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Gaststätten im Landkreis Freising:"Corona-freie Zone"

Klare Vorgaben zu den Tests wünschen sich Johannes und Martina Killermann vom Gasthof Lerner. Selbsttests vor Ort sehen sie skeptisch.

(Foto: Marco Einfeldt)

Die Freien Wähler wollen die Regeln für die Gastronomie lockern. Im Tagungszentrum Schloss Hohenkammer zeigt man von 7. März an, wie ein Betrieb unter strengen Auflagen und mit täglichem Test aussehen kann

Von Hanna Dittrich

Dass die Corona-Pandemie vor allem den Tourismus getroffen hat, sollte nicht überraschen - 62 Prozent weniger Gäste als 2019 sind dennoch erschreckend. Im Landkreis Freising gingen 2020 lediglich 246 000 Gäste ein und aus. Auch die Zahl der Übernachtungen sank im ersten Corona-Jahr um 51 Prozent auf 518 000, besagen die aktuellen Zahlen des Statistischen Landesamts.

Am 3. März verhandeln Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der Länder erneut über mögliche Lockerungen der aktuellen Corona-Maßnahmen. Eine Möglichkeit wäre, Gastrobesuche sowie touristische Übernachtungen bei Vorlage eines negativen Corona-Tests wieder zuzulassen, so Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Die Freien Wähler im Landtag fordern, diese Öffnungsperspektive spätestens bis Ostern zu realisieren. Der Freisinger Landtagsabgeordnete Benno Zierer unterstützt den Vorstoß und ist überzeugt, dass zugelassene Corona-Selbsttests neue Möglichkeiten bieten und Lockerungen für die Gastronomie zur Folge haben sollten.

Auch Johannes und Martina Killermann vom Gasthof Lerner in Freising sind sicher, dass ihre Gäste sich selbst testen würden, um sich wieder mit Freunden treffen zu können. "Wir Gastronomen bräuchten aber ganz klare Vorgaben, wie wir die Tests kontrollieren müssen", sagt Martina Killermann. Dass Gäste die Selbsttests vor Ort durchführen, hält sie für schwer umsetzbar. Auch Zierer setzt auf die Ehrlichkeit der Menschen. Wie solche Maßnahmen aussehen könnten, zeigt das Schloss Hohenkammer ab dem 7. März - von da an soll das Tagungszentrum als "Corona-freie Zone" gelten. Geschäftsführer Martin Kirsch ist sich sicher: "Wir haben einen strengen Test- und Hygiene-Plan aufgestellt. Die Covid-19-Schnelltests spielen die Hauptrolle bei unserem Konzept, aber auch die AHA-Regeln und weitere Faktoren, die erfüllt werden müssen. Wir sind davon überzeugt, dass unser Konzept greift und wir unseren Gästen und Tagungsteilnehmern in unserer Anlage ein stückweit Normalität und Sicherheit zurückbringen können. Auch wenn Masken auf noch unbestimmte Zeit eine Rolle spielen werden."

Wer in dem Tagungszentrum eine erlaubte berufliche Fort- oder Weiterbildungsbesuch durchführt, muss allerdings täglich durch eine Art "Testschleuse". Hier wird jeder mit einem Schnelltest getestet und darf das Schloss erst bei vorliegendem negativen Ergebnis betreten. Das gleiche gilt für die Mitarbeiter. Verwendung finden ausschließlich die von der Bundesregierung zugelassenen Schnelltests, die von geschultem Personal von Schloss Hohenkammer durchgeführt werden. Für die Teilnehmer sind die Tests kostenlos und sollten sie einmal nicht ausreichen, hätte man auch dafür Notlösungen. Kirsch gibt an, dass zur Not auch auf medizinisch zugelassene Tests zurückgegriffen werde. Die würden dann aber unbedingt ein geschultes Fachpersonal bei der Injektion verlangen. So sei ausgeschlossen, dass es Test-Mangel gebe. Zur Kennzeichnung bei den täglichen Tests erhalten die Gäste und Mitarbeiter farbige Bändchen - wenn der Test negativ ausgefallen ist. Positiv Getestete müssen selbstverständlich das Gelände umgehend verlassen.

Doch nicht nur die Gastronomen oder Hoteliers, auch die Zulieferer bräuchten schnellstmöglich Planungssicherheit, betont Georg Schneider, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, Region Rosenheim-Oberbayern. Außerdem seien einheitliche Auflagen und detaillierte Hygienekonzepte entscheidend. Allerdings haben die Betriebe seiner Ansicht nach dies bereits im Sommer 2020 unter Beweis gestellt. Schneider hoffe auch auf weitere finanzielle Unterstützung seitens der Politik: "Wer das Gastgewerbe über viele Monate schließt, muss auch die Folgen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedenken. Wir brauchen dringend ein Mindest-Kurzarbeitergeld von 1200 Euro im Monat." Selbst bei den erhofften Öffnungen sei das Personal noch monatelang auf Kurzarbeitergeld angewiesen.

© SZ vom 27.02.2021
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