Streuarbeiten Das Dilemma des Winterdienstes

1200 Tonnen Salz hat die Stadt Freising eingelagert, damit kann Schnee und Eis weggetaut werden.

(Foto: Marco Einfeldt)

Das Streuen von Straßen und Gehwegen mit Salz schädigt Bäume und verursacht Korrosionsschäden, die Bauhöfe sehen dazu aus Sicherheitsgründen aber keine Alternative. Privatpersonen ist die Verwendung teilweise verboten.

Von Nora Schumann, Freising

1200 Tonnen Salz hat die Stadt Freising für Streuarbeiten vorsorglich eingelagert. Das Salz taut Schnee und Eis weg und erlaubt Trittsicherheit auf allen Wegen. Doch unbedenklich ist der Einsatz nicht. Das Bayerische Landesamt für Umwelt weist darauf hin, dass Auftausalze Boden, Bäume und Sträucher, die Pfoten von Tieren, aber auch Fische und andere Lebewesen in Gewässern schädigen. Auftausalze könnten außerdem mit dem Sickerwasser in das Grundwasser gelangen und so zu dessen "Aufsalzung" beitragen. Dies bestätigt Manfred Drobny vom Bund Naturschutz in Freising.

Die Feinstwurzeln der Bäume würden durch die Salze absterben, dadurch könnten die Bäume nicht mehr genug Wasser aufnehmen. Zusätzlich zum heißen Sommer komme dann also selbst im Winter Trockenstress hinzu. Die Bäume seien anfälliger und empfindlicher, bekämen dürre Äste. "Dann heißt es, der ist krank und er wird aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt", erläutert Drobny. "Die Bäume, die in der Allee entlang der Vöttinger Straße stehen, haben fast alle Salzschäden."

Er verweist auch auf ein weiteres Problem bei der Verwendung von Streusalz: "Was bei der Salzbilanz rein finanziell massiv zu Buche schlägt, sind die Korrosionsschäden, beispielsweise die Tatsache, dass die Isarbrücke jetzt teuer saniert werden muss", sagt Drobny. "Das geht in die Millionen und ist zu einem wesentlichen Teil dem Streusalz geschuldet." Dies habe er auf Nachfrage in der Stadtratssitzung bestätigt bekommen.

Auch die Alternativen sind nicht unproblematisch

Es gibt auch Alternativen zum Salz: Split oder Sand. Doch auch das Verwenden von Split ist mit Problemen verbunden, wie Martin Holzner vom Bauhof in Moosburg erklärt: "Für die Gehsteige verwenden wir schon eine Mischung aus Split und Salz. Aber auf der Straße bringt der Split wenig. Die Autos schleudern den Split zur Seite, da müssten wir alle drei Stunden nachstreuen." Johann Bartl vom Bauhof in Eching gibt zu bedenken, dass der Split als Streumaterial nicht wiederverwendet werden könne, da er durch den Abrieb nicht mehr kantig sei, sondern rund geschliffen werde und seine Wirkung verfehle. "Er lässt sich daher höchstens in der Baubranche für den Wegebau verwenden." Die Aufbereitung sei zu aufwendig, erklärt Bartl den Einsatz von Streusalz.

Dem widerspricht Manfred Drobny: "Das, was Salzen in der Umwelt anrichtet, ist zweifelsohne wesentlich schädlicher als der Aufwand vom Aufsammeln des Splits". Man müsse auch den Aufwand des Salzabbaus und Transports mitzählen. Hinzu kämen die Korrosionsschäden und die geringere Haltbarkeit von Autos, Schuhen und Kleidung durch Salzschäden.

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(Foto: Marco Einfeldt)

Teilweise darf auch privat Salz gestreut werden

Das Bayerische Landesamt für Umwelt empfiehlt den Gemeinden daher den sogenannten "differenzierten Winterdienst". Sowohl Privatleute als auch Gemeinden sollen an die aktuelle Situation angepasst vorgehen. Der Räumung wird dabei der Vorrang gegeben. Auf Gehwegen empfiehlt das Landesamt grundsätzlich das Streuen mit Split oder Sand. Salz sollte nur selten und wenn dann in geringen Mengen eingesetzt werden, beispielsweise an Gefahrenstellen wie Treppen oder starken Steigungen. Für Gemeinden empfiehlt das Landesamt eine Verwendung von Streusalz insbesondere bei Straßen außerorts und großen Kreuzungen. Im innerörtlichen Wegenetz ohne besondere Gefahrenpunkte könne im Normalfall auf das Streuen verzichtet werden.

Ob die Nutzung von Streusalz für Privatleute überhaupt erlaubt ist, legt die jeweilige Kommune in einer eigenen Verordnung fest. In Freising, Moosburg und Eching ist das Streuen mit Salz erlaubt. Der Schnee sei zu räumen und "mit Sand oder anderen geeigneten Mitteln, jedoch nicht mit ätzenden Stoffen, zu bestreuen", heißt es. In Neufahrn dagegen kann das Salzstreuen durch Privatpersonen mit einer Geldbuße von bis zu 500 Euro belegt werden.

Sicherheit geht vor, Korrosionsschäden schließt die Stadt nicht aus

Christl Steinhart, Pressesprecherin der Stadt Freising, weist darauf hin, dass die Stadt der Sicherheit ihrer Bürger verpflichtet sei. "Vorrang haben beim Räumen die Innenstadt, die Schulwege, Unterführungen und Treppen und da führt an Salz gar kein Weg vorbei", erklärt sie. Die Korrosionsschäden könne man nicht wegdiskutieren, aber die Winterdienstmitarbeiter würden entsprechend geschult.

Außer den Hauptverkehrsstraßen lässt die Stadt Freising alle Straßen streuen, die von Bussen befahren werden, um einen sicheren Zugang zu den Haltestellen zu gewährleisten. Verbieten möchte man den Privatpersonen den Einsatz von Streusalz nicht, man setze auf die Mündigkeit der Bürger.

Gerade in Siedlungen mit Gehwegen entlang von Gärten, hoffe die Stadt darauf, dass die Bürger an den eigenen Garten denken und dass das Streusalz, das sie verwenden, "die eigenen Pflanzen fressen wird", sagt Steinhart.

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