Gründungsprojekt:Mehr Vielfalt im Sport

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Gründungsprojekt: Das Büro der Diskriminierungsfreien Gesellschaft und des Unternehmens Vielfaltsprojekte an der Hauptstraße in Fürstenfeldbruck.

Das Büro der Diskriminierungsfreien Gesellschaft und des Unternehmens Vielfaltsprojekte an der Hauptstraße in Fürstenfeldbruck.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Die "Diskriminierungsfreie Gesellschaft" aus Fürstenfeldbruck wird vom bayerischen Sozialministerium mit dem Innovationspreis Ehrenamt ausgezeichnet.

Von Adriana Wehrens, Fürstenfeldbruck

Da werden Fußballspiele wegen rassistischer Beleidigungen abgebrochen. Oder im Frauensport werden anzügliche Witze gemacht - Diskriminierung etwa in Form von Rassismus oder Sexismus macht vor dem Sport nicht halt. Zwar hat sich in den vergangenen Jahren vieles gebessert, trotzdem braucht es noch Organisationen und Projekte, die immer wieder für Besserungen kämpfen und auf die Thematik aufmerksam machen. Diesem Vorhaben verschreibt sich auch die gemeinnützige Diskriminierungsfreie Gesellschaft aus Fürstenfeldbruck. Für das Gründungsprojekt "Sport gestaltet Vielfalt" wurde die Gesellschaft nun vom Sozialministerium mit dem Bayerischen Innovationspreis Ehrenamt 2022 ausgezeichnet.

Geschäftsführer Lorenz Narku Laing nimmt den Preis in Nymphenburg entgegen

Die Preisverleihung durch das Sozialministerium, die in diesem Jahr unter dem Motto "Ehrenamt - damit gewinnen wir alle!" steht, fand im Hubertussaal des Schlosses Nymphenburg statt. Zum einen wurden Organisationen aus ganz Bayern in der Kategorie "Innovative Projekte" geehrt, zum anderen wurden "neue Ideen" gewürdigt. Insgesamt gab es zehn Gewinner, die Preisgelder belaufen sich auf insgesamt 75 000 Euro. Als Gründer und Geschäftsführer der Initiative aus Fürstenfeldbruck war Lorenz Narku Laing zu Gast. Der 30-Jährige mit Eltern aus Ghana und Jamaika, selbst deutsch-britischer Doppelstaatsbürger, zeigte sich über die Auszeichnung sehr erfreut: "Sie haben den Wert unserer Arbeit im Moment des Loslegens erkannt und verstehen das Potenzial, aber auch die Notwendigkeit, dass diese Arbeit hier vor Ort geleistet wird. Es ist eine besondere Anerkennung, weil es zeigt, dass Diskriminierungsfreiheit ein überparteiliches Anliegen ist."

Die sieben Mitglieder zählende Diskriminierungsfreie Gesellschaft wurde 2021 aus der Verpflichtung heraus gegründet, den Anti-Diskriminierungsparagrafen des Grundgesetzes Realität werden zu lassen. Die gGmbH soll auch in den Teilen der Gesellschaft Diversität fördern, die sich das bisher nicht leisten konnten. Unabhängig davon, ob eine Organisation Geld habe, wolle man die eigenen Experten einsetzen, um Probleme der Diskriminierung zu lösen. "Das Projekt Sport gestaltet Vielfalt bringt Leute unterschiedlicher Sportarten zusammen", erklärt Narku Laing. "Wir arbeiten einerseits mit dem ehemaligen Bundesliga-Fußballer Hans Sarpei zusammen sowie mit dem American-Football-Spieler Sonny Weishaupt und sind derzeit in weiteren Gesprächen mit Sportlern und Sportlerinnen." Man wolle das Thema Diversität stark machen und Kompetenzen sowie Qualifikationen bei Menschen aufbauen, die Sport organisieren, betreuen und begleiten.

Als Jugendlicher sammelte er Erfahrungen in der American-Football-Bundesliga

Der Geschäftsführer ist in der Vergangenheit selbst bereits im American Football in der Jugendbundesliga und für die Nationalmannschaft aufgelaufen und konnte die Wirkung des Sports persönlich erleben: "Ich habe immer gemerkt und verstanden, was Sport verändern kann und wie er die Diversität vor allem hinsichtlich des Zusammenkommens unterschiedlicher Lebensrealitäten ermöglicht und damit den Dialog zwischen Menschen stärkt, die sonst nicht miteinander reden." Sport könne ein Emanzipationsraum für Gruppen sein, die in anderen Teilen der Gesellschaft Unterdrückung, Ausgrenzung und Diskriminierung erleben. Auch wenn Narku Laing oftmals Beleidigungen hinnehmen musste, "war es vollkommen klar, dass ich, wenn ich da im Trikot mit dem Team stehe, dazugehöre. Da hat das niemand in Frage gestellt oder bezweifelt." Seinem Jugendverein Wiesbaden Phantoms ist er immer noch treu, indem er mit "Vielfaltsprojekte", einer seiner weiteren Kampagnen, den Klub als Sponsor unterstützt.

Als erstes Event ist eine zweitägige Online-Konferenz geplant. Die von Trainern betreuten Teilnehmer sollen sich gemeinsam mit den verschiedenen Diskriminierungsdimensionen beschäftigen. Dies sei ein offenes Angebot für die Sportwelt in Kooperation mit zwei bis drei Bundessportverbänden. Der zweite Teil besteht daraus, dass Vertreter der Organisation bayerische Vereine unmittelbar auf dem Platz besuchen, um Diversity- und Toleranzcoaching in das Training zu integrieren. "Wir setzen die Sportler nicht in den Seminarraum, sondern wir gehen zu ihnen auf den Platz. Sie trainieren und wir coachen und kombinieren Sport mit Diversity-Training", erläutert Narku Laing. Unterstützt wird das Vorhaben durch den Online-Luxusmoden-Händler Mytheresa und die Anwaltskanzlei Reed Smith. Für die Zukunft seien schon weitere Projekte geplant, Näheres will der Geschäftsführer noch nicht verraten.

Der 30-Jährige ist auch im Einsatz für das 2015 gegründete Unternehmen Vielfaltsprojekte

Neben der Diskriminierungsfreien Gesellschaft ist der 30-Jährige auch im Einsatz für das 2015 gegründete Unternehmen "Vielfaltsprojekte". Das Team aus neun Mitgliedern bietet ein breites Programm aus Fort- und Weiterbildungen sowie Vorträge und Mentoring-Programme für Unternehmen und Organisationen an. Man habe auf der einen Seite schon Volkswagen und die Deutsche Bank beraten, auf der anderen auch mit Jugendorganisationen und Kindergärten zusammengearbeitet. Zudem war Narku Laing bereits einige Male zu Besuch beim Sender Sky Sport News, zuletzt zum Internationalen Tag gegen Rassismus am 21. März. Ende Mai wird er ein weiteres Mal anlässlich des Deutschen Diversity-Days zu Gast sein und am selben Nachmittag an einer Podiumsdiskussion zum Thema Diversität und Sprache teilnehmen.

Warum organisiert der Diversity-Trainer und Minderheitenrechtler all diese Projekte: "Ich habe mir früher das Ziel gesetzt, dass ich nicht will, dass meine Söhne die gleiche Erfahrung von Ausschluss und Diskriminierung machen müssen, die ich selbst erlebt habe. Das ist ein entscheidender Teil bei meiner Arbeit." Mit dem Preisgeld des Bayerischen Innovationspreises soll die Auftaktveranstaltung für das innovative Projekt finanziert werden.

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