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Neufahrn:Rattennest im  Wohngebiet

Jetzt haben sich auch noch Ratten in der Echinger Straße angesiedelt. Im überquellenden Müll finden sie reichlich Nahrung.

(Foto: Marco Einfeldt)

Seit Jahren beschweren sich Anwohner über Abfallberge in der Echinger Straße. Kürzlich wurde sogar Feuer gelegt.

Von Birgit Grundner, Neufahrn

Der Anblick gehört mittlerweile zum gewohnten Bild in der Neufahrner Ortsdurchfahrt: Neben einem Wohnblock an der Echinger Straße quillt der Abfall aus Containern, daneben häufen sich schlecht verschnürte Müllsäcke, teilweise liegen sie auf der öffentlichen Straße. Der ganze Unrat zieht längst auch Ratten an. Bei der Straßensanierung soll kürzlich sogar ein regelrechtes "Rattennest" unter der Teerdecke gefunden worden sein. In der Nacht zum Montag hat sich die Situation dann noch einmal zugespitzt: Irgend jemand hat in einem der Müllcontainer Feuer gelegt, die Feuerwehr musste anrücken. Wer für den Schaden verantwortlich ist, ist ebenso unklar wie das Motiv.

Früher ein durchaus ansehnlicher Komplex

Der Wohnblock an der Echinger Straße 8 und 10 war einmal ein durchaus ansehnlicher Komplex. Unter den Eigentumswohnungen gab es Geschäfte etwa für Kinderbekleidung, Fahrräder und Brillen. Im Keller befand sich eine gut besuchte Diskothek. Dann ist der Bau allerdings immer weiter heruntergekommen - auch zum Leidwesen der Anwohner in der Angermaierweg, die von der Echinger Straße abzweigt. Sie schimpfen mittlerweile seit Jahren über die Zustände in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft, werfen der Gemeinde Untätigkeit vor und werden deshalb auch immer wieder im Rathaus vorstellig. Die ersten Vermerke im Ordnungsamt stammen aus dem Jahr 2015. Vor kurzem hat die Abteilung eine Dokumentation zusammengestellt, die zeigen soll, was die Gemeinde bereits alles unternommen hat, um das Problem zu lösen. Vergangenes Jahr war auch bereits ein Gespräch mit den Anwohnern geplant. Wegen Corona musste es dann verschoben werden.

Das Neufahrner Ordnungsamt sei jedenfalls immer wieder tätig geworden und "kümmert sich wirklich", betont Rathaussprecherin Gabriele Ostertag-Hill. Allerdings fühlt man sich im Rathaus auch einigermaßen machtlos: Für solche Fälle sei eigentlich das Landratsamt zuständig. Regelmäßig weise das Ordnungsamt die Kreisbehörde auf die Missstände hin. Die Gemeinde selbst könne nämlich keine entsprechenden Bescheide an die zuständige Hausverwaltung schicken, erklärt Ostertag-Hill weiter.

Zwangsgelder bewirken nichts

Die Freisinger Kreisbehörde habe das aber sehr wohl schon getan und auch Zwangsgelder verhängt, die dann von der Hausverwaltung auch bezahlt worden seien. Wirklich geändert habe sich dadurch freilich nichts. Erst vergangene Woche kam wieder eine Beschwerde-Mail im Neufahrner Ordnungsamt an. "Anscheinend sind vier Tonnen immer noch zu wenig", schrieb ein verärgerter Anwohner: "Das sind 4400 Liter Abfall für ein Gebäude mit vier Wohneinheiten und zwei Gastro-Betrieben".

An dem Tag, an dem der Absender sein Schreiben geschickt hatte, war für den Abend starker Wind vorhergesagt: "Sie können gleich in der Früh ein Räumkommando vorbeischicken", warnte der Unterzeichner mit Blick auf die Abfallberge, die sich einmal mehr angehäuft hatten. Seit neuestem stehe auch noch ein abgemeldetes Fahrzeug halb auf dem Angermaierweg - "wahrscheinlich als Rammschutz für die auf der öffentlichen Straße stehenden Biotonnen, das interessiert aber niemanden". Die Gemeinde weist das entschieden zurück. Zumindest was die Ratten betrifft, ist jetzt aber Bewegung in die Sache gekommen. Die Gemeinde hat einen Schädlingsbekämpfer beauftragt, der in den nächsten Wochen noch öfter kommen soll. Sie hat der Hausverwaltung aber zugleich signalisiert, dass sie schon auch selbst aktiv werden muss. Dafür wurde eine Frist bis 14. April festgelegt. Dann drohet eine "Ersatzvornahme" durch die Gemeinde, und die Hausverwaltung bekommt die Rechnung geschickt.

© SZ vom 13.04.2021
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