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Mitten in Moosburg:Lob, wem Lob gebührt

Bei schnellen Posts geht es manchmal leicht daneben

Kolumne von Alexander Kappen

Er hat nie einen Hehl daraus gemacht, auf welchem Gebiet er sich besonders zuhause fühlt. Josef Dollinger ist ein passionierter Handwerker und hat als Privat- und Geschäftsmann schon Bauprojekte aller Art verwirklicht. Er war einst Bau- und Liegenschaftsreferent des Stadtrats und machte, bevor er zum Moosburger Bürgermeister gewählt wurde, auch deutlich, dass das weiterhin einer seiner Schwerpunkte bleiben werde: "Das ist ein Steckenpferd von mir, mit dieser Materie bin ich vertraut, das macht mir Spaß, da kenne ich mich aus."

Wer ein Faible für Baustellen hat, spürt natürlich eine besondere Verbundenheit mit jenen, die dort regelmäßig zu Gange sind. So verwundert es kaum, dass die fleißigen Männer vom Bauhof, deren großes Engagement in der Stadt unstrittig ist, vom obersten Dienstherren regelmäßig gelobt werden. Ob sie nun einen Zaun um die Mariensäule ziehen, damit Moosburg wegen der sich dort sammelnden Menschenmassen nicht zum Corona-Hotspot wird, oder ob sie barrierefreie Straßenübergänge in der Innenstadt errichten - stets gibt es anerkennende Worte vom Bürgermeister und im Idealfall die zugehörigen Bilder auf Facebook.

So auch dieser Tage, als der Bauhof einen sehr schön gewachsenen Christbaum neben der infektionsgeschützten Mariensäule aufgestellt und eine Holzbude von einem Lastwagen abgeladen hat. Der "Stern von Bethlehem" am Dach der Bude ließ erahnen, dass es sich um eine Krippe handelte. Als der Bürgermeister am Montagmorgen das entsprechende Foto samt kurzem Text postete, kam er jedoch ein wenig durcheinander. Vielleicht lag es daran, dass er neben der Bauzunft auch ein Herz für die Landwirtschaft hat. Oder aber Ochs und Esel, die sich für gewöhnlich ja auch in so einer Krippe befinden, lockten ihn unterbewusst auf eine falsche Fährte. Jedenfalls schrieb der Bürgermeister über das Bild: "Unsere Innenstadt wird weihnachtlich. Die Mitarbeiter des Bauernhofs sind wieder fleißig am werkeln."

Philipp Fincke - nicht nur Digitalisierungsreferent im Stadtrat, sondern offenbar auch Sonderbeauftragter der Schlichtungsstelle für Bau- und Landwirtschaftsangelegenheiten - rückte die Sache jedoch gleich gerade, noch bevor sich ein handfester Konflikt entwickeln konnte. Ein Sternchen und ein Wort genügten dafür: *Bauhofs. Nachdem zwischenzeitlich ein User die Gelegenheit genutzt hatte, auch der Stadtgärtnerei seinen Respekt zu zollen ("Toller Job!"), korrigierte bis zum Mittag dann der Bürgermeister seinen Fehler. Der Bauhof erhielt sein verdientes Lob. Der Bauernhof muss weiter warten.

© SZ vom 24.11.2020
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