Zukunftsdialog in Freising:Wünsche für eine gemeinsame Zukunft

Eine deutschlandweite Tour von Greenpeace hat auch in der Domstadt Station gemacht. Menschen verschiedener Generationen sollen dabei ins Gespräch kommen und Visionen für eine klimagerechte Welt ersinnen

Von Thilo Schröder, Freising

Die Moosburger Greenpeace-Gruppe hat an diesem Mittwoch in Freising Passantinnen und Passanten zum Gespräch über Themen wie die Klimakrise und den Umweltschutz eingeladen. Hintergrund der Aktion ist der "Greenpeace Zukunftsdialog - Komm ins Gespräch". In einer Tour durch 50 deutsche Städte bietet der Umweltverband Menschen verschiedener Generationen eine Austauschplattform. Ziel ist es, herauszufinden, welche gemeinsamen Visionen die Menschen teilen.

In Freising platzierten sich die Aktivistinnen und Aktivisten am Büchl, am Ende der Unteren Hauptstraße. Im Gepäck hatten sie einen mehrere Meter großen Regenbogen-Aufsteller, daran Zettel mit Visionen, die Menschen aus anderen Städten bereits niedergeschrieben haben. Aussagen wie "Die Politik braucht uns alle" und "Weltfrieden" standen da, aber auch konkrete Forderungen wie "Tempolimit und Städte ohne Autoverkehr" oder "Keine Massentierhaltung mehr". Um Gespräche anzuregen, lagen Karten mit Einstiegsfragen auf kleinen Tischen aus: "Was stört dich an der Welt, so wie sie jetzt ist?", "Was wünscht du mir für meine Zukunft?" oder "Was ärgert dich an meiner Generation?".

An einem der Tische sitzt am Mittwochvormittag Svenja Klimek. Die 52-Jährige ist seit 30 Jahren Flugbegleiterin, wie sie sagt. Über die Klimafolgen des Fliegens ist sie sich bewusst: "Da muss ich mir schon an die Nase fassen." Sie greift nach einer Karte. Welche Verantwortung ältere für jüngere Generationen hätten, wird da gefragt. Klimek meint, es sei wichtig, im Alltag darauf zu achten, möglichst umweltgerecht zu leben: ob im Haushalt, bei der Ernährung oder der Mobilität. Bei ihrem Arbeitgeber gebe es nachhaltige Produkte an Bord, sagt sie. "Es gibt ganz viele Möglichkeiten, um die Welt für Euch zu erhalten."

Mit "Euch" meint sie Menschen wie Lena Hailer, die ihr gegenübersitzt. Sie ist 21 Jahre alt, Studentin und Greenpeace-Aktivistin. Hailer sagt, es wäre "ihr größter Wunsch, dass die älteren Generationen darauf achten, uns einen lebenswerten Planeten zu hinterlassen". Im eigenen Umfeld einen nachhaltigen Lebensstil zu praktizieren, finde sie gut. "Das ist eine super Einstellung." Es müsse jedoch ein Transfer vom Kleinen aufs große Ganze gelingen, etwa durch ein entsprechendes Wahlverhalten. Sie nennt ein Beispiel: Ihre Oma wähle seit 50 Jahren die CSU, schlicht, weil das in der Familie so Tradition sei. Zugleich liege ihr die Umwelt am Herzen. Für Hailer nicht ganz stimmig.

Fast 60 Prozent der Wahlberechtigten bei der anstehenden Bundestagswahl seien über 50 Jahre alt, heißt es auf der Online-Plattform der Aktion. In den vergangenen 16 Jahren sei in Deutschland "viel zu wenig für den Klimaschutz getan" worden. Zugleich stünden sich die Generationen viel näher, als es häufig den Anschein habe. Auch im Gespräch zwischen Klimek und Hailer offenbaren sich unterschiedliche Perspektiven. Aber weil sie ins Gespräch kommen, sich zuhören, ergeben sich gemeinsame Zukunftsvisionen.

Für Nachhaltigkeit im Alltag können sich auch Benedikt Hartl, 18, und Victor Stoica, 17, begeistern. Sie sind mit einer Schülergruppe unterwegs und sprechen mit Nanka Elleke, 50, von Greenpeace. Beide sind im September erstmals wahlberechtigt. Er esse selten Fleisch, sagt Stoica. Hartl kauft häufig abgelaufene Lebensmittel, die sonst weggeschmissen würden, wie er sagt. Dafür fahre er aber gerne schneller als 130 auf der Autobahn. Elleke sagt, es sei grundsätzlich gut, mit der Nachhaltigkeit dort anzufangen, wo es einem leichter falle. Sie fahre selbst ein E-Auto, habe aber lange einen Verbrenner gehabt. Es gehe ja auch um übergeordnete Fragen, wirft Frank Weiße ein, der die Greenpeace-Tour quer durchs Land begleitet. "Muss jeder ein eigenes Auto haben?"

Die Dialogkarten gibt es zum Bestellen oder als Download unter https://vote4me.net/

© SZ vom 29.07.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB