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SZ-Balkonien:Die Brennnessel hat überlebt

Die Blumentöpfe bieten derzeit ein eher tristes Bild

Die Brennnessel hat den Winter auf SZ-Balkonien überlebt und wuchert schon wieder munter vor sich hin. Ein zähes Gewächs. Ansonsten ist die aktuelle Lage eher traurig auf dem nachhaltigen und bienenfreundlichen Experimentierfeld der SZ-Redaktion. Ein kümmerlicher Löwenzahn reckt sein Haupt empor, der hat sich aber definitiv eingeschlichen. Denn er gehörte nicht zum Pflanzplan der Redaktion. Einen Sommer lang hatten die Pflanzenkundler im Team dort alles bereitet und bestellt, auf dass es für die Bienen und Hummeln auf SZ-Balkonien eine rechte Freude sein sollte. Es kamen dann auch tatsächlich welche vorbeigeflogen, also ein paar, also jemand hat gesagt, er habe mal eine Biene gesehen. Es hätte aber auch eine Hummel sein können. Ein Vögelchen ist auch mal vorbeigeflattert und hat sich an der Sonnenblume bedient. Es war eine wirklich sehr schöne Sonnenblume.

Egal. Jetzt jedenfalls sollte eigentlich alles wieder von vorne beginnen mit dem Säen und Pflanzen. Überhaupt sollte jetzt alles wieder beginnen. Doch allerorten herrscht Stillstand. Die Pflanzenkenner im Team befinden sich alle im Home-Office und die Rumpfredaktion sieht sich auf diesem Gebiet überfordert. Sie kann sich gerade noch an ein Kurzseminar mit Aktivisten von "Fridays for Future" im vergangenen Jahr erinnern, als alles noch gut war. Da ging es um das Basteln von "Seedbombs". Das sind Lehmklumpen, die es in den Varianten "nass" und "trocken" gibt. Man befüllt sie mit Blumensamen, wirft sie in die freie Natur oder in Blumentöpfe vom vergangenen Jahr und schwups, blüht es dort nach einiger Zeit. Das wäre im Fall von SZ-Balkonien schnell zu erledigen und würde auch keine gärtnerische Grundausbildung erforderlich machen.

Weil aber noch nicht klar ist, ob es in Zeiten wie diesen überhaupt einen Online-Bringservice für Lehmklumpen gibt und weil man darum mit dem Bestand arbeiten muss, erfährt nun eben die Brennnessel auf SZ-Balkonien eine ganz exklusive Pflege. Gut, sie wird jetzt nicht gerade gestreichelt, weil sie nämlich beißt, auch wenn man es gut mit ihr meint. Aber sie wird regelmäßig gegossen und man spricht auch mit ihr. Wenn dann irgendwann alles wieder gut ist, dann wird auf dem SZ-Balkon eine wahre Pracht von Brennnesselbewuchs zu bestaunen sein, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

© SZ vom 09.04.2020

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