Football:Ausnahmen für hochklassigen Sport

Football: Die Fursty Razorbacks sind die 1986 gegründete American-Football-Abteilung des TuS Fürstenfeldbruck. Diese umfasst auch vier Jugendmannschaften sowie Cheerleader. 2020 gelang der Herrenmannschaft der Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga.

Die Fursty Razorbacks sind die 1986 gegründete American-Football-Abteilung des TuS Fürstenfeldbruck. Diese umfasst auch vier Jugendmannschaften sowie Cheerleader. 2020 gelang der Herrenmannschaft der Wiederaufstieg in die zweite Bundesliga.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die Herren und die U-19-Jugend der Fursty Razorbacks dürfen trotz des Lockdowns trainieren und zu Punktspielen antreten. Denn die Footballteams gelten ebenso wie die Handballer des TuS als Profis

Von Peter Bierl, Fürstenfeldbruck

Bewegung ist gesund, aber Sport im Verein in Zeiten der Corona-Krise wegen der Ansteckungsgefahr zu unterlassen. Ausnahmen gelten lediglich für den Profisport. Davon profitieren in Fürstenfeldbruck beim TuS die Handballer und zwei Footballteams der Razorbacks. Die Stadt hat das Training dieser Mannschaften zugelassen, in Übereinstimmung mit der Verordnung zum Infektionsschutz in Bayern.

Anfang Februar hatte sich ein Brucker bei den Behörden beschwert, nachdem er ein Football-Training am Sonntag auf der Lände beobachtet hatte. Er fand es unverständlich, dass ein "Vollkontakt-Sport" erlaubt ist, während Einzelhandel, Friseure, Schulen und Kindertagesstätten ganz oder teilweise geschlossen sind und viele Menschen um ihre Existenz bangen.

Die Stadt verweist darauf, dass Wettkampf- und Trainingsbetrieb von Berufs- und Leistungssportlern der Bundes- und Landeskader zulässig ist, sofern Zuschauer ausgeschlossen sind und ein Schutz- und Hygienekonzept vorliegt. Die Abteilung habe ein Konzept vorgelegt, das die Stadt geprüft und für ausreichend befunden hat, teilte Pressesprecherin Susanna Reichlmaier mit. Das Landratsamt hat extra noch einmal bei der Regierung nachgefragt, wegen des Begriffs Profisport, berichtet Simon Bausewein, der stellvertretende Pressesprecher.

Die Antwort lautet, dass Amateure als Profis gelten, sofern die Mannschaft, in der sie spielen, in den höchsten Klassen antreten, etwa der Bundesliga, in diesem Fall der German Football League (GFL 2). Die Stadt verweist auf eine Einschätzung des Deutschen Olympischen Sportbundes, den die TuS-Abteilung Football um eine Einschätzung gebeten habe. Demnach fallen alle Kaderathleten sowie die ersten bis dritten Ligen in olympischen und nichtolympischen Disziplinen, die vierte Liga im Männerfußball sowie nationale und internationale Sportveranstaltungen, an denen professionelle Sportler teilnehmen, unter die Definition Profisport.

Seit Anfang Februar trainieren etwa 30 bis 35 Spieler der Razorbacks auf der Lände, um sich auf einen Saisonbeginn Anfang Juni vorzubereiten, so der sportliche Leiter Michael Dohrmann. Dabei werde in kleinen Gruppen trainiert und jeder Körperkontakt vermieden, es würden taktische Züge sowie das Laufen und Werfen einstudiert - Geräte simulieren dabei den Gegner. Eigentlich würden zu dieser Jahreszeit die Football-Spieler in der Halle Kraft- und Athletikeinheiten absolvieren, darauf habe man verzichtet, ebenso auf Umkleidekabinen. Alle kommen in ihrer Montur zum Trainingsplatz.

Zugelassen sind bei den Razorbacks lediglich die Herrenmannschaft, die in der zweiten Bundesliga spielt, sowie die U 19 aus der ersten Liga, die aus Jugendlichen der Jahrgänge 2004 bis 2006 besteht. Die Teams der U 11, U 13 und U 16 dürfen nicht trainieren. Im Frühjahr sei der Spiel- und Trainingsbetrieb komplett abgebrochen worden, so Dohrmann. Erst im Herbst habe die U 19 wieder einige Spiele absolviert, allerdings wegen steigender Infektionszahlen bald wieder aufgehört. Die Herren spielten gar nicht mehr, weil schon das Risiko durch die Busfahrten zu Auswärtsspielen als zu hoch eingeschätzt worden sei.

Den Kritiker, der selber Football spielt, überzeugt diese Darstellung nicht. "Das ist ein Sport, der nicht davon lebt, dass die Leute Abstand halten", sagt Paul Frank. Gerade die Razorbacks, gegen die er selber schon angetreten ist, seien ein Team, das "sehr körperlich" spiele. Allerdings räumt Frank ein, dass er bei dem fraglichen Training Anfang Februar keine Körperkontakte beobachtet habe.

Frank pocht auf einen Unterschied zu den Handballern des TuS Fürstenfeldbruck: Die stünden schon im regulären Spielbetrieb, während die German Football League einen Start erst im Juni anvisiert.

© SZ vom 16.02.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB