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Neue Regelung:Einschulungskorridor verschärft angespannte Situation in Kitas

Senat hofft auf Auftragsvergabe für Kitas im zweiten Anlauf

Kitas sollen gefördert werden. Familienministerin Franziska Giffey wirbt dafür.

(Foto: Rainer Jensen/dpa)

Der Einschulungskorridor, der es Eltern ermöglicht, ihre Kinder vom Schulbesuch zurückstellen zu lassen, schafft auch im Landkreis Freising Probleme. Die Wartelisten vieler Einrichtungen sind noch länger geworden.

Fast die Hälfte der sogenannten Korridorkinder in Bayern wird im Herbst nicht eingeschult und besucht ein Jahr länger den Kindergarten. Das hat in der ohnehin angespannten Situation in vielen Kindertagesstätten (Kitas) deutliche Folgen. "Natürlich betrifft dieses Thema auch Freising", sagt Christl Steinhart, Pressesprecherin der Stadt.

64 Eltern aus den Sprengelbereichen der Freisinger Grundschulen haben für das kommende Schuljahr die Möglichkeit, die ihnen der Einschulungskorridor eröffnet, genutzt. "Das heißt, dass 64 Kinder, die von den Leitungen der Freisinger Kindergärten eigentlich als schulfähig eingestuft wurden, weiterhin in den Einrichtungen bleiben und einen Platz belegen", berichtet Steinhart. Derzeit stehen 164 Namen auf der Kindergarten-Warteliste der Stadt für das neue Betreuungsjahr. Seit diesem Jahr können Eltern entscheiden, ob sie Kinder, die zwischen Juli und September sechs Jahre alt werden, einschulen oder zurückstellen lassen. Bisher entschieden darüber die Schulleiter. Laut Kultusministerium werden zum kommenden Herbst deutlich mehr Kinder zurückgestellt als 2018: Von 32 216 Kindern werden 14 171 nicht eingeschult. In vielen bayerischen Kitas werden Dreijährige deshalb wohl keinen Platz mehr bekommen. Eltern aber haben darauf einen Rechtsanspruch.

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In Freising werden Gruppen vergrößert

Die Stadt Freising bemühe sich gemeinsam mit dem Amt für Jugend und Familie, die Situation zu entspannen, betont Steinhart. So erweitere das Amt für Jugend und Familie zeitlich befristet bestehende Betriebserlaubnisse der Kitas - Gruppen werden also vergrößert. Aber nur wenn dies die personelle und räumliche Situation der Einrichtung zulässt. Dies geschehe aber erst, wenn die Personalbesetzung für das neue Kindergartenjahr erfolgreich abgeschlossen ist. "Derzeit aber fehlt es einfach an Personal", beklagt Steinhart.

Die Eltern mussten sich bis Anfang Mai entscheiden, ob ihre Kinder von September an die Schule besuchen werden. 16 Eltern in Neufahrn nutzten diese lange Entscheidungsfrist bis zum Schluss, berichtet Michaela Wiencke, Leiterin des Personal- und Ordnungsamtes. Bis auf zwei Kinder werden nun tatsächlich alle anderen 14 noch ein weiteres Jahr den Kindergarten besuchen. "Das sind viel mehr, als wir dachten." Nun will man eine zweite Schulkindergartengruppe eröffnen, aber noch sei nicht sicher, ob dafür das notwendige Personal gefunden werde, sagt Wiencke. Sonst müssten die Kinder weiterhin ihre Kindergartengruppe besuchen.

In Neufahrn werden im Herbst nicht alle Familien einen Platz bekommen, berichtet sie. Es gibt eine Warteliste. "Wir werden einen Engpass haben, vor allem bei Kindern, die während des Betreuungsjahres drei Jahre alt werden." Auch in Moosburg war die Situation schon nach der Einschreibung für den Kindergarten angespannt. Nach der Anmeldewoche haben viele Familien für September noch keinen Platz, etwa 50 fehlen. Laut Verwaltung kommen noch weitere 50 Kinder dazu, die im Laufe des Jahres drei Jahre alt werden und damit einen Anspruch auf einen Betreuungsplatz haben. Durch den Schulkorridor ist die Zahl auf der Warteliste aber schon jetzt noch einmal angestiegen. Denn auch in Moosburg haben sich noch etliche Eltern dafür entschieden, ihr Kind erst ein Jahr später einschulen zu lassen. Man arbeite fieberhaft an einer Lösung, heißt es dazu aus dem Rathaus.

In Hallbergmoos und Marzling gibt es bisher keine Probleme

In Hallbergmoos dagegen habe es im Vergleich zu früheren Jahren keinen signifikanten Unterschied gegeben, berichtet Rudolf Weichs, Leiter der Grund- und Mittelschule Hallbergmoos. "Aber es sind schon einige Kinder mehr gewesen, die nicht eingeschult werden." Große Probleme gebe es deshalb aber keine. Zumindest habe es von den Kindergärten keine entsprechende Meldung gegeben, schränkt Weichs ein. Bürgermeister Harald Reents dagegen sieht den flexiblen Einschulungstermin schon "etwas problembehaftet", da erst am Entscheidungstermin tatsächlich feststeht, ob ein Kindergartenplatz frei werde. Zudem sei der Andrang auf den Vorschulkindergarten hoch, dort seien alle Plätze belegt. Eventuell müsse sogar aufgestockt werden. Das würde dann aber wiederum bedeuten, dass sich die Hortplätze in dieser Einrichtung entsprechend verringern.

In Marzling dagegen sei das kein Thema, sagt Bürgermeister Dieter Werner. "Das liegt vielleicht auch mit an der Ländlichkeit, die wir noch haben." Die meisten der Eltern würden den Fachkräften im Kindergarten vertrauen und deren Urteil folgen. "Dadurch hatten wir das Ganze besser im Griff und wurden nicht überrascht. Unsere Planung hat in etwa gestimmt."