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Gartenbau:"Man sitzt doch lieber unter einem Baum"

Umweltexpertin aus Eichenau rät von Schottergärten ab, die im Sommer sehr heiß und staubig sein können

Interview von Ingrid Hügenell

Carolin Speth, 29, ist seit Oktober Sachbearbeiterin der Gemeinde Eichenau für Umwelt und Klimaschutz. Zusammen mit der Stadt Puchheim hat Eichenau das Projekt "Mehr Arten im Garten entwickelt". Im Interview erklärt die Umweltingenieurin, welchen Zweck der Tag der offenen Gärten hat und warum Schottergärten problematisch sind.

Wieso laden Sie in die Puchheimer und Eichenauer Gärten ein?

Der Tag der offenen Gärten ist Teil des Projekts "Mehr Arten im Garten", bei dem wir auch Gartenberatungen und Online-Vorträge anbieten. Der Blick in die Gärten soll die Besucher und Besucherinnen inspirieren, soll ihnen durch die Praxisbeispiele neue Ideen vermitteln, und das auf entspannte Art und Weise. Die Besucher können sich austauschen, Eindrücke sammeln und merken, dass man vieles zu Hause auch umsetzen kann.

Warum wollen Sie mehr Arten in den Gärten?

Es geht darum, das Potenzial zu nutzen, das wir in den Gärten haben. Es gibt viele Flächen, auf denen man Lebensräume und Nahrungsangebote schaffen kann für Wildbienen, andere Insekten, Vögel, für viele Tiere. Gärten sind außerdem wichtige Temperaturregulatoren, die ihre Umgebung kühlen und Wasser aufnehmen.

Das gilt ja nur für bepflanzte Gärten. Es scheint aber immer mehr Schottergärten zu geben.

Schottergärten sind im Trend, auch in Eichenau.

(Foto: Ingrid Hügenell/oh)

Ich habe dazu keine Statistik, aber das ist ein Trend. Offenbar wünschen sich viele Gartenbesitzer das als ästhetischen Raum, der modern wirkt. Ich weiß gar nicht, woher das kommt, aber jeder findet eben etwas anderes schön. Die Gartenbesitzer vermuten oft, dass sie sich Zeit und Kosten sparen. Dabei können Schottergärten sehr teuer werden. Wenn man gar keine Pflanzen haben will, muss man sie aufwendig pflegen. Alternativ könnte man im Vorgarten auch eine artenreiche Magerwiese haben.

Kann man denn auf so einer Fläche überhaupt gemütlich sitzen?

Kiesflächen heizen sich viel schneller auf. Man sitzt doch eigentlich lieber unter einem Baum im Schatten. Über den Steinen bleibt die Luft auch nachts warm, und staubig ist es da oft auch. Pflanzen filtern ja Staub aus der Luft. Dabei wollen wir Hitzeinseln eigentlich vermeiden, gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels. Es wird immer mehr sehr heiße Tage geben. Wir sollten die Chance nutzen, dass Pflanzen die Luft kühlen.

Carolin Speth arbeitet für Umwelt und Klimaschutz.

(Foto: Privat)

Würde ein Verbot helfen, wie manche Kommunen es schon haben?

Das wäre sinnvoll, wenn der Trend anhält und würde die Sache leichter machen. Man müsste ein Verbot allerdings kontrollieren, was nicht ganz einfach ist. Es ist aber auch ein Zeichen, wenn man klar sagt, das ist nicht gewollt. Ich hoffe eigentlich, dass die Leute merken, dass es Sinn hat und Spaß macht, wenn man seinen Garten naturnah anlegt. Die Empfehlung ist auf jeden Fall, dass man Kies- und Schottergärten vermeidet.

Ist in Eichenau ein Verbot geplant?

Die Ortsentwicklungskommission befasst sich aktuell mit dem Thema.

Ihre Puchheimer Kollegin Monika Dufner zeigt ihren Garten am Sonntag. Haben Sie selbst auch einen?

Nein, leider nicht. Aber wir haben zwei Balkone, die sind sehr bepflanzt und werden gut besucht von Bienen und Hummeln. Wir ziehen dort Himbeeren und Gemüse.

© SZ vom 19.06.2021
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