Flüchtlingshilfe:Das Engagement lässt nach

Asylhelfer

Tatkräftige Flüchtlingshilfe: Brucker Asylhelfer beim Sortieren in der Kleiderkammer.

(Foto: Günther Reger)

Die Asylhelferkreise im Landkreis haben mit einer schwindenden Bereitschaft zur Mitarbeit zu kämpfen. Die Zahl der Mitglieder hat sich in manchen Orten sogar halbiert. Die Aufgaben sind aber nicht weniger geworden

Von Katharina Knaut, Fürstenfeldbruck

Die Bereitschaft zur ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe im Landkreis schwächt sich ab. Die Zahl jener, die sich in den Asylhelfer-Kreisen in den Gemeinden engagieren, wird spürbar weniger. Und auch wenn seit Monaten keine Asylbewerber mehr dem Landkreis zugewiesen werden, ist die Arbeit für die Helferkreise aber nicht weniger geworden. Das ist das Ergebnis einer Umfrage.

Das Problem der schwindenden Helferzahl ist ein Phänomen, tritt in mehreren Städten und Gemeinden des Landkreises auf. Die Gruppen von Mammendorf und Gröbenzell sind am stärksten betroffen. Rund die Hälfte der Mitglieder üben ihr Ehrenamt nicht mehr aus. "Von den gelisteten 180 Helfern sind aktuell rund 90 aktiv tätig", sagt Sybille Nagler, Pressesprecherin des Asylhelferkreises Gröbenzell. In Mammendorf ist die Zahl von 60 auf 35 gesunken. 35 Helfer auf 65 Flüchtlinge, 90 auf 170 in Gröbenzell. Also rund doppelt so viele Asylbewerber wie Helfer. "Insgesamt ist nach der anfänglichen Freude an der Arbeit bei vielen Helfern Ernüchterung eingekehrt", meint Lilo Nitz, Leiterin des Helferkreises Gröbenzell.

Fragt man in den verschiedenen Helferkreisen nach, ist Ernüchterung tatsächlich der am häufigsten angegebene Grund, aus dem die Mitglieder ihr Ehrenamt aufgeben. Ernüchterung über das Lernverhalten mancher Asylbewerber, der nachlassenden Wertschätzung bei den Mitbürgern, der zu geringen Unterstützung seitens der Regierung. "Es wurde sehr viel den Helfern überlassen", meint Monika Grzesik, Fachdienstleitung für Asyl und Migration bei der Caritas. Ihrer Meinung nach sollte vor allem die Politik in der Migrationsberatung nachziehen. Die Helfer würden die Vermittlung zwischen Regierung und Flüchtlingen binden, findet auch Nagler. Und die Politik gebe sich ihrer Meinung nach nicht unbedingt Mühe, diese Aufgabe zu erleichtern. "Es gibt viele strenge Vorgaben, die das eher behindern als fördern." Außerdem erschwerten einzelne Mitarbeiter in Jobcenter und Ausländerbehörde die Arbeit der Ehrenamtlichen, findet Nitz.

Ein großes Problem, vor allem, da die Phase der Erstversorgung vorbei und eine erfolgreiche Integration nun in den Vordergrund gerückt ist. Das umfasst vor allem die Suche nach Arbeit und einer Wohnung, aber auch die Organisation von Kinderbetreuung, Freizeitangeboten, Nachhilfe und die Vermittlung der nötigen Sprachkenntnisse. Viele Aufgaben für eine schwindende Zahl von Helfern. In Mammendorf ist man mittlerweile dazu übergegangen, sich in Teams den verschiedenen Aufgaben zu widmen. In Olching, Gröbenzell und Fürstenfeldbruck arbeitet man größtenteils noch in Patenschaften, bei denen Helfer die Betreuung jeweils von Einzelpersonen oder Familien übernehmen. Auch das könne zu Enttäuschungen führen, so der Mammendorfer Gemeinderat Günter Mairhörmann. Es sei sehr frustrierend für die Helfer, wenn die Asylbewerber, zu denen man bereits eine emotionale Bindung aufgebaut habe, kurzfristig verlegt werden. Nicht alle erklärten sich danach bereit, erneut eine Patenschaft zu übernehmen. Auch wenn Paten keine Hilfe mehr benötigen, erlischt das Interesse an Mitarbeit. Viele haben neben ihrem Engagement zudem Familie und Arbeit. "Einige gehen mit viel Herzblut rein und verbrennen sich schließlich daran", berichtet ein Mitglied des Helferkreises Asyl in Fürstenfeldbruck. "Sie investieren zu viel und engagieren sich in zu vielen Bereichen. Das Tempo kann man auf Dauer nicht halten."

"Einige sind von Anfang an dabei und sagen jetzt: Es reicht", bestätigt Karl-Heinz Theis vom Asylhelferkreis Olching. Auch bei ihnen habe sich die Zahl der Helfenden verringert. Von ursprünglich 300 registrierten Helfern engagieren sich laut einer Erhebung und nach der Entfernung von "Dateileichen" noch gut 150 Menschen. Für die zu betreuenden Asylbewerber reiche das jedoch aus, meint Theis. "Ein, zwei könnten wir schon noch gebrauchen. Aber einige Helfer der Unterkunft am Mühlbach haben sich bereit erklärt, sich nach der Auflösung weiterhin zu engagieren." Mittlerweile sei man schon eingespielt. Man kenne die Asylbewerber und man kenne sich untereinander. "Man weiß, wer in welchem Bereich Erfahrungen gesammelt hat." Schwierig werde es nur, wenn wieder neue Flüchtlinge kommen würden. "Dann geht alles wieder von vorne los."

© SZ vom 24.10.2016
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