Bildung:Schuljahr geht in die Verlängerung

Um Rückstände aus dem von Corona und Homeschooling geprägten Jahr aufzuholen, bieten Schulen im Landkreis Förderkurse an. Die Resonanz ist nach dem zusätzlichen Aufwand durchaus gut

Von Erich C. Setzwein, Fürstenfeldbruck

Hätten nicht vergangene Woche die Schulferien begonnen, würde man die Kinder in den Schulen des Landkreises gar nicht so wahrnehmen. Es sind auch nicht viele, die am Vormittag in die Klassenzimmer streben, aber die, die in dieser Woche jeden Tag ein paar Stunden Unterricht hatten, die dürften in der einen oder anderen Weise gestärkt die allererste "Sommerschule" verlassen. In der ersten Ferienwoche und ein paar Tage vor dem Schulbeginn im September setzen Grund-, Mittel- und Realschulen sowie Gymnasien im Landkreis das im Juni vom bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) geforderte Angebot nun um.

Die Förderstunden unter dem von Piazolos Ministerium ausgegeben Programm "Gemeinsam Brücken bauen" sollen all jenen Schülerinnen und Schülern zugutekommen, die unter der Lehr- und Lernsituation seit Beginn der Corona-Pandemie besonders gelitten haben. Herauszufinden war für die Lehrerinnen und Lehrer im Juni und Juli, wer diese Nachhilfe benötigt. Deshalb wurde der Lernstand ermittelt, was in der Josef-Dering-Volksschule in Eichenau dazu führte, dass etwa ein Viertel der Kinder der Jahrgangsstufen eins bis drei ein Angebot für die Sommerschule bekam. Rektorin Sandra Doriat berichtet, dass sie den Eltern einen Überblick über die Leistungen und den Nachholbedarf ihrer Kinder aufgezeigt habe. Von den 60 Schülerinnen und Schüler mit einem Förderbedarf seien aber nur 30 angemeldet worden. So wird nun zu Beginn der Sommerferien versucht, 15 Kindern in drei Gruppen Lesen, Rechtschreiben und Rechnen in maximal drei Unterrichtsstunden täglich beizubringen. In der letzten Ferienwoche sind weitere 15 Schüler dran. Doriats Einschätzung, dass die Schüler gerne kämen und die Stimmung gut sei, teilen andere Schulleiter. Wie es aber dazu gekommen ist, dass Unterricht ohne die Klassenlehrer organisiert wurde, das sagt Doriat deutlich: Alles sei an der Schulleitung hängen geblieben, alles sei im laufenden Schulbetrieb zu organisieren gewesen. Inklusive der Auswahl des Fachpersonals, das die Kinder unterrichtet.

Bildung: Kleine Klassen, optimale Betreuung - so stellen sich viele den perfekten Unterricht vor. In der Sommerschule der ersten Ferienwoche ist das in den Förderkursen auch möglich.

Kleine Klassen, optimale Betreuung - so stellen sich viele den perfekten Unterricht vor. In der Sommerschule der ersten Ferienwoche ist das in den Förderkursen auch möglich.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Das bayerische Kultusministerium warb im Frühsommer um Kräfte mit einschlägiger pädagogischer Erfahrung und gutem Leumund, damit das Sommerschulprogramm überhaupt laufen konnte. In Eichenau gab es wohl auch Bewerber, doch sprangen sie ab, als sie die Bedingungen ihres befristeten Arbeitsvertrages, die Entlohnung und die Besteuerung erfuhren. In der Josef-Dering-Schule stand man vor dem Problem, keine externe Kraft für den Förderunterricht zu bekommen, weshalb eine ehemalige Förderlehrerin auf Bitten Doriats Personal organisierte. "Die arbeiten fast ehrenamtlich, wenn nicht die Gemeinde einen kleinen Obolus geben würde. Dafür bin ich dem Bürgermeister sehr dankbar."

