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Fröttmaninger Heide: Hundewiese oder Naturschutzgebiet?

Hund und Halter bei einem Spaziergang in der Fröttmaninger Heide.

(Foto: Robert Haas)

Umweltschützer und Hundehalter streiten erbittert über die Frage, wer die Fröttmaninger Heide nutzen darf. Jetzt muss die Regierung entscheiden.

Weit geht der Blick über das Meer der wiegenden Halme; ein Feldhase hoppelt seiner Wege, der sachte Wind trägt das leise Rauschen eines Kiefernwäldchens herbei. Mehr ist oft nicht los in der friedlichen Graslandschaft der Fröttmaninger Heide, die sich von Freimann nach Norden bis in die angrenzenden Landkreise erstreckt. Mit dem Frieden kann es aber schnell vorbei sein - etwa dann, wenn Gassi-Geher und Naturschützer aufeinandertreffen. Die zanken sich dann heftig, schreien sich an - und gehen erbittert auseinander. Seit Jahren geht das so. Und ein Ende des Gezänks ist nicht in Sicht, womöglich aber eine Entscheidung, wer sich als Sieger fühlen darf: die Hundehalter.

Schon seit Jahren streiten sich Hundehalter und Naturschützer um die Heide

Die Regierung von Oberbayern will das 347 Hektar große Gebiet zwischen den Freimanner Wohnsiedlungen am Stadtrand und der Autobahn A 99 im Norden unter Naturschutz stellen. Das Verfahren wird seit Jahren vom Streit der Kontrahenten begleitet. Die einen sind überzeugt: Die Heide soll Mensch und Hund als Erholungsraum dienen; für die anderen ist gewiss: Die Heide muss weitgehend vor Mensch und Tier geschützt werden, denn sie zerstörten die Tier- und Pflanzenwelt.

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Das Hickhack gehört zum Dauersound in Freimann, obwohl das Hin und Her von Februar 2013 bis Frühjahr 2015 professionell moderiert wurde. Da lief ein Bürgerbeteiligungsprozess, Anwohner und Naturschützer zofften sich in Workshop-Runden. Am Ende stand ein Kompromiss: Die Heide soll in vier Zonen eingeteilt werden, in denen unterschiedliche Vorschriften gelten. Die Gassi-Geher haben auf 34 Hektar die "Zonen für das freie Betreten" zur Verfügung, wo sie Hunde frei laufen lassen dürfen; in andere Bereichen dürfen weder Mensch noch Tier hinein, in wieder anderen ist das Betreten nur außerhalb der Vogelbrutzeiten erlaubt.

Den Hundehaltern ging der alte Beschluss nicht weit genug

Soweit, so kompliziert - und so unannehmbar für die Interessengemeinschaft (IG) Heide, die sich seit zehn Jahren gegen die Einschränkungen für Erholungssuchende wehrt. "Wir wollen Lockerungen für die Bürger in Freimann. Es stimmt nicht, dass Hunde alles kaputt machen", sagt Hannelore Scholz, Anwohnerin, Hundehalterin und eine der Sprecherinnen der IG Heide. Sie und ihre Mitstreiter haben zuletzt 1500 Unterschriften für die Forderung gesammelt, die strikten Regeln aufzuweichen. Das Drängen wurde im Sommer erhört, zunächst von CSU-Stadträtin Evelyne Menges, dann von der Stadtrats-Mehrheit. Qua Beschluss soll die Bezirksregierung nun Änderungen einarbeiten.

Kurzerhand wurde das Paket wieder aufgeschnürt, und man packte neue Forderungen hinein: Am Rand der Wohnbebauung in Freimann soll ein 35 Meter breiter Streifen von der Schutzzone abgeschnitten und mit Hunden frei betretbar sein. Zudem dringt die Stadt darauf, auf den Wegen nicht die kurze, sondern eine vier Meter lange Hundeleine zuzulassen. Der Leinenzwang entfällt ohnehin, wenn ein Hundeführerschein nachgewiesen wird. In der "Zone für Heideerleben" sollen Gassi-Geher zudem nicht erst von Oktober, sondern schon von August an ihre Lieblinge frei laufen lassen dürfen.

Quelle: SZ-Grafik

Frieden stellte sich damit nicht ein. Die Fronten sind verhärtet; es wird auf allen Kanälen gestritten: mit Stellungnahmen an Bezirksregierung und Bürgermeister, mit Kommentaren auf Facebook, mit verbissenen Argumenten auf den Wiesen und Wegen. Die IG Heide beklagt sich in einem Schreiben an die Regierung von Oberbayern über die "fast unverändert bestehende höchste Schutzzone mit ganzjährigem Betretungsverbot am Rande der Wohnbebauung". Dennoch lässt IG-Sprecherin Scholz erkennen, dass die Anwohner das Konzept mit den Münchner Änderungswünschen akzeptieren würden. "Wir haben uns mehr erhofft, geben uns damit aber zufrieden."

Der Münchner Vorschlag stößt auf viel Gegenwind

Das gilt nicht für den Bund Naturschutz (BN), der das die Bezirksregierung ebenfalls schriftlich wissen lässt. Schon das Kompromisspapier hatte der Verband nur zähneknirschend mitgetragen. Eigentlich, so sagt BN-Kreisgruppengeschäftsführer Rudolf Nützel, hätten Hunde in diesem sensiblen Gebiet nichts verloren. "Das ist der hundefreundlichste Entwurf für ein Naturschutzgebiet, den es in Bayern gibt." Doch mit den Forderungen des Stadtrates sei nun "eine rote Linie überschritten". Der Naturschutz sei damit obsolet, das Gebiet "auf eine reine Hundewiese reduziert".

Der gleichen Auffassung ist auch die Mehrheit im Bezirksausschuss Schwabing-Freimann. "Wenn der Münchner Vorschlag durchgeht, gibt es nur einen Gewinner: die Hundeliebhaber", sagt der Vorsitzende Werner Lederer-Piloty (SPD). Es profitiere nur eine kleine Minderheit, "zum Schaden der Natur". Ekkehard Pascoe (Grüne) geht die IG Heide in einem Brief an den Oberbürgermeister hart an: "Im Kampf für ihre frei laufenden Hunde spielen diese Leute mit der Wahrheit."

Nun muss die Regierungsbehörde entscheiden. Die gibt sich jedoch wortkarg, ob sie die Münchner Wünsche zu erfüllen gedenkt. Die Prüfung werde ergebnisoffen vorgenommen, teilt eine Sprecherin mit. Sie will noch nicht einmal eine Prognose abgeben, wann mit einem Ergebnis zu rechnen ist. Das Verfahren sei sehr komplex, heißt es, zumal eine Vielzahl von Einwendungen auszuwerten, zu prüfen und zu bewerten seien. Eine besondere Gewichtung werde dabei nicht vorgenommen. "Der Urheber der Einwendung ist in diesem Zusammenhang ohne Belang." Das gilt auch für die Stadt München.

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