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Impfungen bei Kindern:Umstrittenes Piksen

Apotheker-Sprecher Thomas Bauer rät, sich eine Impfung gegen manche Kinderkrankheit sehr gut zu überlegen.

Eva-Maria Glück

Im Winter ist es die Grippe, im Sommer sind es Zecken und generell sind es Krankheiten wie Tetanus, Hepatitis oder Meningitis, gegen die sich die Deutschen beim Hausarzt impfen lassen. Oft ohne nachzudenken, denn obwohl die Impfung schützt, kann sie auch krank machen. Immer wieder erkranken Personen nach Impfungen an Allergien, Asthma und Diabetes, auch körperliche und geistige Behinderungen oder im schlimmsten Fall der Tod sind Folgeerscheinungen, die der Stich mit der Nadel hervorrufen kann. Die Mehrheit der Ärzte rät, sich an den von der Ständigen Impfkommission (Stiko) empfohlenen Impfkalender zu halten - Gegner kritisieren jedoch den fehlenden Nutzen mancher Impfungen und die Möglichkeit von schweren Komplikationen.

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Die von der Impfkommission empfohlene Menge von 37 Einzelimpfstoffen im ersten Lebensjahr sei "zu viel für einen kleinen Körper mit unausgereiftem Immunsystem", so Thomas Bauer.

(Foto: dapd)

Die Kontroverse um Nutzen und Risiken von Impfungen war auch Thema eines Vortrages von Thomas Bauer, Inhaber der Freisinger Klosterapotheke und Sprecher der hiesigen Apotheker, am vergangenen Mittwoch. "Impfen ist eine zweischneidige Angelegenheit, man muss mit dem Thema kritisch umgehen und sich nicht von Pharmaindustrie und Ärzten etwas einreden lassen", betonte er. Zwar versäumte er nicht, auf die - seiner Meinung nach aber auch umstrittenen - Erfolge in der Impfgeschichte hinzuweisen, etwa die Ausrottung schwerer Krankheiten wie Polio und Pocken, sprach sich jedoch deutlich gegen ein unhinterfragtes Impfen gemäß den Stiko-Empfehlungen aus.

"Durch Medien und Öffentlichkeitsarbeit der Pharmakonzerne wird die Angst in der Bevölkerung geschürt, tatsächlich sind die Risiken, an Krankheiten wie FSME, Gebärmutterhalskrebs oder Tetanus zu erkranken, aber sehr gering." Impfungen etwa gegen Röteln oder Windpocken seien Bauer zufolge sowieso unnötig, "diese Krankheiten haben wir doch alle früher durchgemacht, geschadet hat es nicht".

Um vor diesen und anderen Krankheiten zu schützen, werde von der Impfkommission die Injektion von 37 Einzelstoffen für Kinder unter einem Jahr empfohlen - "zu viel für einen kleinen Körper mit unausgereiftem Immunsystem", so Bauer. Durch die in den Impfstoffen enthaltenen Gifte wie Konservierungsmittel, Aluminiumverbindungen oder Formaldehyd drohen vielfältige Risiken. Studien hätten gezeigt, dass ungeimpfte Kinder weniger Asthma, Neurodermitis und Allergien bekämen, als nach Plan Geimpfte. "Allerdings werden die Schäden oft nicht mit den Impfungen in Verbindungen gebracht, da sie Monate oder Jahre später auftreten können", bedauerte Bauer.

Dass Erkenntnisse über die Gefährlichkeit von Impfstoffen einer breiten Öffentlichkeit nicht bekannt sind, liege laut Bauer an den finanziellen Interessen der Pharmaindustrie, schließlich seien Impfstoffe die umsatzstärkste Präparategruppe, die verkauft wird. "Viele Studien zu Impfstoffen sind von der Industrie finanziert und die Stiko arbeitet mit den Herstellern zusammen", sagte Bauer. Auch, dass Impfungen nicht immer einen hundertprozentigen Schutz bieten, werde selten thematisiert. Alles in allem also Gründe, beim Kinderarzt die Impfung der Kleinen zu verweigern.

"Unsinn", sagt jedoch Christian Fritsch, Chef des Gesundheitsamtes Freising, auf Nachfrage der SZ. Der Impfkalender der Stiko entspreche dem aktuellen Stand der Wissenschaft und sei durch Untersuchungen bestätigt. "Eine Wahrheit gilt schließlich so lange, bis sie falsifiziert werden kann - das ist bisher nicht gelungen", so Fritsch. Die Stiko sei eine seriöse Institution, deren Empfehlungen nicht aus der Luft gegriffen seien. Natürlich könne letztendlich aber jeder selbst entscheiden, ob er sich oder seine Kinder impfen lassen möchte, "eine Impfpflicht wie in den USA haben wir ja nicht".

Nebenwirkungen gesteht Fritsch Impfungen durchaus zu, allerdings seien diese "eher gering", Meldungen über Schäden gebe es kaum. Auch bei Auffrischungsimpfungen - bei Tetanus laut Apotheker Bauer nicht notwendig, da der Schutz nach einer Impfung weiterhin bestehe - widerspricht Fritsch: "Das Risiko einer Erkrankung besteht, wenn keine Auffrischung erfolgt, und dabei geht es nicht darum, dass die Hersteller möglichst viele Impfstoffe verkaufen wollen." Von wissenschaftlichen Instituten müssen Impfstoffe überprüft und Nebenwirkungen eingeschätzt werden, "Risiken werden dann abgewogen". Impfgegner Thomas Bauer hingegen empfiehlt Eigenverantwortung und kein blindes Vertrauen".

© SZ vom 25.09.2010/seng

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