Jugendkriminalität in Freising Rauschgift-Handel im großen Stil

21-jähriger Freisinger versucht sich als Farmarbeiter, Winzer und Restaurantfachmann - er endet als Drogendealer vor Gericht.

Von Alexander Kappen

Beruflich habe der 21-jährige Angeklagte noch nicht Fuß gefasst, hieß es im Bericht der Jugendgerichtshilfe - obwohl er schon einiges ausprobiert habe: Farmarbeiter in Australien, Restaurantfachmann in Hamburg, Winzer in der Toskana. Aber eines ist sicher, wenn man dem jungen Mann Glauben schenkt: Drogendealer scheidet als Berufsziel ab sofort aus. "Ich möchte mit dem Ganzen abschließen", versicherte er in der Jugendschöffensitzung des Freisinger Amtsgerichts, in der er sich wegen Rauschgifthandels im großen Stil verantworten musste. Er wurde letztlich zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Der frühere Freisinger, der jetzt in Hamburg wohnt, hatte von Anfang 2010 bis Mitte 2011 eineinhalb Jahre lang mit Marihuana gehandelt. Die Übergaben fanden meist in der Wohnung eines Freundes in Freising statt, wo er die Drogen in Tupperdosen und kissengroßen Plastikbeuteln auch aufbewahrte. Ein Holzschuppen zwischen Freising und Oberhaindlfing diente ebenfalls als Lagerplatz. Teilweise betrieb er seinen Handel von Hamburg aus, indem er einen Kurier mit den Drogen nach Freising schickte. Insgesamt verkaufte der junge Mann mehrere Kilogramm Drogen, die größte Einzelmenge betrug gut 800 Gramm. Seine Geschäfte wickelte er mit einer heute 23-jährigen Frau ab. Sie ist vom Landgericht bereits wegen Drogendelikten zu drei Jahren und drei Monaten verurteilt worden und sitzt im Aichacher Gefängnis ein. Bei der Verhandlung am Freisinger Amtsgericht, für die sie als Zeugin vorgeführt wurde, belastete sie den Angeklagten und sorgte so dafür, dass dieser letztlich ein Geständnis ablegte.

Zu Beginn der Verhandlung hatte der 21-Jährige einige Anklagepunkte eingeräumt, aber einen Großteil der weiteren Vorwürfe bestritten. So beteuerte er zunächst, nie über mehrere große Tupperboxen verfügt und diese in der Wohnung seines Freundes deponiert zu haben. Seine 23-jährige Hauptabnehmerin sowie eine weitere Zeugin widersprachen dieser Aussage allerdings. Auch den besagten Schuppen kenne er nicht, beteuerte der Angeklagte zunächst. Die 23-Jährige sagte jedoch aus, sich mit ihm dort getroffen und ein Päckchen mit Drogen von ihm erhalten zu haben.

Nach den belastenden Zeugenaussagen verkündete der Verteidiger nach Rücksprache mit dem Angeklagten schließlich dessen Geständnis. Für seinen Mandanten sei es bei der Vielzahl der Vorgänge zunächst schwierig gewesen, "alles geordnet in Erinnerung zu rufen". Durch die Schilderungen der Zeugen sehe er "jetzt aber wieder klarer". Das Geständnis sei "spät, aber nicht zu spät gekommen", meinte der Staatsanwalt. Zwar habe der Angeklagte nachhaltigen Drogenhandel mit Einzelmengen bis zu 850 Gramm geführt und bis zu zweieinhalb Kilo vorgehalten: "Das sind erhebliche Mengen." Aber er habe die wesentlichen Anklagepunkte eingeräumt und mit dem Geständnis gezeigt, "dass er mit dem Handel nicht weitermachen will". Er forderte für den Mann, der im Tatzeitraum noch nicht 21 Jahre alt war, eine Jugendstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Auch die Jugendgerichtshilfe plädierte für eine Bewährungsstrafe für den Angeklagten, der nach seinem Realschulabschluss, mehreren Gelegenheitsjobs und einer abgebrochenen Lehre derzeit ein Praktikum in einer Behindertenwerkstatt absolviert. Im Sommer hat er eine Ausbildungsstelle als biologisch-technischer Assistent in Aussicht.

Richter Boris Schätz fand zwar die verkauften Drogen "im Kilobereich für eine Stadt in der Größe Freisings beachtlich". Zumal der Angeklagte "ein Netzwerk und einen Vertrieb mit Depot, Kurier und erheblichem Organisationsaufwand von Hamburg aus geregelt hat". Aber das Geständnis und die Tatsache, dass er nicht vorbelastet war, hätten ihn gerettet: "Sonst wären Sie gewandert."