Grafrath/Schöngeising:Das geteilte E-Mobil

Lesezeit: 2 min

Info-Tag zum Carsharing

Oliver Weiß von der Firma Teilzeug (Zweiter von links) und Bürgermeister Thomas Totzauer werben mit Flexibilität und niedrigen Kosten.

(Foto: Lukas Barth)

Zwei Gemeinden informieren über ihre Carsharing-Angebote. Das Interesse ist groß

Von Manfred Amann, Grafrath/Schöngeising

Carsharing ist auch auf dem Land für viele Bürger eine geldwerte Alternative zu einem eigenen Fahrzeug oder zum Zweitwagen. Der Nutzerkreis des Elektro-Rasso-Cars, einem Renault Zoe, den die Gemeinde Grafrath seit Juli 2019 zur Verfügung stellt, wächst kontinuierlich. Auch an dem seit diesem Frühjahr verfügbaren Elektro-Orlando-Mobil gleichen Typs in Schöngeising finden immer mehr Einwohner Gefallen. Auch beim Info-Tag der beide Kommunen am Sonntag mit Unterstützung der Agenda 21-Gruppen war großes Interesse erkennbar.

"Die Auslastung erhöht sich zusehends, wir haben fast täglich wenigstens eine Buchung und eine gute Stammkundschaft", erklärte Roger Struzena, der die Einführung des Carsharings in der Verwaltungsgemeinschaft Grafrath mitinitiiert hat. Einige Nutzer kommen aus Kottgeisering. Dort überlege man nun auch, aufgrund der Nachfrage eventuell ein Auto bereitzustellen. Informiert wurde über Nutzungsmodalitäten von der Anmeldung bis zur Abmeldung nach dem Tanken von Oliver Weiß von der Firma Teilzeug, die das Carsharing-Projekt begleitet. "Überrascht von dem großen Interesse" sei er, man merke eben, dass die positive Erfahrung von Nachbarn oder Bekannten motivierend für andere sei. "Es spricht sich eben rum, dass es einfacher und bequemer ist als gedacht, ergänzte Struzena. Als Sandra Igel in Grafrath von einer Probefahrt zurückkehrt, strahlt sie vor Begeisterung über das angenehme Fahrerlebnis. "Ich wohne in der Nähe des Bahnhofs, muss also bei Wind und Wetter mit dem Fahrrad oder anderweitig zur Schule kommen, um aufs Auto umsteigen zu können, das macht mir die Entscheidung nicht leicht, ob wir uns nicht doch einen Zweitwagen zulegen, erzählt sie. Für Struzena hängt der kurzzeitige Umstieg auf ein Leihauto von der persönlichen Bereitschaft jedes einzelnen ab, sich umzustellen. "Carsharing-Nutzer sind flexibel, vorausschauend und haben eine positive Einstellung zur Umwelt", merkte er lobend an.

Annette Fulda nutzt das Rasso-Car schon seit geraumer Zeit und kann "nichts Negatives" dazu sagen. "Bislang habe ich das Auto immer bekommen, wann ich es brauchte, sagte sie. Auch Tochter Sarah nutze das Auto, wenn sie vom Auslandsstudium in Semesterpausen nach Hause kommt, ergänzte Partner Roland Bäuerle. Somit könne man auf ein Zweitauto verzichten. In Grafrath nutzen zwischen 70 und 100 Bürger mittlerweile das Rasso-Car und sparen sich laut Struzena so eine Menge Geld. Manche buchten spontan, andere wiederum schon Wochen vorher. Interessant findet Oliver Weiß, dass 80 Prozent der Nutzer Frauen sind, was darauf schließen lasse, dass Männer weniger gern auf ihr Auto verzichten. Besonders oft werde als Argument für Carsharing der geringe Preis von 2,50 Euro pro Stunde sowie das einfache Handling bei An- und Abmeldung angeführt. In Schöngeising rechnete Bürgermeister Thomas Totzauer mit Interessenten hoch, dass man für ein eigenes Auto inklusive Anschaffungs- und Wartungskosten je Stunde etwa drei Mal so viel Geld aufbringen müsse. "Für die Gemeinde ist das Carsharing-Projekt zumindest in der Anfangszeit ein großes Verlustgeschäft", erklärte Totzauer. Man müsse aber die positiven Auswirkungen für Umwelt und Klima berücksichtigen. Hermann Schadt hat eine Testfahrt hinter sich und kann sich nun gut vorstellen, dass seine Frau oder er das Orlando-Mobil zukünftig nutzen. "Ganz ohne eigenes Auto wird es aber dennoch nicht gehen, glaubt der Senior.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema