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Kommunalwahl in Freising:Blaue Stunde im Lindenkeller

Gemeinsam in den Wahlkampf, der kein "Kampf" sein sollte, sondern eine "Bewerbung": Tobias Eschenbacher und Birgit Mooser-Niefanger.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Freisinger Mitte stimmt sich mit einem singenden Oberbürger­meister auf den Wahlkampf ein

Sollte Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher bei der Kommunalwahl am 15. März 2020 nicht wiedergewählt werden, er müsste sich zumindest keine Gedanken machen, wie er seine dann plötzlich freien Abende verbringt: Er könnte wohl ohne weiteres als Sänger bei Apollons Smile oder wahlweise der Shakers Bluesband einsteigen, das entsprechende Talent hat er am Donnerstag beim Wahlkampfauftakt der Freisinger Mitte auf der Bühne mit den Musikern einmal mehr unter Beweis gestellt.

Trotzdem ist natürlich die Wiederwahl das erklärte Ziel von Eschenbacher und seiner Freisinger Mitte, man will möglichst viele Sitze im Freisinger Stadtrat erobern und mit Birgit Mooser-Niefanger künftig auch noch die erste Freisinger Landrätin stellen. Gut hundert Gäste hatten sich zur Auftaktveranstaltung der "Wahlbewerbung" im liebevoll dekorierten Oberhaus des Lindenkellers eingefunden - das Wort "Wahlkampf" will der Oberbürgermeister eigentlich gar nicht so gerne verwenden: "Das passt nicht zur Freisinger Mitte."

Tatsächlich ist man bei der Wählervereinigung vor allem darauf stolz, jenseits aller Parteipolitik unvoreingenommen an die verschiedenen Themen heranzugehen und sich eine eigene Meinung zu bilden, wie Eschenbacher in einer kurzen Rede unterstrich. Dabei seien die Mitglieder natürlich nicht immer einer Meinung, aber das müsse man aushalten können.

Man könne auch stolz sein auf das, was man seit der ersten Wahl in den Stadtrat 2012 gemeinsam geschafft habe, sagte der Oberbürgermeister weiter: Man habe in Freising lange umstrittene Projekte wie die Eishalle und das Schwimmbad abschließen können - auch wenn das natürlich "nicht allein unser Verdienst, sondern schon eine Leistung des Gesamtstadtrats war", wie er einräumte. Nun würde die Freisinger Mitte natürlich gerne noch die Fertigstellung der Innenstadt aktiv begleiten, "und wir sind zuversichtlich, dass wir die wenigen Punkte, die noch nicht auf dem Weg sind, jetzt in der neuen Stadtratsperiode anpacken können". Schwerpunktthemen seien dabei sicher die Verkehrswende, der Wohnungsbau und weitere Investitionen in Bildung und Kinderbetreuung.

Auch Mooser-Niefanger warb für den Weg, die "moderne Politik" der Freisinger Mitte. "Was sagt es über Politik, wenn Vorhaben wie Projekte aufgesetzt werden, die Bürger gehört und einbezogen und fast alle Beschlüsse einstimmig für etwas ausfallen", so ihre rhetorische Frage an die Gäste. Fragen sind für die Landrats-Kandidatin eines der wichtigsten Elemente der Politik, wie sie weiter erklärte, bevor auch sie das Thema bezahlbarer Wohnraum als eines der wichtigsten auf ihrer Agenda nannte. Wohnen sei ein Grundbedürfnis der Menschen. "Wir versuchen, das Problem in den Griff zu bekommen, aber den einen Zaubertrick gibt es leider nicht."

Mit Blick auf den Klimawandel erklärte Mooser-Niefanger, dass die FSM für den "Klimadialog" stehe, dass man darüber reden und überlegen wolle, was jetzt zu tun sei, "und zwar mit Tempo". Von den Besuchern des Abends würde sie sich wünschen, "dass sie heimgehen und sagen, dass sie eine Optimistin getroffen haben", schloss sie ihr Grußwort, bevor sie sich zum Feiern unter die Gäste mischte - bei FSM-blauer Beleuchtung, blauen Cocktails und mit einem singenden Oberbürgermeister.