Altenpflege Im Schlafanzug durch den Vormittag

Das Brucker Pflegeheim Theresianum stellt am Samstag den neuen gerontopsychiatrischen Bereich vor. Dort haben die Bewohner viel Freiraum - auch wenn sie an Demenz leiden

Von Stefan Salger

Die hellen Räume sind modern eingerichtet und mit Holzböden ausgestattet. Einige ältere Frauen und Männer sitzen in der Wohnküche an einem großen Holztisch, der mit Blumen dekoriert ist. Es ist ein Bild, wie man es in einem Pflegeheim wie dem Theresianum in Fürstenfeldbruck erwartet. Dass man sich im gerontopsychiatrischen Bereich befindet, merkt man zunächst nicht. In mehrmonatigen Umbauarbeiten ist die Abteilung für alte Menschen entstanden, die an Demenz leiden oder andere psychische Probleme haben. An diesem Samstag wird er der Öffentlichkeit bei einem Tag der offenen Tür vorgestellt.

Armin Seefried, Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft, die das Heim betreibt, erklärt die neue Station bei einem Rundgang. Begleitet wird er von Pflegedienstleiterin Daniela Stark und Schwester Agnes als Vertreterin der "Schwestern vom Göttlichen Erlöser" als eigentlicher Träger. Wer nicht weiß, dass der Wohnbereich "Magdalena" ein besonderer ist, erkennt es kaum. Die Tür, die den Rest des Hauses von den barrierefrei zugänglichen Räumen trennt, ist nicht versperrt. "Das ist keine geschlossene Station. Hier wohnen keine Menschen mit Unterbringungsbeschluss", sagt Seefried. Vielmehr solle das Leben zu Hause abgebildet werden, alles so normal wie möglich wirken.

Die große Wohnküche ist das Herzstück des neuen Bereichs.

(Foto: Voxbrunner Carmen)

In der früheren Pflegeabteilung lebten bislang schon viele Demenzpatienten. Nun wird ihr Anteil kontinuierlich steigen. Profitieren sollen die Senioren von einer besser auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Betreuung und Begleitung. Bis zu 25 der insgesamt 149 Bewohner des Theresianums können in den Einzel- oder Doppelzimmern unterkommen. Das Herzstück des Bereichs ist die etwa hundert Quadratmeter große Wohnküche mit Sitzgruppen, Herd, Küchenmaschinen und einer großen Tafel sowie bunten Vorhängen an den Wänden.

Insgesamt drei Millionen Euro wurden innerhalb von drei Jahren im Zuge eines Sanierungskonzepts in dem Altbau von 1979 verbaut, die Maßnahmen reichen vom Einbau einer kontrollierten Wohnraumbelüftung und Internetanschlüssen über neue Wasserleitungen bis hin zu den auf die Bedürfnisse von Demenzpatienten abgestimmten Lampen sowie Handläufe und Rammborde am Boden für den Wohnbereich Magdalena.

Eine reine Demenzstation ist der Bereich nicht, wie Pflegedienstleiterin Daniela Stark erklärt. Die geschlossenen Außentüren und die nachgebaute Bushaltestelle im Garten sind zwar durchaus auf die Bedürfnisse dieses Personenkreises zugeschnitten. Doch das Spektrum ist weiter. Betreut werden hier auch Senioren mit psychischen Erkrankungen, Altersdepressionen oder Psychosen wie beispielsweise Vergiftungswahn.

Pflegedienstleiterin Daniela Stark und Geschäftsführer Armin Seefried erläutern das Konzept der nachgebildeten Bushaltestelle im Garten, die Demenzpatienten mit großem Weglaufdrang schon seit mehreren Jahren als eine Art vertrauter Ankerpunkt dient.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Älteren Menschen gelingt es erfahrungsgemäß eine Zeitlang recht gut, Probleme zu verbergen, die eine beginnende Demenz mit sich bringt. Sie greifen auf Eselsbrücken zurück, bekleben ihre Möbel mit Zettelchen, auf denen "Licht ausmachen" oder "Müll wegbringen" steht und besuchen immer den gleichen Laden. Wenn sie aber irgendwann die Namen der Angehörigen vergessen, den Heimweg nicht mehr finden oder es bei der Körperpflege größere Probleme gibt, sollte das familiäre Umfeld dies als Warnsignal begreifen, sagt Stark. Angehörige seien mit der Pflege irgendwann überfordert. Dann ist meist eine Unterbringung im Heim besser. Das Konzept setzt durchaus auf individuellen Freiraum, der Tagesablauf der Bewohner in der gerontopsychiatrischen Abteilung weniger durchstrukturiert als in den anderen Bereichen des Hauses. Wer morgens barfuß im Schlafanzug unterwegs sein oder sich erst im Laufe des Vormittags duschen will, der bekommt diesen Freiraum. Gibt es freie Plätze im gerontopsychiatrischen Bereich, werden diese je nach Bedarf an externe Senioren vergeben oder durch einen hausinternen Umzug belegt. Bedingung ist in der Regel eine der Pflegestufen von eins bis fünf. Die Pflegereform hat gerade die Angehörigen von Demenzpatienten finanziell entlastet.

Eröffnung des Gerontopsychiatrischen Bereichs im Alten- und Pflegeheim Theresianum, Samstag, 7. Juli, 14 bis 17 Uhr. Führungen durch den Bereich, im Garten gibt es Kaffee und Kuchen, Ausstellung "Glück kennt kein Alter"; 15 Uhr: Porträt der Gründerin Mutter Alfons Maria in der Kapelle;