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Fürstenfeldbruck:Baumschutz in jeder Gemeinde

Christopher Busch (von links), Martin Geilhufe und Eugenie Scherb erklären den großen Einfluss, den Bäume auch auf das Klima in Städten und Gemeinden haben. Sie fordern mehr Baumschutzverordnungen.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Der Bund Naturschutz fordert im Nachgang des Volksbegehren zur Artenvielfalt die Kommunen im Landkreis auf, Verordnungen zu erlassen. In Maisach wird derzeit eine vorbereitet

Der Landkreis steht im bayernweiten Vergleich ganz gut da. Es gibt hier prozentual mehr Baumschutzverordnungen als sonst im Freistaat - immerhin in 17 Prozent der Kommunen: In Gernlinden (Gemeinde Maisach), Gröbenzell, Eichenau und Emmering. In Bayern insgesamt haben nur 94 der 2056 Kommunen, viereinhalb Prozent, so eine Verordnung, die bewirken soll, dass innerörtliche Grünzüge erhalten bleiben. "Baumschutzverordnungen lohnen sich", sagte Eugenie Scherb, Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN), am Dienstag bei einem Pressetermin in der Kreisstadt. "Gemeinden mit Verordnung haben mehr Bäume, sind grüner und die Bäume sind im Schnitt auch älter." Das sei für Klima und Artenvielfalt gut.

"Die Klimakrise ist bei uns in Bayern angekommen. Es geht um uns, nicht mehr nur um unsere Kinder und Enkel", betonte der Landesbeauftragte des BN, Martin Geilhufe. Deshalb reichten Anreize nicht mehr aus. Der BN fordert Baumschutzverordnungen im Nachgang des Volksbegehrens auch als Zeichen dafür, dass nicht nur Landwirte, sondern auch Städte und Gemeinde etwas gegen Artenschwund und Klimawandel tun müssen.

Dennoch wird derzeit in Maisach, vor allem in den kleineren, ländlichen Ortsteilen, darüber gestritten, ob eine solche Verordnung für die gesamte Gemeinde eingeführt werden soll. Bürgermeister Hans Seidl (CSU) hatte das beantragt, der Gemeinderat stimmte einer Planung zu. Auch deshalb kamen Geilhufe und Christopher Busch, Koordinator des Projekts "Neue Chancen für alte Bäume", nun nach Fürstenfeldbruck. "Wir brauchen mehr statt weniger Bäume und fordern das auch von unseren Kommunen", sagte Geilhufe. Busch stellte eine Untersuchung des BN dazu vor, wie sich Baumschutzverordnungen auswirken. Dazu wurden Kommunen befragt, in denen es sie gibt.

Davon finden 83 Prozent die Verordnung wichtig oder sehr wichtig. Die Regelungen stoßen vor der Einführung in Bevölkerung und Gemeinderäten häufig auf Ablehnung, weil Grundstücks- und Gartenbesitzer befürchten, sie könnten nicht mehr tun, was sie wollen. Das wird von der Untersuchung nicht bestätigt. Demnach werden bayernweit 72 Prozent der Fällanträge bewilligt. In knapp 74 Prozent der Fälle erfolgen Ersatzpflanzungen. Jede Gemeinde kann ihre Verordnung selbst ausgestalten. Der BN rät, Bäume von einem Stammumfang von 60 Zentimetern oder einem Alter von sieben Jahren an zu schützen. Der Geltungsbereich und eventuelle Sanktionen können individuell geregelt werden. Busch schätzt den Verwaltungsaufwand für Kommunen gering ein. In einer Stadt wie Fürstenfeldbruck genüge eine halbe Stelle, um so eine Verordnung umzusetzen.

Die BN-Vertreter wiesen auf die große Bedeutung von Bäumen innerorts, vor allem in Städten hin. "Orte mit Baumbestand sind um einige Grad kühler als dicht bebaute Plätze ohne Grün", erklärte Geilhufe. Ein alter Baum ersetze mehrere Klimaanlagen. Scherb wies darauf hin, dass Bäume neben Kohlendioxid auch Feinstaub aus der Luft filtern und vor Lärm schützen. "Ein alter, klimabedeutsamer und stadtbildprägender Baum ist keine Privatangelegenheit", folgerte Busch. "Sie haben einen enormen und nebenbei kostengünstigen Effekt auf das Stadtklima. Deshalb müssen wir sie schützen." Baumschutzverordnungen könnten dafür ein geeignetes Instrument sein.

In Gernlinden wird Bürgermeister Seidl am Mittwoch, 11. September, im Bürgerzentrum über Inhalt und Ziele der Verordnung informieren. Wer Hilfe beim Baumschutz braucht, kann sich unter der kostenfreien Telefonnummer 0800/7823822 beim BN melden.