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Freisinger Köpfe:Ganz auf das Amt fokussiert

Karl Ecker, Bürgermeister in Au.

(Foto: Marco Einfeldt)

Karl Ecker ist seit 24 Jahren Auer Bürgermeister, im Mai hört er auf.

Von Peter Becker, Au

24 Jahre lang war Karl Ecker (FW) Bürgermeister der Marktgemeinde Au. Im Sommer des vergangenen Jahres hatte er aus gesundheitlichen Gründen beschlossen, kein fünftes Mal für dieses Amt zu kandidieren. In die Wiege gelegt war ihm diese politische Karriere nicht. Nach dem Besuch der Freisinger Wirtschaftsschule ging Ecker, der in Au aufgewachsen ist, zunächst an die Holzfachschule nach Rosenheim. 16 Jahre lang arbeitete er im heimischen Sägewerk, zunächst mit dem Vater, dann in Eigenregie. Über das Telekolleg II eignete sich Ecker von 1986 bis 1988 die Fachhochschulreife an. "Ich habe vorgehabt zu studieren", sagt Ecker. Doch er sei im Geschäft unabkömmlich gewesen.

1982 zog Karl Ecker, der ein sehr religiös geprägter Mensch ist, in den Pfarrgemeinderat ein. Auffällig war, dass er schon damals viele Stimmen auf sich vereinen konnte. 1984 trat Ecker zum ersten Mal für den Marktgemeinderat an. Er war dem damaligen Bürgermeister Wilhelm Kobl durch seine Arbeit im Pfarrgemeinderat aufgefallen. Dieser habe ihn angesprochen, ob er nicht für die Freien Wähler für den Gemeinderat kandidieren wolle.

Ecker diskutierte das innerhalb der Familie. "Der Vater hat gesagt, dass das eine große Ehre ist", erinnert sich der Auer Bürgermeister. "Und es hat auf Anhieb geklappt." Der junge Marktrat durchlebte dort eine harte Zeit. "Die älteren Herrschaften haben mehr über mich gesprochen als mit mir", erzählt Ecker. Doch Kobl habe ihm vorhergesagt, dass er irgendwann mal Bürgermeister werde.

1990 ließ sich Ecker abermals für den Marktgemeinderat aufstellen. Diesmal für die gemeinsame Liste der CSU/PFW. In dieser Zeit habe er festgestellt, dass ihn zwar die Arbeit im Rathaus interessiert, aber keine Parteipolitik. 1996 war es dann soweit. Als Kandidat der FWG eroberte er das Auer Rathaus. "Die Bevölkerung wollte einen jungen dynamischen Bürgermeister", sagt Ecker. Er gewann die Wahl gegen zwei Mitbewerber mit 57 Prozent der Stimmen, exakt das gleiche Ergebnis, das sein Nachfolger Hans Sailer bei den jüngsten Kommunalwahlen holte.

Seit seiner ersten Wahl hat Ecker sein Leben auf dieses Bürgermeisteramt hin ausgerichtet. "Aber ich war deswegen nicht unglücklich", resümiert er. Im Mai startete er damals gleich mit einer Straßenbaukonferenz zur Ortsumfahrung von Au durch. Ein Projekt, das 14 Jahre später verwirklicht werden sollte. Schon 2006 hatte Ecker es geschafft, den Marktplatz neben dem Rathaus zu etablieren. Es folgte der Bau der Hopfenlandhalle. Eigentlich hatte sich seinerzeit der junge Bürgermeister vorgenommen aufzuhören, wenn er diese drei Projekte verwirklicht habe. Doch dann folgten noch der Bau einer Realschule in Au und der Start zur Erneuerung der Ortsmitte.

Um den Bau der Realschule hatte der Auer Bürgermeister hart im Kreistag gerungen. Er musste gegen viel Widerstand ankämpfen. Doch sein Lieblingsprojekt, gesteht Ecker, ist der Bockerlradweg auf der alten Bahntrasse der Holledauer Bockerlbahn. Sieben Jahre lang haben die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn als Eigentümerin gedauert. Mit im Boot waren die Gemeinden Rudelzhausen und Wolnzach.

Vor ungefähr zwei Jahren stellte sich bei Ecker dann eine gewisse Unruhe ein, wie er erzählt. Er habe "X Großbaustellen" gleichzeitig angefangen und irgendwann das Gefühl gehabt: "Ich schaffe es nicht mehr. Ich kann die Ansprüche der Leute nicht mehr erfüllen." Diese waren im Laufe der Jahre immer diffiziler geworden. Da kämen auch mal Anfragen, welches Öl bei der Mittagsversorgung der Kinder verwendet worden sei. Irgendwann im vergangenen Jahr reifte in Karl Ecker schließlich der Entschluss, dass er keine weiteren sechs Jahre Bürgermeister der Marktgemeinde Au werden wolle.

© SZ vom 14.04.2020

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