Pirat mit NPD-Vergangenheit Widersprüche bleiben

Bernd Wagner, der Gründer und Leiter des Aussteigerprogramms Exit, unterstützt seit 21 Jahren Menschen, die sich vom Rechtsextremismus lossagen wollen. Als permanenter Außenbegleiter kennt er die Situation, wie kaum ein anderer. "Entscheidend ist der eigene Wille, es unbedingt schaffen zu wollen. Das ist die halbe Miete. Wir können an dieser Stelle mit Analysen, persönlicher Begleitung und individuell entworfenen Ausstiegsszenarien nur Hilfe zur Selbsthilfe anbieten." Von den Mitgliedern aus der rechtsextremen Szene, die den Kontakt zu Exit gesucht hätten, seien seit Gründung der Initiative nur acht Personen rückfällig geworden.

Valentin Seipt hat sich zusammen mit einem Freund an dieser Methode orientiert, jedoch auf eigene Faust. Der persönliche Kontakt sei nicht zustande gekommen. Einen Vorwurf, den der Diplom-Kriminalist Wagner zurückweist. "Kommunikationsschwierigkeiten können auch bei Exit nicht ausgeschlossen werden. Aber jeder, der es ernst meint mit dem Ausstieg, der nimmt diese Mühen auf sich."

Von den braunen Kameraden zu den Piraten war es dann nur ein kurzer Weg. Beim Stöbern im Netz war Valentin Seipt auf die Agenda der Piraten aufmerksam geworden. Während des Bundestagswahlkampfes 2009 ist aus den anfänglichen Sympathien glühende Begeisterung für die Netzpartei entstanden. Drei Monate nach seinem formalen Austritt aus der NPD hob der zukünftige Vorsitzende Valentin Seipt mit vier weiteren Mitstreitern den Piraten-Kreisverband Freising aus der Taufe. Das war am 17. Januar 2010.

Transparenz. Valentin Seipt hebt den Kopf, als spräche er zu einem versammelten Auditorium. Seine Augen leuchten durch die Brillengläser. Transparenz, das Alleinstellungsmerkmal der Piraten, liege ihm besonders am Herzen. "Transparenz im politischen Betrieb, statt Heimlichkeiten und Filz. Oder auch Bürgerrechte statt Dauerüberwachung von der Wiege bis zur Bahre." Die Leidenschaft des 25-Jährigen ist zu spüren, seinen Schutzpanzer braucht er jetzt nicht mehr. Er wirft ihn über Bord.

Nur die Widersprüche bleiben. Warum das späte Bekenntnis zur eigenen Vergangenheit, erst nachdem der rechtsextreme Aktionsbund Freising die Geschichte publik machte? Warum spricht Seipt nicht über die genauen Umstände seines Verstoßes gegen den Grundgesetz-Artikel 86a? Welches Kennzeichen einer verfassungswidrigen Organisation damals auf seinem T-Shirt prangte, erfährt man nicht.

Mittlerweile fühle er sich befreit, sagt der ehemalige Kreisvorsitzende. Ein Stein sei ihm buchstäblich vom Herzen gefallen. "Als Inhaber eines Amtes war es ein Fehler, nicht offen mit meiner Vergangenheit umzugehen. Aber ich habe mich dafür geschämt und Vorurteile gefürchtet. In meinem ganzen Freundeskreis wusste niemand davon."

Der Systemadministrator ist inzwischen in die Offensive gegangen. Er stellt sich der Öffentlichkeit und ist damit auf einer Linie mit den Piraten. Man müsse die Menschen vorbehaltslos über die politische Vergangenheit informieren. Im Gegenzug solle jeder bei den Piraten aber eine zweite Chance bekommen. Valentin Seipt möchte deshalb jetzt nach vorne blicken.