Nahverkehr:Gemeinden kämpfen für mehr Zughalte

Nahverkehr: Jeder Zug soll halten: ein Zug von Go-Ahead am Bahnhof Mammendorf.

Jeder Zug soll halten: ein Zug von Go-Ahead am Bahnhof Mammendorf.

(Foto: Johannes Simon)

Bürgermeister und Gemeinderäte aus dem westlichen Landkreis treffen Vertreter von Go-Ahead. Das Unternehmen sagt Verbesserungen auf der Strecke München-Augsburg zu.

Von Manfred Amann, Althegnenberg

Seit der Übernahme des Regionalzugverkehrs zwischen München und Augsburg durch das Eisenbahnunternehmen Go-Ahead im Dezember 2021 reißen die Klagen über Mängel an den Zugeinheiten, über Zugausfälle, Verspätungen und über ungenügend bis fehlerhafte Fahrgastinformationen nicht ab. Doch Go-Ahead verspricht Verbesserungen, die allerdings nicht von heute auf morgen große Wirkung zeigen werden. In Sachen Pünktlichkeit sei mittlerweile der Stand des Vorgängers, der Fugger-Express der Deutschen Bahn, erreicht. "Und wir tun alles, um die Probleme in den Griff zu bekommen", versichert Fabian Amani, Geschäftsführer der Go-Ahead Bayern GmbH.

Da die Bahnfahrer, die an den drei Haltestellen im Landkreis - Mammendorf, Haspelmoor (Gemeinde Hattenhofen) und Althegnenberg - unter den vielen, kurzfristigen Änderungen im Fahrplan besonders zu leiden haben, hatte Alfred Beheim, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Verkehrsausschusses der Gemeinden im nordwestlichen Landkreis, um Aufklärung über den Sachstand und über die Ursachen für den schlechten Start gebeten. "Jede Abweichung vom Fahrplan betrifft die Pendler und Schüler der Region ganz besonders, da ohnehin nicht alle Züge halten", erklärte Beheim.

Nahverkehr: Gesprächstermin in Althegnenberg (von links): Winfried Karg (Go-Ahead), Petra Schäfer (Gemeinde Adelshofen), Rainer Spicker, Josef Heckl, Erwin Lauchner (Zweiter Bürgermeister von Mittelstetten, Klaus Pschebezin (Gemeinderat aus Mittelstetten), Franz Robeller und Fabian Amini von Go-Ahead.

Gesprächstermin in Althegnenberg (von links): Winfried Karg (Go-Ahead), Petra Schäfer (Gemeinde Adelshofen), Rainer Spicker, Josef Heckl, Erwin Lauchner (Zweiter Bürgermeister von Mittelstetten, Klaus Pschebezin (Gemeinderat aus Mittelstetten), Franz Robeller und Fabian Amini von Go-Ahead.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Daher sei es wichtig, über die aktuelle Lage aufzuklären, bevor sich Pendler ganz vom Zug abwenden und auf das Auto zurückkehrten. Die Bürgermeister Josef Heckl (Mammendorf), Franz Robeller (Hattenhofen) und Rainer Spicker (Althegnenberg) bestätigten, dass die Beschwerden der Bürger zugenommen hätten, und monierten, dass der unzuverlässige Zugverkehr auch der angestrebten Verkehrswende zuwiderlaufe.

Klaus Pschebezin und Erwin Lauchner, Gemeinderäte aus Mittelstetten, sowie Gemeinderätin Petra Schäfer aus Adelshofen pflichteten bei. "Auch wir haben uns den Anfang anders vorgestellt", sagte Fabiani und gab zu, dass so manche Kritik durchaus berechtigt sei. Man müsse aber auch erkennen, dass viele Anfangsprobleme nicht Go-Ahead anzulasten seien. So seien zum Beispiel in den neuen Zugeinheiten technische Probleme, zum Beispiel bei den Stromabnehmern und bei den Kupplungen aufgetreten, die dann mit der Herstellerfirma Siemens erst nach und nach hätten behoben werden können.

Privatbahn kämpft mit Anlaufschwierigkeiten

Außerdem sei Go-Ahead zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt gestartet und habe die Folgen von Corona, Ukraine-Kries und Russland-Sanktionen zu spüren bekommen. Ein großes Problem sei weiterhin der Personalmangel. Lok- und Fahrzeugführer seien schwer zu bekommen, "und wenn einer ausfällt, dann fehlt manchmal Ersatz, so dass ein Zug ausfallen muss". Go-Ahead habe zwar die Anwerbung intensiviert und sogar eine eigene "Akademie" zur Schulung von Fahrzeugführern gegründet, deren Besucher aber erst nach einer elfmonatigen Ausbildung zur Verfügung stünden. Auf Beheims Frage, ob das Personal des Fugger-Expresses nicht übernommen worden sei, merkte Amani an, dass viele "lieber bei der Deutschen Bahn geblieben" seien.

Der Verkehrsausschuss kämpft seit Jahrzehnten mit schrittweisem Erfolg für mehr Zughalte an den drei Bahnhöfen. Es soll erreicht werden, dass wie im Nachbarlandkreis Aichach-Friedberg jeder Zug hält. "Darauf hat Go-Ahead aber keinen Einfluss, der Fahrplan wird von der Bahn erstellt und wir müssen ihn erfüllen", befand Pressesprecher Winfried Karg.

Der Anregung von Spicker, "Go-Ahead könnte doch von sich aus mehr Zughalte wünschen", wich Armani aus. Der Geschäftsführer gab aber das Versprechen ab, bei Ausfall eines Zughalts in Althegnenberg, Haspelmoor oder Mammendorf verstärkt darauf zu achten, dass der nachfolgende Zug auf jeden Fall dort einen Halt hat. Außerdem soll die Fahrgastinformation über die Stationsanzeiger und über die App zügig optimiert werden. Vereinbart wurde zudem, weiterhin in Kontakt zu bleiben und dass sich Go-Ahead bemüht, allen vom Verkehrsausschuss vorgebrachten Anliegen umgehend nachzugehen.

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