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Hygieneskandal bei Großbäckerei:Müller-Brot meldet Insolvenz an

Das von schweren Hygieneproblemen gebeutelte Unternehmen Müller-Brot ist insolvent. Dies bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts Landshut der "Süddeutschen Zeitung". Zuletzt hatte die Großbäckerei immer mehr Aufträge verloren, unter anderem von Aldi-Süd.

Müller-Brot hat am Donnerstagnachmittag am Amtsgericht in Landshut einen Insolvenzantrag gestellt. Das bestätigte ein Sprecher des Amtsgerichts der Süddeutschen Zeitung. Zuvor hatte die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) die Nachricht publik gemacht und vor dem möglichen Verlust von bis zu 1100 Arbeitsplätzen gewarnt. Die NGG warf den Geschäftsführern von Müller-Brot und dem Mehrheitseigentümer Klaus Ostendorf vor, sie hätten die Pleite möglicherweise bewusst herbeigeführt und wollten "sich mit einer Insolvenz der Mehrheit der Beschäftigten und der Schulden kostengünstig entledigen".

Müller-Brot war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Der Backkonzern aus Neufahrn im Landkreis Freising hatte in den letzten Tagen mehrere Großkunden verloren: Am Mittwoch war nach dem Discounter Lidl auch Aldi-Süd abgesprungen. Noch bei der Betriebsversammlung am Samstag hatte einer der Geschäftsführer von Müller-Brot den Bediensteten versprochen, dass die Löhne sicher seien. Für diesen Freitag hatte Müller-Brot zudem die Lebensmittelkontrolleure bestellt, um die gereinigten Maschinen abnehmen zu lassen. Dies ist Voraussetzung, um nach zweieinhalb Wochen Pause wieder die Produktion zu starten. Entsprechend überrascht waren die Beschäftigten, von denen etliche die Nachricht nicht direkt, sondern aus dem Radio erfuhren.

Wie es mit Müller-Brot nun weitergeht, wird vor allem der Nürnberger Rechtsanwalt Hubert Ampferl entscheiden. Das Amtsgericht Landshut bestellte ihn zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Ampferl hat zuletzt mehrere Verfahren geleitet, die auch in der Öffentlichkeit für viel Aufmerksamkeiten gesorgt haben: So kümmert Ampferl sich derzeit um den Nachlass des toten Regener Landsrats Heinz Wölfl, der hohe Spielschulden angehäuft hatte.

Ampferl betreute auch die Insolvenz von Schmack Biogas und rettete den Oberpfälzer Biogasanlagenhersteller, indem er ihn an den sauerländischen Heizungsbauer Viessmann verkaufte. Die Angestellten bei Müller-Brot dürften nun darauf hoffen, dass dem Insolvenzverwalter ähnliches bei ihrem Unternehmen gelingt - und er dadurch zumindest einen Teil der Jobs in Neufahrn rettet.

Der Hygieneskandal bei Müller-Brot hatte am Donnerstag auch den bayerischen Landtag beschäftigt. Gesundheitsminister Marcel Huber (CSU) verteidigte im Umweltausschuss das Handeln der Behörden im Fall Müller-Brot. Das Unternehmen habe rücksichtslos gegenüber Verbrauchern und Mitarbeitern gehandelt, die Behörden hingegen konsequent, sagte Huber. Die Opposition sah das anders. Auf einen Dringlichkeitsantrag der SPD hin mussten sich der Minister, der Präsident des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Andreas Zapf, sowie der Freisinger Landrat Michael Schwaiger (FW) mehr als drei Stunden lang den Fragen stellen.

Einig war man sich im Ausschuss nur, dass Müller-Brot selbst der Hauptschuldige des Hygieneskandals sei. LGL und Landratsamt hätten dem Unternehmen viel früher mit der Veröffentlichung der Kontrollergebnisse drohen müssen, um Druck zu erzeugen, sagte der Ausschussvorsitzende Christian Magerl (Grüne). Spätestens seit die Staatsanwaltschaft ermittelte, seit Mai 2011, hätte das Lebens- und Futtermittelgesetz dies erfordert.

LGL-Chef Zapf berichtete, dass auch die Staatsanwaltschaft Landshut die Produktionsräume von Müller-Brot frühzeitig durchsucht hat - und zwar am 4. Juli 2011, kurz bevor dem Abteilungsleiter des LGL der Geduldsfaden riss und das Amt mit seiner Spezialeinheit die Geschäftsführung "richtig an den Haken genommen" habe. Die Geschäftsleitung von Müller-Brot habe sich aber weiter unkooperativ gezeigt.

© SZ vom 17.02.2012/mkoh
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