Abfallpolitik:Biotonne mit Geruchsfresser

Lesezeit: 3 min

Abfallpolitik: Von 2025 wird es auch im Landkreis Fürstenfeldbruck eine Biotonne geben.

Von 2025 wird es auch im Landkreis Fürstenfeldbruck eine Biotonne geben.

(Foto: Patrick Seeger/dpa)

Viele Landkreise haben ihn bereits, nun führt auch Fürstenfeldbruck zum Jahr 2025 einen Sammelbehälter für organische Abfälle ein. Ein Filterdeckel soll für die nötige Hygiene sorgen.

Von Heike A. Batzer, Fürstenfeldbruck

Nun wird also auch der Landkreis Fürstenfeldbruck dem Beispiel vieler anderer Kreise folgen und eine Biotonne einführen - zum 1. Januar 2025. Sie soll dann alle 14 Tage geleert und in drei Größen angeboten werden: als 60-, 120- und 240-Liter-Tonne. Damit die organischen Abfälle in den Sommermonaten nicht zu stinken anfangen oder von Ungeziefer befallen werden, werden die Tonnen mit einem Bio-Filterdeckel ausgestattet.

Die Festlegung, die der Werkausschuss jetzt einstimmig empfahl, war nur noch eine Feinjustierung. Schon im April hatte der Ausschuss den Weg zu einer Biotonne frei gemacht. Der Kreistag wird nächsten Donnerstag abschließend darüber befinden. Damit findet ein "jahrelang kontrovers diskutiertes Thema", wie Kreisabfallreferent Jakob Drexler (UBV) in der Sitzung betonte, ein Ende. Man habe nun "eine gute, einfach umsetzbare und doch flexible Lösung" gefunden. Auch Drexlers unermüdlichem Engagement und Nachdruck ist es zu verdanken, dass es überhaupt soweit kam. Denn lange hielten vor allem die CSU und Landrat Thomas Karmasin am bisherigen Entsorgungssystem für Bioabfälle mittels kleiner Papiersäcke fest.

Laut Zahlen der Deutschen Umwelthilfe aus dem Vorjahr stehen in 47 Landkreisen und kreisfreien Städten in Deutschland keine Biotonnen zur Verfügung. In Fürstenfeldbruck führten nun mehrere Gutachten, die der Kreistag in Auftrag gegeben hatte, zu einem Umdenken. Das Witzenhausen-Institut kam zuletzt zu dem Schluss, dass über eine Biotonne mehr Küchenabfälle für die Weiterverwertung eingesammelt werden könnten, als dies mit der bisherigen Sammlungsart gelingt. Auch das Ergebnis der zweimal binnen zwei Jahren durchgeführten Restmüllanalyse fiel eindeutig aus: Es verbleiben zu viele organische Abfälle im Restmüll, 35 Prozent sind es im Landkreis Fürstenfeldbruck, 26 Prozent davon gelten als verwertbar. Das heißt, die Bürger entsorgen bestimmte organische Abfälle und Speisereste einfach über den Restmüll.

Die neuen Tonnen soll es in drei Größen geben

Wenn es nach den Gutachtern geht, dann sollten lediglich Biotonnen mit einem 40- oder 60-Liter-Fassungsvermögen angeschafft werden und sicherstellen, dass mehr Bioabfälle separat gesammelt werden, aber nicht sämtliche Gartenabfälle darin landen. Die sollen weiterhin eigens abgegeben werden. Denn mischen sich die Bestandteile zu sehr, wirkt sich das auf die Qualität der Energieerzeugung aus. Eine kleine 40-Liter-Tonne wird es dennoch nicht geben. Nach Angaben des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) Fürstenfeldbruck gilt sie als "nicht ausreichend standsicher". Die übrigen drei Größen sollen sich an der Größe der Restmülltonnen orientieren. Bei Restmülltonnen, die 40, 60/70, 80/90 oder 120 Liter fassen, käme beispielsweise eine 60-Liter-Biotonne in Betracht. Wer eine andere Tonnengröße haben möchte, kann sie kostenpflichtig dazu buchen. Eigenkompostierung ist weiterhin möglich.

Hygienische Bedenken soll ein spezieller Filterdeckel auf der Biotonne beheben. Dieser Deckel besitzt eine umlaufende Dichtung und soll verhindern, dass Faulgase aus der Tonne entweichen und diese wiederum Fliegen zur Eiablage in der Tonne anlocken und Madenbildung fördern. Die Faulgase, so schreibt der AWB in seinen Unterlangen an die Kreisräte, würden durch Mikroorganismen und Enzyme im Bio-Filter in Kohlendioxid und Wasser aufgespalten und geruchsneutral an die Umwelt abgegeben. Durch das feuchte Milieu in der Tonne würden zudem gesundheitsgefährdende Pilzsporen gebunden. Eine 14-tägige Abholung des Biomülls erscheint den Kreisräten dadurch gegenüber einem wöchentlichen Abholungsrhythmus vertretbar - auch in den Sommermonaten.

Die Müllgebühren steigen erneut um ein Drittel, aber die Kreisräte verlieren darüber kein Wort

Dass die Einführung der Biotonne auch die Müllgebühren steigen lässt, wurde allerdings nicht angesprochen im Ausschuss und war den Kreisräten schon in ihrer Sitzung im April keine Erwähnung Wert gewesen. Für die Biotonne selbst sollen keine Zusatzgebühren erhoben werden wie etwa bei der Wertstofftonne, denn die Kosten werden auf die gesamte Müllgebühr umgelegt. Bereits zu Beginn dieses Jahres waren die Abfallgebühren um etwa ein Drittel angehoben worden, weil die Rückstellungen steigende Kosten nicht mehr auffangen konnten. Von 2025 an sollen die Gebühren dann noch einmal um ein Drittel erhöht werden. Der weitaus größere Teil des Anstiegs hat damit zu tun, dass nach Ende des aktuellen Kalkulationszeitraums die Rückstellungen erneut aufgebraucht sein werden und gleichzeitig mit weiteren Kostensteigerungen im Abfallwesen zu rechnen ist. Die Biotonne macht etwa zwölf Prozent des Gebührenanstiegs aus.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema