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Gröbenzell:Trübe Aussichten

Die Klage einer Anwohnerin verzögert den Bau eines Teilstücks der Gröbenzeller Lärmschutzwand um bis zu drei Jahre. Auch weitere transparente Elemente in der Ortsmitte soll es laut Bahn nicht geben.

Es sind überwiegend schlechte Nachrichten, die DB-Projektmanager Alexander Pawlik den Gröbenzellern bei der Informationsveranstaltung am Donnerstagabend überbracht hat: Der Bau der Lärmschutzwand zwischen der Ascherbach- und der Exterstraße verzögert sich wegen des laufenden Rechtsstreits mit einer Anwohnerin um ein bis drei Jahre. Vor der Fertigstellung dieses etwa 300 Meter langen Abschnitts an der Hauptbahnlinie gibt es in ganz Gröbenzell sowie in den benachbarten Olchinger Stadtteilen auch keine Zuschüsse für Schallschutzfenster und andere sogenannte passive Lärmschutzmaßnahmen. Und die Chance, dass in der Ortsmitte noch mehr transparente Elemente eingebaut werden, ist gering.

Dass auch die passiven Lärmschutzmaßnahmen durch den Prozess mit der Anwohnerin blockiert werden, liegt laut Pawlik daran, dass sich die Lärmsituation im Nordwesten Gröbenzells erst abschließend beurteilen lässt, wenn die Wand komplett fertiggestellt ist. Und die Bahn will das Verfahren für die ganze Gemeinde und die angrenzenden Gebiete gemeinsam abwickeln. Immerhin versprach Pawlik, sich noch einmal dafür einzusetzen, dass auch die große Lücke in der Lärmschutzwand an der Güterbahnlinie geschlossen wird: "Ich werde prüfen, ob etwas geht", sagte er, als ihm Thomas Breitenfellner, Fraktionsvorsitzender der CSU im Gemeinderat, 80 Unterschriften von betroffenen Anwohnern überreichte.

Die Veranstaltung in der Wildmooshalle war eigentlich vor allem wegen der Diskussion um die Gestaltung der Schallschutzwände einberufen worden. SPD und Grüne hatten sich mit einer gemeinsamen Unterschriftensammlung dafür stark gemacht, dass im gesamten Bereich um den Bahnhof ausschließlich transparente Elemente aufgestellt werden, damit der Ort nicht durch eine unansehnliche Wand zerteilt wird. 500 Gröbenzeller haben diese Forderung laut dem Grünen-Fraktionssprecher Markus Rainer unterstützt.

Doch Pawlik stellte klar, dass mindestens der unterste Meter der insgesamt drei Meter hohen Wände aus einem Material sein muss, das den Schall vollständig absorbiert, und nicht durch aufgewirbelte Steine beschädigt werden kann. Eigentlich dürfe sogar nur der oberste Meter aus Acrylglas sein, weil dieses den Schall reflektiert und damit im schlimmsten Fall auf der gegenüberliegenden Seite zu einer Verschlechterung führe. Die jetzt geplanten 1,50 Meter seien ohnehin ein Zugeständnis, mehr werde das Eisenbahnbundesamt nicht genehmigen, weil sonst der gewünschte Schallschutzeffekt nicht erreicht werde. "Es kann passieren, dass sie den Bogen überspannen und am Ende nur einen Meter bekommen", warnte Pawlik. Allerdings machte der Bahn-Manager den Gröbenzellern Hoffnungen, dass auf Wunsch der Gemeinde der 15 Meter lange Abschnitt gegenüber dem Musiklokal Hexe noch mit transparenten Elementen gestaltet werden kann.

Dabei bergen diese Acrylglaselemente Nachteile, die in der Diskussion bislang kaum eine Rolle gespielt haben. Sie haben keine Schutzschicht gegen Graffiti und Schmierereien. "Wenn sich hier einer austobt, ist die transparente Wand blind", sagte Pawlik. Und auch der Bremsstaub setzt den transparenten Wänden wesentlich stärker zu, als den herkömmlichen. Spätestens in zehn Jahren kann man demnach ohnehin nicht mehr durch das Acrylglas schauen. Ein Austausch ist nicht vorgesehen. "Die Betriebsdauer ist 50 Jahre", sagte Pawlik.

Das ist auch der Grund, warum Zweiter Bürgermeister Walter Strauch (CSU) es bei der jetzt ausgehandelten Lösung belassen will. "Über diese Aussage war ich sehr, sehr erschrocken", sagte er am Freitag. Markus Rainer dagegen akzeptiert zwar, dass der unterste Meter aus Aluminium ist. Er will aber über einen Antrag im Gemeinderat verlangen, dass die Bahn den Einbau zwei Meter hoher transparente Elemente auf der Nordseite prüft. Wenn sich dadurch die Schallsituation auf der Südseite der Gleise nicht merklich verschlechtert, will er darauf beharren. Den von Pawlik angeführten Verschleiß der Acrylglaselemente bezeichnet er als "Gräuelpropaganda".

Den meisten Bürgern, die in die Wildmooshalle gekommen waren, ging es weniger um die Gestaltung der Lärmschutzwände als darum, bestehende Lücken in der Planung doch noch zu schließen. Dieter Hoebusch aus der abseits der Bahn liegenden Eschenrieder Straße erntete wütenden Protest, als er die Planung mit der "DDR-Mauer" verglich. Und Pawliks Aussage, dass die Schallschutzwand für die gebaut werde, die unter dem Zuglärm leiden und nicht für die, die ab und zu zur S-Bahn gingen und sich an ihrem Anblick stören, wurde mit Applaus bedacht.

© SZ vom 26.01.2013

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