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Ausstellung:Geschichte auf Stoff

Aufbau Quiltausstellung, Freizeitheim Gröbenzell

Rita Dichtl-Manz und Elke Modlmayer rücken die Quilts zurecht.

(Foto: Matthias Döring)

Gröbenzeller Quiltgruppe zeigt Historisches

Was hat das kanadische Rote Kreuz mit Gröbenzell zu tun? Und wie kommen 20 Quilts aus Übersee mit einem Mindestalter von 70 Jahren in die Gröbenbachgemeinde? Diese Fragen beantwortet ein Besuch der Quiltausstellung an diesem Wochenende in Gröbenzell. Dort erwartet die Besucher freilich nicht nur gut recherchierten Informationen über die Herkunft der dreilagigen Decken, die mit einer Steppnaht, oder auf englisch: Quilt, zusammengenäht werden. Ergänzend sind die historischen Quilts auch zu begutachten. Daneben werden 22 weitere aktuell gefertigte Werke der Gröbenzeller Quiltgruppe zum Thema der Ausstellung, "Märchen - Erinnerungen" gezeigt.

Die Wände im Saal des Freizeitheims schmücken am Mittwochmittag bereits die historischen Quilts, die neuen von den 22 Mitgliedern der Quiltgruppe selbst gefertigten werden gerade auf die im Raum gehängten Stellwände verteilt. Die Jahrzehnte alten Steppdecken sind eher schlicht, ihre Oberseite besteht im Gegensatz zu den moderneren nur aus einem, höchstens zwei Stoffen. "Man merkt ihnen an, dass sie in Zeiten genäht wurden, als es nicht so viel gab", verweist Gabriele Bach, die Vorsitzende der Quiltgruppe, auf die mutmaßliche Entstehungszeit dieser Quilts kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der schweren Zeiten damals haben sich die Näherinnen Mühe gegeben, wie zum Beispiel der gewellte Saum an einem Quilt belegt.

Über das kanadische Rote Kreuz und Hilfsorganisationen der USA wie Care, die nach 1945 die bekannten Care-Pakete in Europa verteilte, gelangten die handgenähten Quilts zu den Bedürftigen. Monika Modersitzki, die Pressesprecherin der Gruppe, hat ihre Herkunft anhand einer Studie im Auftrag der Patchwork Gilde Deutschland recherchiert. "Das ist eben genau dieser Zufall, dass die Gründung unserer Gruppe und das Auftauchen der Quilts auf dem Flohmarkt so zusammengefallen sind." Denn eine Frau aus der Gruppe entdeckte vor etwa 40 Jahren auf einem Markt am Nockherberg ein paar der Quilts. Und sie erfuhr, dass es noch mehr davon gab. Die weiteren Details dazu, wie die 20 Quilts zu den Gröbenzeller Familien kamen, erzählt Modersitzki bei einer von der Volkshochschule organisierten Führung am Samstag um 15 Uhr. Weil so viele alte Quilts vermutlich nicht mehr in einer Ausstellung zusammen gezeigt werden, betont Modersitzki, sei diese Ausstellung "etwas Besonderes".

Doch auch die 22 neuen Quilts, welche die Gruppenmitglieder zum Thema der Ausstellung "Märchen - Erinnerungen " in der letzten Zeit gefertigt haben, sind sehenswert. Die Oberseiten bestehen meist aus vielen verschiedenen Stoffteilen, wahlweise farblich harmonierend oder kontrastierend, eine ziert eine kleine Meerjungfrau mit einem grün schillernden Schwanz aus Pailetten, viele ziert ein Stoffquadrat - Überbleibsel und Geschenk der letzten Ausstellung 2016 mit Gästen aus der Türkei. Überhaupt ist die Gröbenzeller Quiltgruppe gut vernetzt. Die modernen Quilts werden im Anschluss in Berlin und Dinkelsbühl gezeigt.

11. Gröbenzeller Quiltausstellung; Freizeitzentrum Gröbenzell; Freitag bis Sonntag, 26. bis 28. April, jeweils 10 bis 18 Uhr; Vernissage mit Schirmherrin Gerda Hasselfeldt, Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, Donnerstag, 25. April, 19 Uhr.