Eine ähnliche Erfahrung hat Corinna Niedring, Rektorin der Mittelschule in Maisach gemacht. Für die Sommerschule hatte sie eine externe Fachkraft gefunden und war guten Mutes, sie auch einstellen zu können. Allerdings entscheidet die Regierung von Oberbayern über das Personal und achtet genau darauf, dass alle Voraussetzungen für eine befristete Einstellung erfüllt sind. Weil der Bewerberin eine Masernimpfung fehlte, musste sich Niedring kurzfristig auf die Suche nach Ersatz begeben. Den fand sie auch in einem Werksstudenten der Puchheimer Firma TM Trockenbau, und so kamen ein paar Sommerschüler in den Genuss eines Trockenbaupraktikums und die Mittelschule zu einer neuen Vitrine.

2 Kernfächer...

... sollten mindestens in Förderkursen der "Sommerschule" zu Beginn und/oder am Ende der Sommerferien angeboten werden, meint das bayerische Kultusministerium.

Ob es aber für Mathematik und Deutsch oder andere Kombinationen Bedarf gibt, das entscheiden allein die Schulen. Sie müssen auch das Personal für den Extraunterricht suchen und die Lerninhalte vorgeben.

An der Realschule in Puchheim musste die Stadt nicht wie in Eichenau als Geldgeberin einspringen, damit die Schüler unterrichtet werden. Schulleiter Herbert Glauz stellte externes Personal ein, um die Schüler der neunten Klassen, die dafür angemeldet wurden, unterrichten zu können. Am Ende der Ferien werden es dann zwölf Schüler aus der achten Jahrgangsstufe sein, die ausschließlich in Mathematik etwas nachzuholen haben. "Es war der Wunsch der Kinder", sagt Glauz.

Der 63-Jährige hatte schon während der Findungsphase im Juni ein Konzept vorliegen, das nicht nur fachlichen Unterricht vorsah. Auch Bewegung sollte dabei sein. Nun beginnt der Tag mit einer Motivations- und Stärkungsphase durch einen professionellen Coach, es folgen Unterrichtsstunden, und den Abschluss bildet ein Kurs im Jonglieren. "Es läuft gut", sagt Glauz.

An der Maisacher Grundschule waren während der Woche 16 Schülerinnen und Schüler der ersten und zweiten Klassen in der Sommerschule. 20 Kinder seien für die Förderung vorgesehen gewesen, berichtet Rektorin Christine Jung. "Ich habe Personal für die Kernfächer Mathematik und Deutsch, es läuft wie geplant."

Bildung: Vor der Fertigstellung zeigen sich die Schüler des Trockenbau-Praktikums in ihrem Werk, einer Vitrine.

Vor der Fertigstellung zeigen sich die Schüler des Trockenbau-Praktikums in ihrem Werk, einer Vitrine.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Nach Auskunft von Thomas Frey, Leiter des staatlichen Schulamts in Fürstenfeldbruck, sind für den Extraunterricht an den von ihm betreuten Grund- und Mittelschulen 30 externe Bewerber eingestellt worden. Einige Pensionisten hätten sich bereitgefunden, zu unterrichten, und auch reguläre Lehrkräfte seien für eine weitere Unterrichtswoche geblieben. Die bekämen dafür aber keinen eigenen Arbeitsvertrag, sondern würden Mehrstunden abrechnen. Frey hat "nur positive Rückmeldungen" in dieser Woche bekommen, das Angebot sei von den Eltern und Schülern "sehr gewissenhaft in Anspruch genommen" worden. "Die Kinder sollen Spaß und Freude beim Lernen haben." Frey kann sich durchaus vorstellen, dass sich die Sommerschule institutionalisieren könnte, die Organisation aber möglicherweise von anderen Stellen übernommen werde. Der Schulamtsleiter denkt da zum Beispiel an die Volkshochschulen, mit denen ein Trägermodell geschaffen werden könnte. "Es wäre wünschenswert, wenn wir das weiterführen könnten. Der Bedarf dafür ist vorhanden."

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