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Gebühren:Maisacher Wasserpreis übersteigt Ein-Euro-Grenze

Die Gemeinde hebt die Gebühr für einen Kubikmeter von 0,62 auf 1,01 Euro an. Grund sind die steigenden Sanierungskosten der Leitungen

Von Erich C. Setzwein, Maisach

Trinkwasser von höchster Qualität, ein eigenes Wasserwerk, dessen Mitarbeiter sich sogar um die Hausanschlüsse bei Neubauten kümmern und darauf schauen, dass das Mischungsverhältnis aus den Flach- und Tiefbrunnen stets optimal ist - diese Vorteile und einen unschlagbar günstigen Preis genießen die Maisacher seit Langem. Damit das auch so bleibt, wird aber nun eben dieser Wasserpreis steigen. Und zwar deutlich, denn in den vergangenen fünf Jahren sind so viele Reparaturen am teils mehr als 50 Jahre alten Leitungsnetz angefallen, dass die Kosten von 5,3 Millionen Euro seit 2011 nicht mehr aus den Ausbaubeiträgen und den Verbrauchsgebühren gedeckt werden konnten.

Unschlagbar günstig bleibe der Preis auch nach der Erhöhung von 62 Cent auf 1,01 Euro für einen Kubikmeter, sagte Maisachs Kämmerin Angelika Braunmüller am Donnerstagabend im Gemeinderat, als es um die Anpassung der Wasserpreise zum 1. Januar 2018 ging. Im bayern- wie landkreisweiten Durchschnitt ist die derzeitige Gebühr für einen Kubikmeter Wasser preiswert. Auch nach der Erhöhung werde die Gebühr von 1,01 Euro unter dem Durchschnittswert im Landkreis von 1,07 Euro liegen. Der Amperverband beispielsweise, verlangt 1,06 Euro pro Kubikmeter, und in Oberbayern sind es im Schnitt 1,36 Euro. Bürgermeister Hans Seidl (CSU) ordnete den neuen Preis so ein: "In keinem Supermarkt kriegt man 1000 Liter für einen Euro."

Nun wird eine Maisacher Durchschnittsfamilie mit einem Jahresverbrauch von 160 Kubikmetern Wasser nicht mehr um die 130 Euro im Jahr bezahlen, sondern wohl etwas mehr als 200. In die Berechnung fließen die Gebühr für das Trinkwasser selbst, eine Grundgebühr, die Zählergebühr sowie siebenprozentige Mehrwertsteuer ein. Solche Durchschnittsfamilien machen 85 Prozent der Verbraucher aus, sechs Prozent sind Single-Haushalte, der Anteil der Großabnehmer mit mehr als 2000 Kubikmetern Wasserverbrauch beträgt neun Prozent. Die Gebühren sollen dann erst wieder in drei Jahren überprüft werden.

Mit ihren Gebühren werden die Maisacher die von Braunmüller vorgestellten Sanierungsmaßnahmen der Wasserleitungen mittragen. So ist unter anderem schon im kommenden Jahr der Bau eines Notverbunds zwischen Malching und Germerswang geplant, der auf etwa eine Viertelmillion Euro geschätzt wird. Wenn die Bahnhofstraße in drei Jahren saniert wird, muss auch die dort die Wasserleitung erneuert werden. Dort wird mit Kosten von einer halben Million Euro gerechnet. Die Kämmerin berechnet für alle Maßnahmen bis 2020 1,7 Millionen Euro.

Von Grünen-Gemeinderätin Christine Wunderl auf die Wasserqualität angesprochen, sagte Umweltamtsleiter Eugen Bachhuber, dass die Landwirte ihre Verträge einhalten und in den Einzugsgebieten nicht oder weniger düngen würden. Das Wasser aus den Flachbrunnen werde mit dem Wasser aus dem Tiefbrunnen gemischt. Dieses etwa 1000 Jahre alte Wasser aber sei sehr wertvoll und deshalb zu schonen. Tiefbrunnenwasser ist nahezu nitratfrei "Es ist ein Sparbuch, das wir abheben", sagte Bachhuber.

In der kommenden Woche, kündigte Seidl an, werde es ein weiteres Gespräch mit den Landwirten geben, die ihre Felder im erweiterten Einzugsgebiet der Trinkwasserförderung bewirtschaften. Er regte an, dass Gemeinderäte an dieser Versammlung teilnehmen sollten, um sich ein Bild machen zu können. Der Bürgermeister kündigte überdies an, dass die Gemeinde schon im kommenden Jahr in den Schulen und Kindergärten Wasserspender aufstellen wolle, um den Kindern deutlich zu machen: "Wasser ist ein hochwertiges Nahrungsmittel."

© SZ vom 16.12.2017
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