Klimawandel:Mehr Stürme, Hochwasser und Hitzetote

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Klimawandel: Sturmtief Sabine war im Juni über Teile des Landkreises hinweggefegt. Orkanartige Böen entwurzelten oder knickten Bäume und ließen sie, so wie in Moosburg, auf Autos stürzen.

Sturmtief Sabine war im Juni über Teile des Landkreises hinweggefegt. Orkanartige Böen entwurzelten oder knickten Bäume und ließen sie, so wie in Moosburg, auf Autos stürzen.

(Foto: Marco Einfeldt)

Der Landkreis Freising will einen Klimaanpassungsmanager einstellen, um auf die Folgen der Erderwärmung vorbereitet zu sein. Weil dessen Anforderungsprofil "schwammig" ist, vertagt der Planungsausschuss des Kreistags seine Zustimmung.

Von Peter Becker, Freising

Sturmtief Sabine, das im Juni über die Hallertau und Moosburg hinwegfegte, gibt einen Vorgeschmack darauf, was den Landkreis Freising im Zuge einer weiteren Klimaerwärmung noch erwarten dürfte. Es gab Tote zu beklagen, in Moosburg fiel für Stunden die Stromversorgung aus und bei Oberappersdorf warf der orkanartige Sturm eine ganze Fichtenmonokultur um. Meteorologen prophezeien eine Zunahme solcher Extremwetterlagen. Und weil die Sommer immer heißer werden, wird die Zahl der Hitzetoten steigen.

Wie sich der Landkreis auf solche Szenarien vorbereiten kann, das soll ein Klimaanpassungsmanager erarbeiten. So will es ein Antrag der Grünen, der in der Sitzung des Planungsausschusses des Kreistags zurückgestellt wurde. Aufgrund der vagen Aufgabenstellung für einen solchen Klimaanpassungsmanager sah sich das Gremium nicht im Stande, eine Entscheidung zu fällen. Der Energiebeauftragte am Landratsamt, Moritz Strey, soll bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses das Anforderungsprofil schärfen.

Die Verwaltung befürwortet jedenfalls den Antrag der Grünen und hat laut Strey schon mal "proaktiv" einen Antrag auf Förderung der Stelle und des damit verbundenen Konzepts gestellt. Die Gesamtkosten sind mit gut 199.000 Euro kalkuliert. Der Zuschuss, für den eine Zusage noch aussteht, soll etwa 159.000 Euro betragen. Für den Landkreis blieben knapp 40.000 Euro übrig. Das Klimafolgenanpassungskonzept beinhaltet primär auf Kartenbasis gesammelte Informationen zu klimatischen Veränderungen und deren Bewertung.

Strey untermauerte die Dringlichkeit der Anstellung eines Klimaanpassungsmanagers mit Daten. So habe sich die Durchschnittstemperatur im oberbayerischen Hügelland, zu dem der Landkreis gehört, bereits um 1,5 Grad erhöht. Verfahre die Menschheit beim Ausstoß von Treibhausgasen nach dem Motto "Business as usual" könnte diese gar um bis zu sechs Grad steigen.

Der Manager darf lediglich beraten. Nur die Gemeinden dürfen Vorschläge umsetzen

Michael Stanglmaier begründete den Antrag seiner Fraktion mit dem Szenario von zu erwartenden häufigeren Überschwemmungen und Hitzesommern. Der Landkreise Ostallgäu und Bamberg ließen schon ein Konzept zur Anpassung der Folgen an den Klimawandel erstellen. Josef Deliano (CSU) wies zu Recht darauf hin, dass so ein Manager nur beraten, aber nichts vorschreiben dürfe. "Nur die Gemeinden können Vorschläge umsetzen."

Landrat Helmut Petz (FW) versicherte, dass das Landratsamt nur Serviceleistungen bringen könne. Und da hatte er gleich zwei Beispiele parat: Damit der Wald bei Oberappersdorf überhaupt wieder eine Chance hat zu wachsen, bedürfe es praktisch einer Abschussplanung für das Wild. "Die entscheiden wir!" Und wenn bei weiteren Stürmen bei der Moosburger Realschule das Dach wegfliege, müsste man sich fragen: "Was haben wir falsch gemacht?"

Robert Scholz findet es unsinnig, Stellen zu beantragen, nur weil es Zuschüsse gibt

In der Land- und Forstwirtschaft haben "wir die Dinge schon selbst erkannt", entgegnete Deliano, selbst Land- und Forstwirt. Da brauche er keinen Manager, was solle der ihm sagen? Der Antrag sei in dieser Form nicht zustimmungsfähig, solange er nicht konkretisiert werde. Robert Scholz (FW) sieht dies ebenso. Nur Stellen zu beantragen, weil es Geld dafür gebe, sei überflüssig. Michael Albuschat (AfD) stimmt damit überein. Die Verwaltung sei ohnehin schon "ein Wasserkopf" und die Zuschüsse für Konzept und Stelle stammten aus Steuergeld.

Strey gab zu, das Aufgabenprofil eines Klimaanpassungsmanagers bewusst etwas "schwammig" gehalten zu haben, um es später anpassen zu können. Besser wäre es gewesen, die ureigenen Aufgaben des Landkreises, den Katastrophenschutz und die Gesundheitsvorsorge, in den Vordergrund zu stellen. Stanglmaier betonte, angesichts drohender Hitzewellen besonders "vulnerable Personen" schützen zu müssen. Damit ging auch Deliano konform.

Moritz Strey muss jetzt die Vorteile besser herausarbeiten

Die Kreisrätinnen und Kreisräte könnten sich bei der Bewältigung des Klimawandels durchaus eine Beratung durch den Landkreis vorstellen. "Wenn uns der Manager zu Hilfe kommt, dann ja", betonte Georg Krojer (FW). "Doch eine Notfallplanung können die Gemeinden selber machen", sagte er und bezog sich auf eine Sitzung des Gemeindetags in Eching. Peter Warlimont (SPD) verwies auf die Klimaschutz-Aktivitäten der Stadt Freising, welche diese innerhalb ihrer Planungshoheit unternehme. Große Gemeinden könnten das durchaus selbst erledigen, entgegnete Strey, kleinere wie etwa Mauern dagegen nicht. Warlimont riet, vor einer Entscheidung erst die Meinung der Gemeinden abzufragen. Von Franz Heilmeier (Grüne) bekam Strey den Auftrag mit, das Aufgabenprofil des Managers zu schärfen "und den Benefit stärker herauszuarbeiten".

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