Prozess in Landshut:Tochter wiederholt Missbrauchsvorwürfe

Im Prozess gegen einen 50-jährigen Freisinger, der sich am Landgericht Landshut wegen des Missbrauchs seiner damals 14-jährigen Adoptivtochter verantworten muss, ist am Mittwoch das mutmaßliche Opfer rund vier Stunden lang vernommen worden. Die heute 28-Jährige erhob schwere Vorwürfe gegen den Angeklagten. Die Richter verwiesen dabei immer wieder auf Widersprüche zu ihren Aussagen bei der Polizei und in den vorangegangenen beiden Hauptverhandlungen. Die psychologische Sachverständige, die ebenfalls am Mittwoch ihr Gutachten über die Aussagen der 28-Jährigen vortrug, sprach von vielen Unsicherheiten und Hinweisen auf eine Scheinerinnerung.

Der Fall war bereits 2015 und 2018 am Landgericht verhandelt worden. Zunächst wurde der Angeklagte freigesprochen, drei Jahre später dann zu drei Jahren Haft verurteilt. Der BGH kassierte beide Urteile und verwies die Angelegenheit jeweils zurück nach Landshut. Seit vergangener Woche beschäftigt sich nun die erste Strafkammer unter Vorsitz von Richter Markus Kring mit dem Fall.

Der Angeklagte weist alle Vorwürfe zurück, die sich auf drei Vorkommnisse, unter anderem in Freising, in den Jahren 2007 und 2008 beziehen. Die Adoptivtochter - es steht auch im Raum, dass sie seine leibliche Tochter sein könnte - blieb am Mittwoch bei ihren Anschuldigungen. Sie berichtete davon, in ihrer Kindheit regelmäßig von ihrem Vater geschlagen worden zu sein. "Das war keine Seltenheit, sondern es war schön, wenn es ausnahmsweise mal nicht so war." Einmal habe der Angeklagte sie minutenlang mit einem Schuh verprügelt. Als er die Schilderungen seiner Tochter im Gerichtssaal hörte, schüttelte der Angeklagte immer wieder den Kopf.

Auch zu den drei angeklagten Fällen machte die 28-Jährige, die seit Jahren nicht mehr in Freising lebt, am Mittwoch genaue Angaben. Dass sie sich dabei an Details erinnerte, zu denen sie in den früheren Prozessen und Vernehmungen keine eindeutigen Angaben machen konnte, erklärte sie damit, früher viel verdrängt zu haben: "Aber wenn man nicht mehr so in dem Sumpf drin ist und Zeit hat nachzudenken, fällt einem vieles wieder ein." Seit dem zweiten Prozess im Jahr 2018 seien wieder viele Erinnerungen zurückgekommen, sagte die junge Frau, die sich als Kind und Jugendliche mehrmals in psychologischer Behandlung befunden hat.

An diesem Donnerstag wird der Prozess mit den Plädoyers und der Urteilsverkündung fortgesetzt.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB