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Coronavirus:Pandemie lässt Sterbefallzahl steigen

GRÖBENZELL: Kranzniederlegung für Corona-Tote

Erinnerung an die Corona-Toten: Gedenkkranz beim Wegkreuz an der Olchinger/ Ecke Freyastraße in Gröbenzell

(Foto: Leonhard Simon)

Zahlen des Landesamts für Statistik zeigen eine deutlich höhere Anzahl von Toten in 2020 als in früheren Jahren - vor allem in den Monaten von März bis Mai und im Dezember

Von Andreas Ostermeier, Fürstenfeldbruck

Im Landkreis Fürstenfeldbruck sind im vergangenen Jahr mehr Menschen gestorben als in früheren Jahren. Das geht aus Zahlen des bayerischen Landesamts für Statistik hervor. Der Befund bezieht sich nicht nur auf Fürstenfeldbruck, er gilt für ganz Bayern. Der Vergleich mit früheren Jahren legt nur den Schluss nahe, dass die Corona-Pandemie Ursache der höheren Zahl an Toten ist. Lorenz Weigl, Leiter des Gesundheitsamts, kommt nach Durchsicht der Zahlen zu dem Ergebnis, dass dort, wo in früheren Jahren deutliche Erhöhungen der Sterbezahlen in der Grippesaison waren, eine Ablösung durch Corona erfolgt ist.

Laut den vom bayerischen Landesamt für Statistik veröffentlichten Zahlen sind im Jahr 2020 im Landkreis 2143 Männer, Frauen und Kinder gestorben. Im Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 waren es 2037,5, das ist ein Unterschied von 105,5. Aber auch im Vergleich zum Jahr 2018, dem Jahr mit den meisten Toten im Vergleichszeitraum, liegt 2020 deutlich höher: Der Unterschied beträgt 63 Tote. Vor allem in den Monaten März, April und Mai, also während der ersten Welle der Corona-Pandemie, sowie im Dezember verstarben deutlich mehr Menschen als sonst. Über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019 lagen auch die Sterbefallzahlen für die Monate Januar und März 2021. Sie betrugen jeweils knapp 200. So viele - und auch mehr - Personen versterben ansonsten nur in den ersten Monaten eines Jahres, wenn es eine heftige Grippewelle gibt, wie in den Jahren 2017 und 2018.

Die deutlich höhere Zahl an Gestorbenen im Landkreis lässt sich nicht mit der Zunahme der Bevölkerung oder deren Altersdurchschnitt begründen. Zwar ist die Einwohnerzahl zwischen 2016 und 2020 von 216 857 auf 218 740 gestiegen, der Anteil der Personen im Alter von über 65 Jahren, also der besonders vulnerablen Gruppe, hat aber nur von 21,4 auf 21,8 Prozent zugenommen. Eine deutlich höhere Anzahl von Verstorbenen zeigt auch die Sterbefallstatistik für den ganzen Freistaat. Knapp 3000 Männer und Frauen mehr starben im vergangenen Jahr in Bayern als im Jahr 2019, dem Jahr mit den meisten Tote im Zeitraum 2016 bis 2019. Im Jahr 2020 waren laut Landesamt für Statistik 45 577 Tote zu beklagen.

Nun sind Schwankungen in der Sterbefallstatistik nicht außergewöhnlich. Auch in den vergangenen Jahren gab es Unterschiede. So starben 2016 im Landkreis 1998 Menschen, im Jahr darauf waren es 2078, dann 2080. Für das Jahr 2019 verzeichnet die Statistik 1994 Tote. Stark abhängig sind diese Zahlen vom Ausmaß einer Grippe. Die Grippesaison reicht laut Weigl in der Regel von der 40. Kalenderwoche eines bis zur 20. Woche des darauffolgenden Jahres. In diesem Bereich weisen beispielsweise die Monate Dezember 2016 sowie Januar und Februar 2017 deutlich höhere Sterbezahlen aus als sonst. Diese höheren Zahlen korrelieren mit einer laut Weigl starken Grippewelle, in der auch viele Influenza-Fälle gemeldet worden sind. Im Gegensatz dazu spielte die Grippe in den ersten Monaten des laufenden Jahres gar keine Rolle. Lediglich ein einziger Influenza-Fall sei dem Gesundheitsamt gemeldet worden, sagt Weigl. Der Mediziner sieht hierbei einen Zusammenhang mit der Maskenpflicht, die eine Virenübertragung über Tröpfchen eindämmen hilft.

Mit dem Abflauen der Pandemie und der Impfung der vulnerablen Gruppen sind die Sterbefallzahlen gesunken. Für Bayern lägen sie auf ähnlichem Niveau wie in den Vorjahren, heißt es in der Mitteilung des Landesamts für Statistik. Auch im Landkreis spiegelt sich diese Entwicklung wider. So liegt die Zahl der von Jahresanfang bis Ende April Verstorbenen über den Zahlen im Vergleichszeitraum der Jahre 2016 und 2019, aber unter den Jahren von 2017 und 2018 mit ihren Grippewellen.

© SZ vom 14.06.2021
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