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Freisinger Großveranstaltungen:"Wir hängen in der Luft"

Die "Freisinger Gartentage" werden 2021 nicht wie gewohnt im Mai über die Bühne gehen. Organisatorin Anita Fischer plant stattdessen eine Light-Version für Anfang September.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Uferlos-Macher Vipo Maat hat große Zweifel, dass das beliebte Festival in diesem Jahr abgehalten werden kann. Die Gartentage sollen wegen Corona statt im Mai erst im September stattfinden - in einer Light-Version.

Von Gudrun Regelein, Freising

Die Freisinger lieben ihr Uferlos-Festival, es ist ein fester Bestandteil in ihrem Jahreskalender. Parallel dazu finden im Mai schon traditionell die Freisinger Gartentage statt, die jährlich viele Tausende Gartenfreunde aus ganz Deutschland und dem Ausland in die Stadt locken. 2020 mussten die beiden Großveranstaltungen allerdings coronabedingt gecancelt werden. "Vor einem Jahr hat sich noch niemand vorstellen können, dass es gar keine großen Events mehr geben kann", sagt Vipo Maat, Geschäftsführer der Uferlos-Kultur- und Veranstaltungs-GmbH. Inzwischen sei das Realität - und momentan hält er es auch für eher unwahrscheinlich, dass es in diesem Mai ein Uferlos geben wird: "Ich bin da pessimistisch." Die Gartentage dagegen werden 2021 sicher nicht wie gewohnt im Mai über die Bühne gehen, sondern Organisatorin Anita Fischer plant eine Light-Version für Anfang September.

Die Uferlos-Macher haben sich eine Deadline gesetzt: Im März wird endgültig entschieden, ob das Uferlos stattfinden kann, sagt Maat. Er erwartet sich mehr Klarheit nach der kommenden Ministerrunde am 3. März. "Danach werden wir hoffentlich wissen, was in diesem Frühjahr möglich ist. Und ob Großveranstaltungen überhaupt genehmigt werden." Je nachdem, welche Auflagen es dafür gebe, könne dann das Uferlos vielleicht doch über die Bühne gehen. "Aber ein Festival mit nur 500 genehmigten Besuchern können wir nicht finanzieren", betont er. Alleine die Infrastruktur müsse bezahlt werden, dazu kämen Kosten für ein sicher notwendiges Hygienekonzept. "Das können wir bei nur so wenigen Besuchern nicht einspielen. In einem normalen Jahr kommen an den zehn Tagen etwa 100000 Besucher", erklärt Maat. Schon bis zur Eröffnung des Festivals würden Kosten in sechsstelliger Höhe entstehen. Ein großes Minus könne sich die Firma aber nicht erlauben, betont er.

Eine Verschiebung des Uferlos ist keine Option

Aber auch eine Verschiebung sei nicht wirklich eine Option, denn der Terminkalender sei eng gestrickt. Es kämen noch etliche Festivals später im Jahr, wie das Sinnflut-Festival in Erding. Eine abgespeckte Version sei auch keine Lösung: "Der Volksfestplatz ist dafür einfach zu groß, bei einer Miniveranstaltung wäre das ja dann Geisterstadt-mäßig, das sollte den Platz schon füllen. Außerdem würde das nicht zu unserem Konzept passen."

Planen könne man derzeit also nichts, trotzdem laufen momentan Gespräche mit verschiedenen Künstlern, Bands und Ausstellern aus ganz Deutschland. "Wir hängen in der Luft", sagt Maat. Derzeit, so lautet seine Einschätzung, sehe es aber nicht besonders gut aus für ein Uferlos 2021.

2019 haben Vipo Maat und Thomas Sedlmeier (rechts) den Freisingern das Uferlos-Festival in der Luitpoldanlage zuletzt bieten können. Wie es in diesem Jahr aussieht, ist noch ungewiss.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Gartentage für den Mai zu planen, sei ihr "viel zu heikel", sagt Anita Fischer. Aber die Gartenarchitektin will Anfang September gerne eine abgespeckte Version veranstalten. Diese hätte dann aber ein anderes als das gewohnte Format: keine Indoor-Veranstaltungen, kein Rahmenprogramm. "Geplant ist, dass nur die Aussteller ihre Pflanzensortimente an den Mann bringen können", berichtet Fischer. Und auch da rechnet sie nicht mit der sonst üblichen Zahl von etwa 100 nationalen und internationalen Ausstellern: Einige hätten bereits coronabedingt aufgeben müssen, für andere mit reinem Frühlings- und Sommersortiment sei der späte Zeitpunkt uninteressant. Wie die Gartentage in Zeiten von Corona stattfinden könnten, habe sie sich natürlich schon überlegt, sagt Fischer. So sollen die Besucher beispielsweise in einem Einbahnstraßensystem durch die Ausstellung gelotst werden.

Ende Juni oder Anfang Juli soll endgültig feststehen, ob die Gartentage stattfinden

"Wir warten nur noch auf ein ,go ahead' vom Landrat", sagt Fischer. Das Gespräch mit diesem zumindest sei "sehr positiv" gelaufen, auch Freisings Bürgermeister Tobias Eschenbacher sei informiert. Erst Ende Juni beziehungsweise Anfang Juli will sie sich dann aber endgültig entscheiden, ob es Sinn macht, die Gartentage zu veranstalten. Im vergangenen Jahr nämlich sei sie bereits im März startklar und alles vorbereitet gewesen - bis dann weniger als sechs Wochen vor der Veranstaltung klar geworden sei, dass diese nicht stattfinden könne. "Ich musste damals viel bezahlen, was ich gar nicht in Anspruch genommen habe", erzählt Fischer. Zudem haben sie und ihre Mitarbeiter viel unnötige Arbeitszeit in die Vorbereitung investiert - all das will sie in diesem Jahr vermeiden. Im Vergleich zu anderen - wie dem Uferlos - sei man mit jährlich 7000 bis 10 000 Besuchern zwar eine kleine Veranstaltung, "aber gespürt haben auch wir das".

Die diesjährigen Gartentage werden nur "Gartentage light" heißen, sagt Fischer. Die ursprünglich für 2020 geplante Veranstaltung mit dem Motto "Die Gartenwelt zu Gast in Freising - Willkommen Niederlande"möchte sie dann im kommenden Jahr nachholen. Dann nämlich feiern die Gartentage ihr 25-jähriges Bestehen. "Die Aussteller aus den Niederlanden haben bereits zugesagt, zu kommen."

© SZ vom 19.02.2021
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