. Die Teilnahme sei eine Herausforderung für die Kinder, sagt Ponath: "Sie kennen sich nicht untereinander und uns Betreuer auch nicht." Manchen Eltern falle es schwer, ihr Kind zur Freizeit zu schicken und es außer Haus übernachten zu lassen. Die Gruppe zeichne sich aber durch ihr gutes Sozialverhalten und große Hilfsbereitschaft aus. Für das Betreuerteam, das auf Honorarbasis arbeitet, habe oberste Priorität, dass die Kinder sich wohlfühlen.

Die Pause zwischen Pfingsten und im Sommer nutze man, um das Programm noch besser auf die Kinder abzustimmen und deren Wünsche einzubeziehen, erklärt Julian Simon. "Da fühlen sie sich bestätigt", sagt der Lehramtsstudent. Wichtig sei, den Kindern Wertschätzung zu zeigen, sie ernst zu nehmen und ihnen mit Mitgefühl zu begegnen.

Ponath fände es gut, wenn der Kontakt zu den ehemaligen Teilnehmern erhalten bleiben und es ein Nachtreffen oder Ähnliches geben könnte. So kann sie nur erzählen, was ihr die Lehrkräfte der Schüler berichtet haben, die voriges Jahr an der ersten Deutsch-Freizeit teilgenommen haben: Die hätten bemerkt, dass die Buben und Mädchen sich mitgeteilt und viel erzählt hätten. "Die schaffen vielleicht nicht den Übertritt, kommen aber besser auf dem M-Zweig zurecht" - und schaffen so eher die Mittlere Reife.