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Friedenstreffen in München:Meine Toten, deine Toten

Mit dem Frieden ist es eine komplizierte Sache - alle wollen ihn, aber dann steht ihm häufig etwas im Weg: Beim Friedenstreffen in München überschatten die Konflikte in Nordafrika und Nahost alle Versuche, zwischen den Religionen Brücken zu bauen.

Der Streit offenbarte sich nach der zweiten Musikeinlage. Bundespräsident Christian Wulff hat gerade eine "Allianz der Kulturen und der Religionen" gefordert, und Andrea Riccardi, der Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant' Egidio, eine Dekade des Friedens. Die Geiger geigen und setzen sich dann, ein älterer, graubärtiger Herr in Schwarz seht auf, humpelt zum Pult.

Friedenstreffen 2011

Christen, Juden, Muslime, Buddhisten: Seit 1987 kommen Geistliche verschiedener Religionen und Konfessionen einmal im Jahr zu einem Friedenstreffen zusammen - in diesem Jahr finden die Gespräche in München statt. Das Treffen, das von der einflussreichen katholischen Gemeinschaft Sant' Egidio organisiert wird, begann am Sonntag mit einer Gedenkfeier anlässlich des zehnten Jahrestages der Anschläge vom 11. September.

(Foto: dapd)

"Es ist gut, dass das Treffen in München stattfindet", sagt Shear-Yasuv Cohen, der ehemalige Oberrabbiner aus Haifa in Israel, "in München, dem Ort des Attentats von 1972." Damals ermordeten palästinensische Terroristen israelische Sportler. Und auch jetzt sei die Gewalt in der Welt, was man am Sturm Tausender Ägypter auf die israelische Botschaft sähe. Ihm antwortet Dato' Seri Anwar Ibrahim aus Malaysia: Ja, auch er sei gegen Gewalt, aber die Besetzung Palästinas durch Israel stehe nun einmal dem Frieden entgegen.

Meine Toten, deine Toten. Mein Leid, dein Leid. Mit dem Frieden ist es eine komplizierte Sache, alle wollen ihn, aber dann steht ihm häufig etwas im Weg, die alte Verletzung und das gegenwärtige Leid, ein Unrecht, das vergolten gehört, und es verschwimmt, wer nun gut ist und wer böse.

Diesem immer bedrohten und kränkelnden Frieden also soll das Treffen in München dienen, das jene Gemeinschaft in Rom seit 25 Jahren organisiert, die Papst Johannes Paul II. zu den Geheimdiplomaten des Vatikans machte. Prominenter könnte ein solches Treffen kaum besetzt sein, mit Kardinälen, orthodoxen Patriarchen, Rabbinern, Imamen, Würdenträgern aus Asien, Ministern, Politikern; sogar ein Abgesandter der libyschen Muslimbrüder ist gekommen und Fatih Mohammed Baja, Vertreter für politische und internationale Angelegenheiten des Übergangsrates des Landes (siehe unten). Papst Benedikt XVI. hat ihnen allen ein Grußwort geschickt: Friede sei "ein Geschenk, um das wir alle bitten müssen".

Vor allem dort, wo die Konflikte schwer lösbar erscheinen. Einer der Schwerpunkte des Treffens ist, wie es weitergeht nach den Umwälzungen in Nordafrika und im Nahen Osten. Viele der alten, korrupten Kräfte seien geblieben, die wirtschaftlichen und sozialen Probleme auch, sagt der ägyptische Journalist Mina Fouad, ein koptischer Christ.

Gewachsen sei die Angst der christlichen Minderheit, dass für sie der arabische Frühling zum bitteren Winter wird, dass sie noch stärker als bisher diskriminiert und verfolgt würden. Die Muslime auf dem Podium sind da optimistischer: Auf dem Kairoer Tahrir-Platz hätten doch Muslime und Christen, Männer und Frauen, Fromme und Säkulare gestanden, sagt Ramy Shaath, der die Proteste mitorganisierte.