Europawahlen Grüne legen mächtig zu

Hohe Beteiligung: Fleißig werden die Stimmzettel bei der Europawahl in den Wahllokalen im Landkreis wie hier im Brucker Rathaus eingeworfen.

(Foto: Günther Reger)

Die Partei wird im Landkreis mit 22,6 Prozent zweitstärkste politische Kraft hinter der CSU, die auf 37,5 Prozent kommt. Dagegen verliert die SPD mehr als die Hälfte ihres Stimmenanteils

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Große Zugewinne für die Grünen und geringe bei der CSU, geradezu vernichtende Verluste für die SPD. So ist die Europawahl im Landkreis Fürstenfeldbruck ausgegangen. Landkreisweit kam die CSU nach den Zahlen aus dem Landratsamt auf 37,5 Prozent, das ist ein guter Prozentpunkt mehr als vor fünf Jahren. Weitaus mehr legten die Grünen zu. Sie erreichten 22,6 Prozent (2014: 14,5 Prozent). Die Sozialdemokraten verloren dagegen im Vergleich zu 2014 mehr als die Hälfte ihres Stimmanteils. Nur 9,4 Prozent der Wähler stimmten für sie, vor fünf Jahren waren es noch 21 Prozent. Einen Riesensprung nach oben machte die Wahlbeteiligung - auf eine Rekordmarke. 67,4 Prozent der Wahlberechtigten im Landkreis gaben am Sonntag ihre Stimme ab. Vor fünf Jahren waren es nur 46,4 Prozent.

Beate Walter-Rosenheimer, Bundestagsabgeordnete der Grünen aus Germering, zeigte sich vom Wahlergebnis ihrer Partei geradezu euphorisiert. "Ich bin glücklich. Das ist ein gigantisches Ergebnis", sagte sie am Abend zu den Hochrechnungen. Katrin Staffler (CSU) freute sich über die Zugewinne ihrer Partei und die hohe Wahlbeteiligung. Angesichts der schweren Verluste der CDU blieb ihre Freude aber gebremst. Für die Koalition in Berlin erwartet die Bundestagabgeordnete aus Türkenfeld nun schwierige Zeiten. Das hängt auch mit dem Ergebnis der SPD zusammen. Dieses bezeichnete der SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Schrodi aus Olching als "herbe Niederlage". Das Ergebnis gleicht dem Ausgang der Landtagswahl im östlichen Landkreis im Herbst 2018. Damals erreichten die Grünen knapp 24 Prozent, die SPD neun Prozent. Im Landkreiswesten (und in Landsberg) kamen die Grünen auf 24,6, die SPD auf 7,3 Prozent.

Einig sind sich die drei Bundespolitiker aus dem Landkreis in der Erleichterung darüber, dass die AfD im Vergleich zur Bundestagswahl schlechter abgeschnitten hat. Im Landkreis hat sie auch im Vergleich zu 2014 an Zustimmung eingebüßt. Sie erreichte 7,4 Prozent. Bei der Europawahl vor fünf Jahren kamen die Rechtspopulisten im Landkreis auf 9,2 Prozent.

Leichte Zugewinne konnten hingegen Freie Wähler und FDP verbuchen. Die Freien Wähler kamen auf 5,3 Prozent (2014: 4,1), die FDP erreichte vier Prozent, vor fünf Jahren waren es 3,6. Leichte Verluste gab es für die Linke. Nach 2,6 Prozent vor fünf Jahren kam die Partei diesmal auf zwei Prozent. Beachtlich schnitten die Kleinparteien ab. Sie steigerten ihren Stimmenanteil von 5,9 auf 8,3 Prozent.

Einen wichtigen Grund für die Stimmengewinne sah Walter-Rosenheimer im Thema Klimaschutz. Dieses Anliegen verträten die Grünen schon lange, sagte die Abgeordnete: "Wir sind die Klimapartei." Vor allem viele junge Leute, denen eine Klimapolitik wichtig ist, hätten die Grünen gewählt. Zudem habe die Partei einen "inhaltsreichen" Wahlkampf geführt, in den sich auch viele neue Mitglieder eingebracht hätten.

Das Klimathema hat auch nach Meinung von Michael Schrodi eine wichtige Rolle gehabt. Es habe den Grünen in die Karten gespielt, sagte er. Seiner Partei hält er aber zudem einen "wenig inspirierenden Wahlkampf" vor. Die SPD habe "nichtssagende Slogans" plakatiert. Die Fraktion im Bundestag arbeite aber daran, dass die Partei wieder Konturen gewinnt. So wolle man mit Gerechtigkeitsfragen wie der Grundrente und der Grundsteuer beim Wähler punkten.

Eben dies befürchtet wohl Staffler. Jedenfalls prophezeite sie, dass das gemeinsame Regieren in Berlin nach diesen Ergebnissen schwieriger werden dürfte. Die Union sei noch "halbwegs glimpflich" davongekommen im Vergleich mit der SPD, meinte sie. Insgesamt seien die Wähler wohl mit dem "Output" der Regierung nicht zufrieden. Doch das lasse sich ändern. Das gute Abschneiden der CSU rechnete Staffler zu einem Teil dem Spitzenkandidaten Manfred Weber an. Zugute sei der CSU aber auch gekommen, dass sie im Unterschied zum Wahlkampf vor fünf Jahren einen "klar proeuropäischen Kurs" gefahren habe. "Europa ist die Zukunft, das sehen auch die Menschen so", sagte sie. 2014 habe man hingegen konträre Signale ausgesendet, einerseits sei man proeuropäisch gewesen, andererseits habe man mit Peter Gauweiler ständig Kritik an der Europäischen Union geübt.