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Forstwirtschaft:Tödliche Konsequenzen

Waldbegehung

Jan Borsdorf (links) und Günter Biermayer (Mitte) demonstrieren den Waldbesitzern und Jäger das Aufnahmeverfahren für das forstliche Gutachten.

(Foto: Günther Reger)

In dieser Woche beginnt die Bestandsaufnahme für das forstliche Gutachten. Werden dabei zu viele Verbissschäden entdeckt, werden die Abschusspläne korrigiert und die Jäger müssen mehr Rehe erlegen

Vier Kategorien entscheiden im Wald über Leben und Tod. Von "günstig" und "tragbar" reicht die Bewertung des Försters bis zu "zu hoch" und "deutlich zu hoch". Erreichen die Schäden, die Rehe in jungen Baumbeständen anrichten, die höheren Stufen, müssen die Jäger mehr Tiere erlegen. Wie es derzeit um den Wald bestellt ist und welche Konsequenzen aus der "Verbisssituation" zu ziehen sind, das soll das forstliche Gutachten ergeben. In dieser Woche beginnt in den Wäldern im Landkreis, die zu vier Hegegemeinschaften gehören, die Bestandsaufnahme durch Förster der bayerischen Forstverwaltung.

Luftaufnahmen würden Förstern wie Jan Borsdorf bei der Aufnahme der Waldverjüngung nicht helfen. Dafür muss Borsdorf in den Wald, an eine Stelle, die ihm ein Gitternetz auf einer Bayernkarte vorgibt. In einem Waldstück auf der Emmeringer Leite von Hans Weiß und dessen Sohn, der denselben Vornamen trägt wie der Vater, liegt so ein Kreuzungspunkt, und dort zeigt Borsdorf Waldbesitzern, Jägern und der Presse, was das Gutachten verlangt. Der Revierförster ist zwar mit einem outdoortauglichen Mobilcomputer ausgestattet, für die Bestimmung von jungen Bäumen aber benutzt er ganz normale hölzerne Wäscheklammern. Das helle Holz ist im saftigen Grün der jungen Fichten und Kiefern am besten zu erkennen. Gerade sind die Flächen mit der Naturverjüngung, also der natürlichen Vermehrung von Bäumen im Wald, nicht schneebedeckt. Das macht es für Borsdorf leichter, die richtigen Schlüsse zu ziehen, und es ermöglicht Günter Biermayer, dem Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Fürstenfeldbruck, die forstpolitischen Maßnahmen zu erklären. Die Forstverwaltung ist stark daran interessiert, die privaten Waldbesitzer zu einem Umbau des Waldes zu bewegen, weg von den Fichten-Monokulturen hin zu einem Mischwald mit Zukunftsaussichten für wärmere Zeiten. Denn, wie Biermayer sagt, den Fichten sei es jetzt schon zu warm, sie würden sich als Bäume der feucht-kühlen Regionen dem Klimawandel nicht anpassen können. Stattdessen seien Douglasien geeignet, auch Weißtannen und Eichen gehörten in einen Mischwald. Damit diese neue Wälder entstehen können, sich neben dem Eingriff der Menschen auch selbst weiter entwickeln können, dafür muss es laut Biermayer ein ausgewogenes Verhältnis von Wald und Wild geben. Seien zu viele Rehe im Wald, würden die Verbissschäden gravierender und die Verjüngung schlechter.

Im Abstand von drei Jahren muss deshalb an jungen Bäumen untersucht werden, ob sie von Rehen angebissen wurden. Jan Borsdorf markiert deshalb 15 Bäumchen in Höhen von 20 Zentimeter bis 1,30 Meter, die er zu untersuchen hat. In seinen Computer gibt er dann die ermittelten Ergebnisse ein, also Baumart und Wuchshöhe, ob der Leittrieb abgebissen ist und wie der Verbiss im oberen Drittel des noch dünnen Stamms aussieht.

Bis zum September werden die erhobenen Daten von bis zu 120 Aufnahmepunkten aus dem Landkreis verarbeitet und bewertet sein und gehen dann an untere Jagdbehörden beim Landratsamt. Dort wird dann entschieden, in welchen Hegegemeinschaften mehr oder weniger Wild getötet werden muss, um die Verjüngung des Waldes zu ermöglichen. Die Abschusspläne gelten drei Jahr lang, dann wird das forstliche Gutachten fortgeschrieben.

Waldbesitzer, die eine "Revierweise Aussage" der Verbissschäden über ihr Jagdrevier haben möchten, können diese beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten beantragen. Es reich, so die Behörde, dem Amt Name, Adresse und das jeweilige Revier entweder per Fax an 08141/3223-555 oder per E-Mail an poststelle@aelf-ff.bayern.de zu nennen.