Pirat mit NPD-Vergangenheit Brainwashing, Rattenfänger, Anzugträger mit hypnotischen Fähigkeiten

Doch Widersprüche bleiben. Nach seinem Eintritt im Jahr 2007 ist Valentin Seipt bald fester Bestandteil der rechten Szene in Freising. Knapp ein Jahr später sei er in einer Gaststätte in Neustift zum stellvertretenden Kreisvorsitzenden der Rechtsnationalen gewählt worden, berichtet er - und wieder folgt eine Rechtfertigung: "Da hat es geheißen, du musst das machen, wir brauchen dich.

Valentin Seipt musste als Kreisvorsitzender der Piratenpartei zurücktreten.

(Foto: privat)

Der NPD-Kreisvorsitzende Dirk Reifenstein hat mit seinen Verbindungen zu den Freien Kameradschaften besonderen Druck ausgeübt." Seipt beschreibt den Dunstkreis der Rechtsextremen als hermetisch abgeriegelte Sekte und jongliert mit dem üblichen Wortrepertoire: Brainwashing, Rattenfänger, Anzugträger mit hypnotischen Fähigkeiten.

Als Opfer möchte er dennoch nicht gesehen werden. Der gelernte Systemelektroniker bemüht sich, plausible Gründe für seinen zwei Jahre andauernden Fehltritt ins Feld zu führen. Er rechtfertigt sich, laviert, wiegelt ab. Irgendwann habe man mit ihm nicht mehr über Inhalte diskutieren können. Die Parolen der Rechten seien ihm unkritisch über die Lippen gegangen. Er habe nichts hinterfragt.

Seipt beschreibt seine Teilnahme am Landesparteitag der NPD in Günzburg: "Man saß an den Tischen und redete mit seinem Tischnachbarn. Die anderen oben haben irgendwas gemacht."

Vielleicht hilft das Internetvokabular weiter. In der digitalen Welt schallt einem gerne mal als Antwort "Too long; didn't read" entgegen, kurz "TL;DR". Zu umfangreich - der Adressat Seipt war offenbar nicht bereit, sich durch den "Text" der NPD zu quälen. Ist dies das Motto von Seipts politischer Vergangenheit bei den Rechtsextremisten?

Heute steht ihm die Technikbegeisterung ins Gesicht geschrieben. Das Smartphone ist sein Navigator im Alltag, die Bezeichnung "Nerd" wie eine Ehrenmedaille. Um dies zu bestärken, geht Seipt in eine aufrechte Sitzhaltung über.

Überhaupt, seine Körpersprache: Kommt man auf seine Trennung von der rechten Szene zu sprechen, folgt eine reflexartige Rückkehr in den Abwehrmodus. Der Ausstieg aus der rechten Szene, sagt er, sei für ihn schwer gewesen. "Nach einem längeren inneren Erkenntnisprozess habe ich einen radikalen Cut gezogen. Ohne den Rückhalt meiner Eltern hätte ich dazu nicht die Kraft aufbringen können."