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Fürstenfeldbruck:Vorsicht, Falle!

Polizisten informieren gezielt ältere Menschen über die neueste Masche der Trickbetrüger

Vor der Sparkasse, unter einem Pavillon, ist die Polizei mit einem regelrechten Großaufgebot vertreten. Am Montag informieren hier und an anderen Stellen in der Altstadt um die 30 Beamten aus Fürstenfeldbruck und Germering über Trickbetrug. Vor allem auf Senioren hätten es die Ganoven abgesehen, die unter einem Vorwand an Geld oder Wertsachen zu kommen versuchen, erklärt Nina Vallentin, Leiterin der Brucker Polizeiinspektion.

Zwei Beamtinnen sprechen einen älteren Mann an, um ihn vor einem "Trenddelikt" zu warnen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Viele klingeln nicht einmal an der Tür, sondern setzen gleich auf die Callcenter-Masche. Die Angerufenen werden am Telefon zu einem weiteren Gesprächspartner verbunden, alles macht einen professionellen Eindruck. Sie geben sich als Polizisten, Notare oder Staatsanwälte aus. Es gehe darum, "Druck aufzubauen, dass die Leute Wertsachen irgendwo hinlegen oder abholen lassen". Die Täter erfinden auch Geschichten von angeblich in Not geratenen Familienmitgliedern. "Jede Oma will ihrem Enkel helfen, so Vallentin. Betrug sei ein "Spiel mit der Gutmütigkeit".

403 Fälle

403 Fälle von Trickbetrug hat es im ersten Halbjahr 2018 im Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck gegeben. Dazu zählen auch die Landkreise Dachau, Landsberg und Starnberg. Dabei ist insgesamt ein Schaden in Höhe von etwa 140 000 Euro entstanden - in Form von Bargeld oder Wertgegenständen. Hauptkommissar Andreas Rau sagt, man könne von einer höheren Dunkelziffer ausgehen. In Fürstenfeldbruck sind die Ansprechpartner der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle Josef Heggmeier und Josef Dietz. Sie sind unter Telefon 08141/612-486 zu erreichen. Bundesweit hilft der gemeinnützige Verein "Weißer Ring" den Opfern von Trickbetrug. Neben Begleitung zu den Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht, bietet er Unterstützung bei materiellen Notlagen im Zusammenhang mit der Straftat an. Der Verein ist unter Telefon 116 006 erreichbar. brfa

Um sich zu schützen, ist es im Gespräch "wichtig, dass man keine Daten preisgibt". Wenn Betrüger etwa einen Namen kennen, erleichtert ihnen das den Einstieg. Außerdem rät Vallentin, bei Unsicherheiten sicherheitshalber die Polizei zu kontaktieren. Man solle auch immer einen "Kontrollanruf" machen, sagt Hauptkommissar Andreas Rau. Betrüger verwendeten manipulierte Absendernummer, auf dem Telefondisplay wird dann etwa "110" angezeigt.

Dass Betrüger mit ihrer Masche so oft Erfolg haben, liegt Rau zufolge an der Einsamkeit vieler Senioren. Es fehle am Kontakt zu den Angehörige. Wenn Großeltern wissen, dass der Enkel im Urlaub ist, dann würden sie vermutlich schneller misstrauisch. Christl Hirt, 78, kann das bestätigen. Sie bekomme von ihren Kindern "eingebläut, einfach aufzulegen". Wilhelm Maurer, 67, sagt, er habe schon dubiose Anrufe bekommen. Die Anrufer haben gefragt, "welche Versicherung man hat oder ob man Geld zu Hause hat".

Laut Andreas Rau erzählen viele Betrugsopfer aus Angst oder Scham nicht, was ihnen widerfahren ist. Da gebe es "Missgunst bei der Verwandtschaft wegen des Geldes".

An diesem Dienstag sind die Polizisten von etwa 10 bis 13 Uhr auf dem Geschwister-Scholl-Platz in Fürstenfeldbruck und auf der Nordseite des Puchheimer Bahnhofs unterwegs. Am Mittwoch beraten die Beamten zur gleichen Zeit in Emmering vor dem Rathaus.